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Der Deckel bleibt dran

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Von: Johanna Apel

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Coca-Cola setzt die „Tethered Caps“ bei immer mehr PET-Flaschen ein. Uli Deck/Coca-Cola
Coca-Cola setzt die „Tethered Caps“ bei immer mehr PET-Flaschen ein. Uli Deck/Coca-Cola © Uli Deck/Coca-Cola

Erste Getränkeproduzenten stellen bereits auf die in der EU von 2024 an vorgeschriebenen Deckel um. Die Fest mit der Flasche verbundenen Verschlüsse sollen für ein besseres Recycling sorgen.

Wenn der Deckel einfach nicht von der Flasche abgehen will, sorgt das erst einmal für Verwirrung. Kein Drehen und Ziehen scheint zu helfen – der lästige Verschluss bleibt dran. Was immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher erleben und was für durchaus rabiate Szenen sorgt, hat allerdings einen Grund: Die sogenannten „Tethered Caps“ drängen auf den Markt.

Dabei handelt es sich um Deckel, die fest mit der Flasche verbunden sind. Sie abzumachen, ist also gar nicht vorgesehen, was beim Trinken oder Ausschütten erst einmal irritierend sein kann. Verbraucherinnern und Verbraucher werden sich allerdings daran gewöhnen müssen: Diese Verschlüsse werden nach einer EU-Vorgabe in Deutschland von 2024 an verpflichtend sein. Dann müssen sie auf Einweg-Getränkeverpackungen mit einem Volumen von bis zu drei Litern zu finden sein. Wasser, Limonade und Milch gibt es dann mit der festen Verschlusskappe.

Damit soll die Umwelt geschont werden. „Hintergrund ist, dass man bei einem Monitoring an europäischen Stränden relativ viele Plastikdeckel gefunden hat“, sagt Philip Heldt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Bei der Untersuchung habe man herausfinden wollen, welche Plastikabfälle an den Küsten landen. Ein Beispiel von der Nordsee: Auf 100 Meter Strand seien 43 Flaschendeckel gefunden worden, sagt Heldt. Was folgte, war die Idee, den Deckel künftig an der Flasche zu lassen.

Denn selbst wenn Getränkebehälter gewissenhaft entsorgt oder recycelt werden, kann es sein, dass der Deckel abhandenkommt. Dem Pfandautomaten ist das egal: Die Maschinen nehmen die Flaschen schließlich auch ohne Verschluss. Ein Problem wird es allerdings, wenn Deckel in Flüssen, Wäldern oder an den Stränden landen und sich beispielsweise Tiere daran verletzen. Die EU hat deshalb 2019 eine Richtlinie auf den Weg gebracht. Dadurch sollen die Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt – besonders auf das Meer und die menschliche Gesundheit – verringert werden. Darunter fiel beispielsweise bereits das Verbot von Einweg-Geschirr, das seit dem vergangenen Sommer gilt. Außerdem müssen PET-Flaschen zu einem steigenden Anteil aus recyceltem Kunststoff bestehen.

Offiziell werden die „Tethered Caps“ zwar erst von 2024 an zur Pflicht, allerdings preschen bereits erste Unternehmen vor und stellen ihre Produkte um. Prominentes Beispiel ist Coca-Cola. Der US-Konzern hat den „Lass mich dran-Deckel“ 2021 eingeführt und weitet ihn auf immer mehr PET-Einwegflaschen aus. Das ist zwar noch nicht überall der Fall, aber nach Konzernangaben haben elf der 14 regionalen Standorte die Produktion bereits umgestellt. Wer in letzter Zeit eine Cola oder Sprite gekauft hat, wird sich vielleicht gewundert haben, warum der Deckel so schwer abgeht. Weil der Umstieg bei vielen Kundinnen und Kunden noch nicht angekommen ist, druckt Coca-Cola einen Hinweis auf die Flaschen. „Lass mich dran – fürs Recycling“, heißt es dann beim Getränkekauf.

Ob das Prinzip allerdings bei Verbraucherinnen und Verbrauchern gut ankommt, ist eine andere Frage. In den sozialen Medien machen immer mehr Menschen ihrem Unmut über die neuen Deckel Luft. Vor allem stoßen sie sich daran, dass das Trinken aus der Flasche erschwert werde.

„Es wird beim Trinkgefühl eine Umstellung sein“, sagt auch Verbraucherschützer Philip Heldt. Allerdings ist es nur eine Frage der Zeit, bis immer mehr Unternehmen nachziehen und die fest verbundenen Deckel einführen.

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