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Das passiert 2022: Das nächste Superwahljahr, gefährliche Konflikte und ein Dauerthema

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Von: Eva Quadbeck

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Bleiben Elke Büdenbender und Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue wohnen? Wahrscheinlich schon – auch wenn die Grünen eigentlich der Meinung sind, dass es Zeit ist für eine Bundespräsidentin.
Bleiben Elke Büdenbender und Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue wohnen? Wahrscheinlich schon – auch wenn die Grünen eigentlich der Meinung sind, dass es Zeit ist für eine Bundespräsidentin. © Florian Gaertner/photothek.de/Imago

Vier Landtage und das Staatsoberhaupt werden 2022 in Deutschland gewählt. International drohen Konflikte – und das Dauerthema Corona erinnert an eine Komödie aus den 90er Jahren.

Es gibt diese charmante Komödie aus den frühen 90er Jahren – „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Der verzweifelte Filmheld erlebt wieder und wieder denselben schrecklichen Tag, gefangen in einer Zeitschleife. So ähnlich verhält es sich auch mit der Politik und dem Coronavirus.

Wieder und wieder müssen die Spitzen von Bund und Ländern zusammenkommen und über das Impfen, Beschränkungen und Wirtschaftshilfen sprechen. Damit endete 2021 am 21. Dezember. Mit einer Ministerpräsidentenkonferenz am 7. Januar 2022 fährt der politische Betrieb wieder hoch.

Dabei steht im kommenden Jahr viel zu viel auf der politischen Agenda, als dass man sich nur von einer Krisensitzung zur nächsten hangeln könnte. Das erste Halbjahr hat schon wieder ein bisschen Superwahljahr-Flair. Im Saarland, in Schleswig-Holstein und in NRW sind die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, neue Landesparlamente zu wählen. Niedersachsen folgt dann im Herbst.

Den Auftakt zu den wichtigen Wahlen 2022 bildet das Amt des Bundespräsidenten am 13. Februar. SPD und Freidemokraten wollen erklärtermaßen, dass Frank-Walter Steinmeier in eine zweite Amtszeit geht. Die beiden Parteien verfügen aber über keine eigene Mehrheit in der Bundesversammlung. Sie benötigen mindestens noch die Stimmen ihrer neuen Ampel-Partner:innen von den Grünen. Doch die zaudern noch. Eigentlich findet man bei den Grünen, dass es Zeit ist für eine Frau in Schloss Bellevue. Auch die Union hält gerade Ausschau nach weiblicher Besetzung für das höchste Staatsamt. Eine schwarz-grüne Lösung ist möglich, aber unter den aktuellen politischen Vorzeichen eher unwahrscheinlich. Übrigens wird zu dieser Präsidentenwahl die größte Bundesversammlung aller Zeiten zusammenkommen. Eine Mahnung, wie dringlich es ist, eine Wahlrechtsänderung und damit eine Verkleinerung des Bundestags schon 2022 auf den Weg zu bringen.

In den Staatskanzleien der drei Bundesländer mit Wahlen im ersten Halbjahr herrscht Nervosität. Der Bundestrend läuft auch drei Monate nach der Bundestagswahl weiter zugunsten der Sozialdemokraten. Die aktuellen Umfragen für Saarbrücken, Düsseldorf und Kiel deuten an, dass die SPD derzeit in zwei Ländern vorne liegt, und es in NRW aktuell nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aussieht.

Es wird noch enger als 2017: Im Februar steht die größte Bundesversammlung aller Zeiten an.
Es wird noch enger als 2017: Im Februar steht die größte Bundesversammlung aller Zeiten an. © Axel Schmidt / AFP

Vor etwa einem Jahr war die Lage allerorten eine völlig andere. Die CDU-Länderchefs saßen fest im Sattel. Die Zeichen standen auf Schwarz-Grün nach dem Ende der Ära Merkel. Nun regiert die Ampel-Koalition auf Bundesebene und die Landkarte in Deutschland könnte sich noch stärker rot-gelb-grün färben.

Das Saarland wählt schon am 27. März. In dem kleinen Bundesland läuft sich gerade die Vize-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) warm, Regierungschef Tobias Hans (CDU) abzulösen. Aktuell liegt die SPD mit 33 Prozent fünf Zähler vor der CDU, die auf 28 kommt. Nach den Achterbahnfahrten der Parteien im Jahr 2021 gibt ein solcher Vorsprung allerdings keine Siegesgewissheit.

Völlig offen ist, ob die Landtagswahlen am Ende tatsächlich über landespolitische Themen wie Schule oder regionale Wirtschaft entschieden werden oder ob der Bundestrend dominiert. Und wenn ja – wie sieht der Trend aus im März, April und Mai? Sollte sich die Ampel-Regierung bis dahin die ersten groben Fehler geleistet haben, könnte sich auch die Stimmung in den Ländern drehen. Schiebt sie allerdings ein Reformprojekt nach dem anderen an, während der Pandemie-Druck nachlässt, könnte es für SPD, Grüne und FDP Rückenwind aus Berlin bei den Landtagswahlen geben.

