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Coca-Cola muss Edeka versorgen

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Von: Johanna Apel

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Hier gibt es Cola: Edeka-Filiale in Hamburg.
Hier gibt es Cola: Edeka-Filiale in Hamburg. © Waldmüller/Imago

Das Hamburger Landgericht verhindert den Lieferstopp vorerst. Beendet ist der Konflikt um höhere Preise aber nicht.

Edeka hat sich durchgesetzt: In den Regalen des Supermarkt-Riesen wird es weiterhin Coca-Cola geben. Das Landgericht Hamburg hat entschieden, dass der US-Konzern die Edeka-Filialen wieder zu den im Januar 2022 vereinbarten Höchsteinkaufspreisen beliefern muss.

Dem Gerichtsurteil war ein Machtkampf zwischen Edeka und Coca-Cola vorangegangen. Nachdem der Getränkekonzern ankündigt hatte, die Preise zu erhöhen, hielt Edeka dagegen. Laut der „Hamburger Morgenpost“ weigerte sich Deutschlands größte Supermarktkette, diese „einseitig verkündete“ Anpassung mitzutragen, wie aus einem internen Schreiben hervorgehen soll. Zuletzt mehrten sich Meldungen, denen zufolge Coca-Cola die Lieferung an Supermärkte eingestellt habe.

Einen ähnlichen Streit hatte sich Edeka im vergangenen Jahr bereits mit dem Cola-Konkurrenten Pepsi geliefert, weswegen die Limonade zeitweilig nicht verkauft wurde. Auch die Saftmarken Granini und Hohes C kehrten erst in diesem Sommer wieder in die Edeka-Regale zurück, nachdem es einen Konflikt um die Preiserhöhung der Hersteller gegeben hatte.

Dass Kundinnen und Kunden nun auch auf Coca-Cola verzichten sollten, wurde abgewendet. Allerdings nur vorerst: Laut einem „Handelsblatt“-Bericht ist Coca-Cola zunächst nur bis Ende September zur Lieferung unter den vereinbarten Konditionen verpflichtet. Ein Edeka-Sprecher sagte der Zeitung, dass die Gerichtsentscheidung für die Verbraucher:innen allerdings ein „erfreuliches Signal“ sei. Der Streit zwischen den beiden Riesen zeigt auch, wie erbittert der Kampf um die Preise derzeit geführt wird.

Viele Hersteller fordern unter Hinweis auf steigende Kosten höhere Preise von den Händlern. Diese halten das zum Teil für übertrieben. Zwar kommentiert der Handelsverband Lebensmittel (BVLH) grundsätzlich keine Gespräche oder Verhandlungen einzelner Handelsunternehmen mit ihren Lieferanten. Jedoch gibt BVLH-Sprecher Christian Böttcher Einblicke in die derzeitige Situation von Händlern und wie sie sich beim Thema Preisforderungen aufstellen. „Die Auswirkungen des russischen Überfalls auf die Ukraine machen sich mehr und mehr in den Lebensmittellieferketten bemerkbar“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Bei Rohstoffen, Verpackung, Transport und vor allem Energie würden die Preise unvermindert steigen. „Lieferanten versuchen, die gestiegenen Preise an den Handel weiterzureichen“, sagt er. „Das ist marktkonformes Verhalten.“

Gleichzeitig versuche der Handel, die Preissteigerungen abzuwenden – sowohl für sich als auch für die Kundschaft. „Daher prüfen Handelsunternehmen, jedes für sich, aktuell sehr genau, welche Preisforderungen ihrer Lieferanten gerechtfertigt sind.“ Dabei müsse unterschieden werden zwischen begründeten Kosten, die beispielsweise aus den hohen Energiepreisen resultieren, und höheren Preisforderungen, die „möglicherweise dem Shareholder Value geschuldet“ sind. „Das trifft vor allem auf die Preisverhandlungen mit multinational aufgestellten Markenartikelkonzernen zu“, sagt Böttcher.

Ziel der Handelsunternehmen sei es, bei Preisverhandlungen die Möglichkeiten so auszuschöpfen, dass für die Kundinnen und Kunden „weiterhin ein gutes Preis-Leistungsverhältnis“ angeboten werden könne, so Böttcher. Denn wegen der allgemeinen Teuerung hätten viele Menschen ihr Einkaufsverhalten geändert und seien sehr preissensibel.

Doch wo sind die hohen Preise gerechtfertigt und wo beginnt das Feilschen um einen höheren Marktwert? Fest steht, dass die Preise für viele Produkte und damit auch für Getränke steigen. Neben Saft und Limonade kommen etwa auch bei Bier in den kommenden Monaten höhere Preise auf die Verbraucherinnen und Verbraucher zu.

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