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Der „Eisernen Lady“ nacheifernd

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Von: Susanne Ebner

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Liz Truss, 46, liegt in Umfragen unter den Parteimitgliedern derzeit vor ihrem Konkurrenten Rishi Sunak. dpa
Liz Truss, 46, liegt in Umfragen unter den Parteimitgliedern derzeit vor ihrem Konkurrenten Rishi Sunak. dpa © dpa

Liz Truss, mögliche Nachfolgerin von Boris Johnson, ist auch wegen ihres neoliberalen Kurses beliebt – ein Porträt

Als Premierminister:in muss man sich unangenehme Fragen gefallen lassen. Einen Vorgeschmack darauf erhielt Liz Truss am vergangenen Freitag beim Besuch einer Wohltätigkeitsorganisation für Familien in Peterborough im Osten Englands. Kinder wollten von der Finalistin im Rennen um Boris Johnsons Nachfolge wissen, warum der noch nicht aus Downing Street 10 rausgeschmissen wurde. Truss reagierte gelassen – eine Fähigkeit, die sie sich erst erarbeiten musste.

Derzeit kursiert ein Video von einer ihrer Reden während des Tory-Parteitages 2014, das an andere Zeiten erinnert. In ihrem Amt als Umwelt- und Landwirtschaftsministerin prahlt sie damit, im Vereinigten Königreich „Weizen wettbewerbsfähiger anzubauen als in der kanadischen Prärie“, und dass Yorkshire-Tee nach China verkauft werde. Nach jedem Satz grinste sie künstlich und wartete auf Applaus. Auch in anderen Situationen wirkte sie steif, ihre Sprache hölzern.

Truss ließ sich davon nicht unterkriegen, holte sich Hilfe. So bekam ihre Karriere unter Johnson neuen Schwung. Er machte sie erst zur Ministerin für internationalen Handel und dann zur Außenministerin.

Neben Unsicherheiten warf sie auch Überzeugungen über Bord. Einst für den Verbleib in der EU, ist sie heute überzeugte Brexiteer.

Aktuell liegt die 46-Jährige in den Umfragen unter den Mitgliedern der Partei vor ihrem Konkurrenten, dem ehemaligen Finanzminister Rishi Sunak. „Für ihre Beliebtheit bei der Basis verantwortlich ist, dass sie in gewisser Hinsicht eine Fortsetzung zu Boris Johnson darstellt“, erklärte Jill Rutter von der Denkfabrik „UK in a changing Europe“. Ähnlich wie er gebe sie sich optimistisch, was die Zukunft Großbritanniens angeht. „Sie hat den Brexit nie als eine schlechte Entscheidung bezeichnet“, habe immer die Chancen betont.

Beliebt ist sie auch, weil sie mit ihrem neoliberalen Kurs und dem Willen zu „mutigen Reformen“ an Margaret Thatcher erinnert. Indem sie sich sogar ähnlich kleidet und inszeniert wie die „Eiserne Lady“, provoziert sie jedoch auch Spott.

In Peterborough versprach Truss, dass sie durch Steuersenkungen wieder „Geld in die Taschen von hart arbeitenden Menschen“ fließen lassen werde. Die Leiterin der Organisation blieb skeptisch: „Man muss abwarten, welche Auswirkungen das auf die Hilfsleistungen für Familien hat.“

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