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Dramatischer Mangel an Fachkräften

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Die Ampel-Parteien haben beim Thema Rente unterschiedliche Vorstellungen.
Die Ampel-Parteien haben beim Thema Rente unterschiedliche Vorstellungen. © Norbert Neetz/epd

Zuwanderung könnte der demografischen Entwicklung entgegenwirken. Von Kathleeen Retzar.

Ein Blick in die Zukunft zeigt: Deutschland wird nicht nur das Problem haben, dass immer weniger Arbeitskräfte in einem Arbeitsverhältnis auf einen Menschen im Ruhestand kommen. Es werden auch viele Fachkräfte fehlen. 2017 war das erste Jahr, in dem mehr Personen in Rente gegangen sind, als in den Arbeitsmarkt eingetreten sind. Das hat der Ökonom Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln berechnet, wie „Zeit Online“ berichtete.

Seitdem geht die Schere immer weiter auseinander. Die geburtenstarken Boomer-Jahrgänge erreichen das Rentenalter. Die geburtenschwachen Jahrgänge kommen auf den Arbeitsmarkt, was zu einer Differenz führt. Die Situation verschärft sich dadurch, dass immer mehr in Teilzeit gearbeitet wird.

„Wir stehen vor einer Krise gewaltigen Ausmaßes, die Unternehmen und Märkte auf der ganzen Welt wie ein Erdbeben erschüttern wird“, schreibt das Beratungsunternehmen Korn Ferry in seiner Untersuchung zur Zukunft der Arbeit. „Experten gehen davon aus, dass bis 2030 weltweit 85,2 Millionen Fachkräfte fehlen werden.“

Dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) liegen Vorausberechnungen für Deutschland vor. Im Jahr 2030 wird demnach der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter (zwischen 20 und 65 Jahren) um 3,9 Millionen auf 45,9 Millionen sinken. Im Jahr 2060 gibt es dann laut der Berechnungen schon 10,2 Millionen weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter.

Im vergangenen Jahr hat sich der Fachkräftemangel in Deutschland deutlich verschärft. Die sogenannte Fachkräftelücke habe sich im Jahresverlauf mehr als verdoppelt, berichtete das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (Kofa) des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in seinem Jahresrückblick 2021. Die Zahl der offenen Stellen, für die es rechnerisch bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen gab, stieg demnach von rund 213 000 im Januar auf gut 465 000 im Dezember.

Der steigende Fachkräftemangel trifft der Untersuchung zufolge den gesamten Arbeitsmarkt. Besonders ausgeprägt sind die Engpässe jedoch bei der Bauplanung und -überwachung, bei der Informatik sowie in der Altenpflege und in der Physiotherapie. Hier konnten rein rechnerisch 2021 im Schnitt mehr als acht von zehn offenen Stellen nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden.

Habeck kritisiert Hürden

Die Zuwanderung von Fachkräften entlastet die Situation bereits in Deutschland, so das BMWK. Im November 2018 hat die Bundesregierung ihre Strategie zur Sicherung von Fachkräften vorgelegt. Die Erwerbsbeteiligung soll gesteigert werden, indem Frauen und ältere Personen noch mehr in das Berufsleben eingebunden, aber auch die Zuwanderung von Fachkräften gefördert werden. Ziel sei es auch, das Potenzial von Geflüchteten zu nutzen, um das Problem zu mildern.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck kritisierte die deutschen Hürden für Facharbeiterinnen und Facharbeiter aus dem Ausland. „Abschlüsse werden nicht anerkannt, Anträge müssen von Botschaften bearbeitet werden“, sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe und der französischen Zeitung „Ouest-France“. Es reiche nicht, Fachkräfte einfach nach Deutschland einzuladen. „Sonst stehen sie im Regen vor dem Frankfurter Flughafen und kommen nicht weiter. Wir müssen viel Infrastruktur aufbauen, um das zu organisieren.“ (mit dpa)

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