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Der CO2-Preis wird aufgeteilt

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Von: Johanna Apel

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Der Mieterbund hätte sich eine Aussetzung der CO2-Abgabe gewünscht.
Der Mieterbund hätte sich eine Aussetzung der CO2-Abgabe gewünscht. © IMAGO/Steinach

Bislang zahlten nur Mieterinnen und Mieter die Klimaabgabe. Nun sollen die Vermietenden einen Teil übernehmen. Doch es gibt Hürden.

Mieterinnen und Mieter müssen künftig den CO2-Preis fürs Heizen nicht mehr alleine stemmen. Am Mittwoch brachte die Ampelkoalition ein Stufenmodell auf den Weg, das eine Aufteilung zwischen Mietern und Vermietern vorsieht. Es soll am Donnerstag im Bundestag verabschiedet werden und bereits zum 1. Januar in Kraft treten.

„Ich bin sehr erfreut darüber, dass wir ein solch differenziertes Modell verabschieden, weil es die einseitige Kostenbelastung, die bisher auf den Mietern lag, nun auf Vermieter und Mieter verteilt“, sagte Bernhard Daldrup, bau- und wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Gleichzeitig schaffe es Anreize, CO2 zu sparen. Es sei ein „richtiger und wichtiger Schritt“, der entsprechend gute Zustimmung im Bundestag kriegen werde. An der größten Oppositionspartei übt er Kritik: „Ich finde es ein Stück weit heuchlerisch, wenn die Union das jetzt kritisiert. Denn sie hat dafür gesorgt, dass in der Vergangenheit die Kosten bei den Mietern lagen“, sagte der Sozialdemokrat dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Dass sowohl Mieter:innen als auch Vermieter:innen nun an den Kosten des CO2-Preises beteiligt sein sollen, war im Koalitionsvertrag vereinbart worden. Die Abgabe gibt es seit 2021. Sie soll Anreize schaffe, Emissionen zu reduzieren und wird auf Heizöl, Erdgas und Sprit fällig. Eigentlich war vorgesehen, dass sie schrittweise ansteigt, allerdings einigte sich die Regierung darauf, angesichts der ohnehin hohen Energiekosten den Anstieg im kommenden Jahr auszusetzen.

Wegen eben dieser hohen Kosten hatte auch die FDP zuletzt Bedenken geäußert und das Vorhaben, den CO2-Preis aufzuteilen, mit Verweis auf die Belastung für Vermieter:innen in der Energiekrise gestoppt. Jetzt einigten sich die Ampelparteien jedoch auf ein Stufenmodell, das auch Vermieter:innen in der Pflicht sieht – und zwar umso weniger, je klimafreundlicher das Haus ist. Grob zusammengefasst heißt das: Wer ein schlecht saniertes Haus vermietet, trägt als Vermieter:in einen höheren Anteil des CO2-Preises.

Bei Häusern mit einem sehr hohen Treibhausgas-Ausstoß pro Quadratmeter würden demnach 95 Prozent des CO2-Preises für den Vermieter fällig. Je emissionsärmer das Gebäude, desto mehr sinkt der Anteil. Hat das Haus einen äußert geringen Ausstoß, übernimmt der Mieter die Kosten, die dann allerdings auch entsprechend gering sind.

Der Deutsche Mieterbund begrüßt das grundsätzlich. „Die vorgesehene Regelung eines Stufenmodells ist für Mieter zwar ein kleiner Fortschritt, weil Mieterinnen und Mieter den CO2 Preis in vielen Fällen nicht mehr allein bezahlen müssen“, sagte Präsident Lukas Siebenkotten. Sie bleibe aber „fehleranfällig“ und „intransparent“ – und aufgrund zahlreicher Ausnahmen für Vermieter:innen könne „keinesfalls von einer flächendeckenden Entlastung“ der Mieter:innen gesprochen werden. „Leider ist besonders in angespannten Wohnungsmärkten mit hohen Mieten von wenig Entlastung auszugehen, da beispielsweise Vermieter in Milieuschutzgebieten sich vollständig von einer Kostenbeteiligung befreien lassen können“, kritisiert er.

Siebenkotten verweist darauf, dass das Stufenmodel selbstversorgenden Mieter:innen eine komplizierte Berechnung zumute, sodass sie ihre Ansprüche gegenüber dem Vermieter womöglich nicht geltend machen. Außerdem würden Mieter:innen nach einer energetischen Sanierung in bestimmten Fällen einen höheren Anteil am CO2-Preis zahlen müssen.

Der Mieterbund-Präsident befürchtet zudem, dass Mieter:innen, die wenig Energie verbrauchen, ebenfalls das Nachsehen haben könnten. Denn weil das Gebäude dann wenig CO2 ausstoße, werde zwar ein geringerer Preis fällig, dessen Anteil aber für die Mieter höher sei. Und das selbst, wenn der Vermieter keinerlei Investitionen getätigt habe. Dadurch entstünden Fehlanreize.

Er plädiert dafür, den CO2-Preis angesichts der hohen Energiepreise ganz auszusetzen. Das sieht auch der Eigentümerverband Haus & Grund so.

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