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Sie wollen keine Maske tragen? Dann holt Sie die fidschianische Polizei ab.
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Sie wollen keine Maske tragen? Dann holt Sie die fidschianische Polizei ab.

Die Uhr tickt im Paradies

  • VonBarbara Barkhausen
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Bislang blieb Fidschi von der Pandemie weitgehend verschont, doch jetzt wird der Inselstaat extrem hart von Delta getroffen.

In Deutschland debattiert man im Juli 2021 Impfpflicht, Impfanreize, Impfgegnerschaft. Anderswo auf der Welt gestaltet sich der Umgang mit dem Virus und seiner nun aktivsten Variante Delta ganz anders. Zum Beispiel im sehr fern scheinenden Pazifik. Auf Fidschi.

Zwischen März 2020 und Anfang April 2021 registrierte der Inselstaat gerade mal 70 Covid-19-Fälle. „Letztes Jahr war Fidschi noch unglaublich erfolgreich“, sagte jüngst der UN-Vertreter im Land, Sanaka Samarasinha, in einem Videotelefonat. Die frühe Grenzschließung und strenge Quarantäneregeln konnten das Virus fernhalten.

Der pazifische Paradies, dass man in Europa vornehmlich als Sehnsuchtsort und gelegentlicher Teilnehmer in Rugby-Turnieren wahrnimmt, schottete sich gegen das Virus so gut ab, dass Australien und Neuseeland bereits einen Reisekorridor ins Gespräch gebracht hatten. Für Fidschi wäre dies ein Segen gewesen, um die angeschlagene Wirtschaft wiederzubeleben, die in großen Teilen vom Tourismus abhängt. Doch dieser Traum ist vorerst geplatzt.

Wettlauf gegen die Zeit

Inzwischen verzeichnet das Land täglich rund 700 Neuinfektionen, am Donnerstag meldete die Gesundheitsbehörde sogar mehr als 1200 Ansteckungen. „Insgesamt haben wir derzeit über 10 000 aktive Fälle“, berichtete Samarasinha. Die Entwicklung sei „besorgniserregend“, warnte der UN-Beamte. Delta, das zuerst in Indien auftrat, hat den Inselstaat fest im Griff. Ein Großteil der offiziell 74 Todesfälle wurde allein in den vergangenen 14 Tagen verzeichnet. Zwei der größten Krankenhäuser wurden in reine Quarantäne- und Intensivstationen umgewandelt, während für andere Notfälle temporäre Feldhospitäler errichtet wurden. Schwangere müssen ihre Babys momentan an Bord eines Schiffes zur Welt bringen, nachdem die Angst vor einer Infektion immer mehr um sich greift.

Die Impfkampagne wird deswegen immer mehr ein Wettlauf gegen die Zeit. Derzeit sind zwar immerhin 64 Prozent der rund 900 000 Menschen auf Fidschi mit einer ersten Dosis Astrazeneca und zwölf Prozent mit beiden Dosen geimpft, doch der Pazifikexperte Samarasinha sieht die Herausforderung, dies auf über 80 Prozent und damit Richtung Herdenimmunität zu katapultieren.

Denn der Inselstaat kämpft nicht nur gegen das Coronavirus, sondern gleichzeitig auch gegen etliche verworrene Verschwörungstheorien, wie der UN_Beamte berichtete. „Impfgegner streuen geradezu Angst vor Gott“, sagte er. „Sie verbreiten verrückte Geschichten.“ Die Polizei in Fidschi greift jedoch hart durch. Wer Lügen verbreitet, muss sich inzwischen sogar vor Gericht verantworten. So steht ein Pastor nun unter Anklage, nachdem er Anti-Impf-Kommentare in den sozialen Medien veröffentlichte und in kurzen Videos versuchte, allen, die ihn lasen oder ihm zuhörten, Angst vor der Impfung zu machen.

Um die Herdenimmunität trotz solcher Schwierigkeiten zu erreichen, hat Fidschi nun eine Covid-19-Impfung für alle arbeitenden Personen zur Pflicht gemacht – das betrifft gleichermaßen den Regierungsapparat wie den Privatsektor. Wer sich weigert, dem droht eine Geldstrafe oder er wird zur Kündigung gezwungen. „Beamte, die ihre erste Dosis des Impfstoffs nicht erhalten haben, müssen beurlaubt werden“, sagte Premierminister Frank Bainimarama in einem Live-Video auf Facebook Anfang Juli. Das gilt von diesem Montag an. Impfunwillige können erst dann wieder arbeiten, wenn sie mindestens ihre erste Dosis des Astrazeneca-Impfstoffs erhalten haben. Wer sich weigert, verliert seinen Job endgültig.

Trotz der Zunahme von Infektionen hat Premier Bainimarama bisher aber davor zurückgescheut, einen landesweiten Lockdown zu verhängen – aus Angst, die Wirtschaft noch weiter zu schädigen und noch mehr Menschen in die Armut zu stürzen. Stattdessen versucht er die Ausbreitung des Virus über lokalisierte Quarantänegebiete einzudämmen. Menschen, die in solchen Sperrzonen leben, dürfen diese nicht verlassen, die außerhalb dürfen die Zonen nicht betreten.

Fidschi ist nicht der einzige Pazifikstaat in der Krise. Auch Papua-Neuguinea kämpft gegen steigende Infektionszahlen und ähnlich wie Fidschi gegen Desinformation und Propaganda gegen die Impfungen. Obwohl sich der Premierminister von Papua, James Marape, Mitte März als Erster impfen ließ, um zu zeigen, dass das eine sichere Sache ist, sind nur wenige seinem Beispiel gefolgt. Gerade mal 0,6 Prozent der Bevölkerung Papua-Neuguineas – rund 60 000 Menschen – haben eine erste Dosis Astrazeneca erhalten. Erst 2800 sind laut lokalen Medienberichten vollständig geimpft.

Die kleineren Pazifikländer – vor allem die Inselstaaten, die freie Assoziierungsverträge mit den USA haben – haben die Pandemie dagegen bislang außerordentlich gut gemeistert. Nicht nur können sie das Virus immer noch fernhalten, auch die Impfkampagnen laufen vorbildlich. Palau, die Marshallinseln und Mikronesien, die von den USA hauptsächlich mit dem Vakzin von Moderna versorgt wurden, haben ihre Bevölkerungen unbürokratisch und schnell geimpft. Palau konnte deswegen bereits schon wieder Touristen aus Taiwan begrüßen. mit FR

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