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Boris Becker in London vor Gericht: Der langsame Abstieg

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Von: Susanne Ebner

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Boris Becker mit Partnerin Lilian de Carvalho Monteiro.
Boris Becker mit Partnerin Lilian de Carvalho Monteiro. © Imago Images

Der ehemalige Tennis-Star Boris Becker soll Vermögenswerte unterschlagen haben und steht in Großbritannien vor Gericht. Becker weist die Anklagepunkte jedoch zurück.

Seit einer Woche steht Boris Becker in London vor Gericht. Wartet mit seiner Partnerin Lilian de Carvalho Monteiro gegen neun Uhr morgens in der Schlange. Leert an derselben Sicherheitskontrolle immer wieder aufs Neue seinen schwarzen Trolley und Kisten mit Aktenordnern, lässt sich vom Sicherheitspersonal mit einem Metalldetektor abscannen. Warum er den öffentlichen Eingang wählt? Vielleicht, weil vor dem Gericht alle gleich sind. Vielleicht auch, um dem Eindruck entgegenzuwirken, dass er etwas zu verbergen hat.

Schließlich ist es das, was ihm die Staatsanwaltschaft unterstellt. Becker soll im Zuge seines Insolvenzverfahrens, das 2017 startete, Vermögenswerte unterschlagen haben – Wohnungen, Gelder und Pokale. Der jüngste Wimbledon-Gewinner aller Zeiten setzt angesichts der Anschuldigungen jedoch auf Sieg und weist alle 24 Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft zurück. Bei einer Verurteilung drohen Becker bis zu sieben Jahre Haft. Im Vorfeld kündigte sein Verteidiger Jonathan Laidlaw an, dass vor Gericht auch persönliche Dinge zur Sprache kommen würden.

Boris Becker vor Gericht: Ehemalige Tennis-Profi soll Vermögenswerte unterschlagen haben

Am Montag (28.03.2022) war es dann so weit. Dabei ging es zu Beginn seiner Befragung vor allem darum, zu klären, wie er überhaupt in solch eine Lage geraten konnte. Denn schließlich saß Becker vor einer Jury, in welcher die meisten nicht etwa Millionen, sondern im Schnitt nur etwa 30.000 Pfund (35.000 Euro) pro Jahr verdienen. Warum Boris Becker dennoch in finanzielle Probleme geriet und schließlich den Überblick verlor, versuchte sein Verteidiger zu verdeutlichen.

Dabei reichten die Fragen Laidlaws an den früheren Tennis-Star weit zurück, bis zu den Anfängen seiner Karriere. Becker habe sich, so wird im Verlauf der Aussage deutlich, schon damals vor allem auf seine Berater verlassen. Sie hätten alles für ihn geregelt. Dabei habe er auf deren Expertise vertraut, betonte er. „Ist das etwas, das sie bis zuletzt so gehandhabt haben?“, will sein Verteidiger wissen. „Leider ja“, antwortete Becker mit ruhiger Stimme, in der Reue mitschwingt. In der ersten Prozesswoche war dem Anwalt von Tennis-Legende Boris Becker ein Teilerfolg gelungen.

Während sich Becker als Tennis-Profi noch einen großen Beraterstab habe leisten können und diverse Wohnungen schlicht „cash“ bezahlte, habe sich seine finanzielle Lage im Laufe der Jahre verschlechtert. Es sei, wie Becker sagte, immer schwieriger geworden, mit „seinem Namen“ Geld zu verdienen. Als einer der Gründe führte der 54-Jährige an, dass die deutsche Presse auf seine Ehe mit Barbara Becker, einer schwarzen Frau, negativ reagiert habe.

Boris Becker im Insolvenzverfahren: Aktuelle Verhandlung geht schnell voran

Während seine Einnahmen stetig gesunken seien, blieben die Ausgaben hoch und stiegen etwa durch die Scheidung von Barbara Becker 2001 weiter. Erwähnt wurden dabei auch Unterhaltszahlungen für seine Söhne von rund 23.000 Euro im Monat.

Als sich seine finanzielle Lage weiter zuspitzte, habe Becker versucht, 2015 seine Finca auf Mallorca zu verkaufen. Dazu kam es aber nicht, weil er nicht den gewünschten Wert erzielen konnte, da zu diesem Zeitpunkt bekannt gewesen sei, dass er verkaufen müsse. Er habe jedoch bis zum Beginn des Insolvenzverfahrens 2017 gehofft, dass sich dieses durch den Verkauf des Anwesens, welches laut Becker mehrere Millionen Euro wert sei, noch abwenden lasse.

Das Insolvenzverfahren könnte vermutlich schon beendet sein, sie dauern in Großbritannien nur ein Jahr. Der leitende Insolvenzverwalter Mark Ford, der auch im Prozess zu Wort kam, beschwerte sich 2018 jedoch, dass Teile von Beckers Vermögen nicht auffindbar seien – das Verfahren zog sich.

Die aktuelle Verhandlung geht derweil schneller voran als erwartet. Die Beweisaufnahme soll laut Staatsanwaltschaft womöglich schon Mitte der Woche geschlossen werden. Danach erfolgen die Schlussplädoyers und die Beratung der Jury. Die Richterin hat dann auf dieser Grundlage über das Strafmaß zu entscheiden.

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