Zumal die CDU immer noch nicht neu aufgestellt ist. Ihr künftiger Parteichef Friedrich Merz soll Ende Januar offiziell gewählt werden. Erst dann kann er richtig loslegen. Sollte er mit einem Machtkampf in sein neues Amt starten, um neben dem Parteivorsitz auch noch den Fraktionsvorsitz zu erobern, könnte das erneut die CDU als zerstritten erscheinen lassen. Den Fraktionschef neu wählen, muss die Unionsfraktion im April.

Die SPD träumt schon von einem sozialdemokratischen Jahrzehnt. Nachdem die Kanzlerschaft von Olaf Scholz vor einem Jahr absolut aussichtslos erschien, sind die Lachenden leiser geworden.

Jedenfalls liegt die SPD in Schleswig-Holstein derzeit mit einem Spitzenkandidaten vorne, dessen Name jenseits der Förde auch für politisch Interessierte derzeit noch weitgehend unbekannt sein dürfte. Thomas Losse-Müller heißt der Mann, ein smarter politischer Quereinsteiger, der am 5. Mai eine realistische Chance hat, Daniel Günther von der CDU als Ministerpräsident abzulösen. Aktuelle Umfrage laut Insa: SPD 28 Prozent, CDU 21.

Die wichtigste Wahl des Jahres 2021 findet eine Woche nach der in Schleswig-Holstein am 15. Mai in Nordrhein-Westfalen statt. Die 18 Millionen Einwohner:innen an Rhein und Ruhr werden derzeit von Hendrik Wüst (CDU) als Ministerpräsident regiert. Nach dem Abgang des gescheiterten Kanzlerkandidaten Armin Laschet fiel ihm das Amt zu. Als neuer Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz nutzt Wüst geschickt die Bühne, sich auch bundespolitisch bekannt zu machen und zu profilieren. Seit seiner Amtsübernahme sind die Umfragewerte der CDU gestiegen. Sein Hauptgegner ist der Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag, SPD-Partei- und Fraktionschef Thomas Kutschaty, dessen Sozialdemokraten laut Forsa aktuell bei 27 Prozent liegen, gleichauf mit der CDU.

Die Verhältnisse in Niedersachsen, wo im Herbst gewählt wird, sind recht stabil. Die SPD von Ministerpräsident Stephan Weil hat laut Infratest Dimap einen satten Vorsprung von 36 zu 23 Prozent zur CDU. Weil profitiert vom aktuellen Bundestrend und dem Amtsbonus. Aber auch er hängt von der Performance der Ampel in Berlin ab – vor allem wenn dort Landwirtschaftsminister Cem Özdemir mit verschärften Regeln zur Nutztierhaltung loslegt und die Regierung Schritte zum Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor auf den Weg bringt.

Der Fixpunkt der Politik wird im kommenden Jahr der Kampf gegen Corona bleiben, wie er auch den Alltag der Bevölkerung bestimmt. Der Anspruch der Ampel-Koalition, mehr Fortschritt zu wagen, wäre auch außerhalb von Pandemie-Zeiten ambitioniert. Zwischen den hohen Inzidenzen und den Einschränkungen des öffentlichen Lebens wird es umso schwerer, echte Aufbruchstimmung zu erzeugen.

Und dann wäre da noch die Ankündigung einer Impfpflicht, bei der die Lage noch unübersichtlich ist, wie sie tatsächlich umgesetzt werden soll. Der Kunstgriff von Justizminister Marco Buschmann (FDP) das schwierige Unterfangen mit Gesetzesanträgen über die Fraktionsgrenzen von Regierung und Opposition hinweg dem Parlament zu übertragen, fruchtet bislang nicht wirklich. Offiziell angekündigt ist bislang nur, dass eine Gruppe um Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) einen Antrag gegen die Impfpflicht einbringen will. Und Teile der Union stehen auf dem Standpunkt, dass die Ampelkoalition etwas vorlegen soll. Die Allgemeine Prognose im Regierungsviertel: Das wird so schnell nichts.

Mit dem Jahreswechsel übernimmt Deutschland den Vorsitz der großen Industrienationen G7. Einst tagten sie als G8, bis Russland wegen der Besetzung der Krim ausgeschlossen wurde. Die neue gefährliche Konfrontation zwischen dem Westen und Russland wird ein beherrschendes Thema für die G7 sein. Vom 26. bis 28. Juni wollen die Staats- und Regierungschefs auf Schloss Elmau zusammenkommen und sich als Wertegemeinschaft für Freiheit und Demokratie präsentieren. Schon 2015 hatte die frühere Kanzlerin Angela Merkel den Kreis der G7 dorthin eingeladen.

Die Kunst des G7-Gipfels wird darin bestehen, dass sich die westlichen Industrienationen und Japan zwar als Wertegemeinschaft präsentieren, aber dennoch nicht eine Blockbildung gegen China und Russland vorantreiben. Mit beiden Großmächten drohen Auseinandersetzungen. Mit Russland geht es um die Ukraine, an dessen Grenze russische Truppen stehen. China hat Taiwan im Fokus.

Schließlich wird auch international das Murmeltier-Thema auf der Agenda stehen: der Kampf gegen Corona. Die Weltpolitik wird einen Plan benötigen, wie auch die Südhalbkugel von der Pandemie befreit und das Entstehen immer neuer Varianten verhindert werden kann. Eine milden Gabe von ein paar Hundert Millionen-Impfstoffdosen wird nicht ausreichen.

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