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Ein Plakat mit Xi Jinping
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Mit einer orchestrierten Kampagne der Staatsmedien versucht die chinesische Regierung Desinformationen zum Ursprung des Coronavirus zu verbreiten.

Pandemie

Woher stammt Corona? Wie China mit Desinformationen Unsicherheiten schürt

  • VonFabian Kretschmer
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China lehnt weitere Untersuchungen zum Coronavirus-Ursprung ab. Stattdessen werden Verschwörungserzählungen gestreut.

Peking – Am Mittwoch (21.07.2021) rief der Staatsrat in Peking kurzfristig zur Pressekonferenz, um sich über die „Ursprungssuche von Covid-19“ zu Wort zu melden. In China ist die Frage nach der Herkunft der Corona-Pandemie eine sensible Angelegenheit, weswegen die Nachfrage der ausländischen Presse dementsprechend hoch war. Dabei stand bereits im Vorfeld fest, dass die Botschaft der Regierung bis zur letzten Silbe durchchoreografiert sein würde. Und diese lautete: Es wird keine weiteren Untersuchungen in China geben.

Seit vergangener Woche ist Peking erneut unter Zugzwang. Der ansonsten eher diplomatische, für seine China-Affinität bekannte, WHO-Leiter Tedros Adhanom Ghebreyesus hatte selten deutliche Worte an die Volksrepublik gerichtet: Man habe die Möglichkeit eines Labor Leaks „verfrüht“ ausgeschlossen.

Corona-Ursprung: China bezeichnet WHO-Vorschlag als „respektlos“

Peking solle nun endlich die Rohdaten der ersten Patient:innen aus Wuhan übermitteln und transparenter agieren. Gleichzeitig schlug Ghebreyesus eine zweite Phase von Untersuchungen vor, die unter anderem Inspektionen von Tiermärkten und Viruslaboren in Wuhan vorsehen würden – in jener Stadt also, wo die ersten Fälle des Coronavirus nachgewiesen wurden.

Diesen Plan könne man nicht akzeptieren, sagte Zeng Yixin, Vize-Leiter der nationalen Gesundheitsbehörden. Denn: Der WHO-Vorschlag sei „respektlos gegenüber dem gesunden Menschenverstand und verstößt gegen die Wissenschaft“. Stattdessen holt China nun erneut zur Gegenoffensive aus: Man habe einen eigenen Vorschlag für die zweite Phase der Ursprungssuche des Coronavirus. Diese solle im Ausland weitergeführt werden. Wo genau, blieb offen.

Woher stammt das Coronavirus? China fährt großangelegte Desinformationskampagne

Doch eine orchestrierte Kampagne der Staatsmedien gibt Aufschluss. Über fünf Millionen Chines:innen haben eine von der nationalistischen Global Times initiierten Petition unterzeichnet, die eine WHO-Untersuchung des US-amerikanischen Biowaffen-Labors Fort Detrick fordert. Jene Hypothese haben chinesische Regierungsvertreter:innen bereits 2020 gezielt gestreut, um die Aufmerksamkeit von China als möglichem Ursprungsland zu lenken.

Dank des umfassenden Zensurapparats, der keine freien Medien im Inland duldet und ausländische Publikationen verbietet, verfängt eine solche Verschwörungserzählung, auch wenn sie nicht einmal annähernd auf Indizien fußt: Viele Menschen in China sind aufrichtig davon überzeugt, dass das Virus aus dem Ausland gekommen ist.

Möglicherweise auch durch Importe von Tiefkühlnahrung, wie eine zweite Verschwörungserzählung, ebenfalls bewusst von der Regierung propagiert, lautet: „frozen food theory“ nennt sich die Hypothese, die zwar rechnerisch möglich wäre, aber von seriösen Fachleuten – inklusive der WHO – als extrem unwahrscheinlich betrachtet wird.

Chinas Intransparenz beim Thema Corona sorgt im Westen für Unmut

Die sture Haltung Chinas, nicht auf den internationalen Druck einzugehen, belegt auch das Selbstbewusstsein einer Nation, die in wenigen Jahren die größte Volkswirtschaft der Welt sein wird. Dabei sorgt die Intransparenz Chinas insbesondere im Westen für Unmut. Erst über ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie hat Peking ein Team der WHO ins Land gelassen, um – unter ständiger Regierungskontrolle und nur gemeinsam mit chinesischen Wissenschaftler:innen – eine zweiwöchige Untersuchung durchzuführen.

Viele kritische Daten erhielt die WHO jedoch nicht. Am Donnerstag (22.07.2021) erklärten Regierungsvertreter:innen aus Peking dies mit der „Privatsphäre der Patienten“. Zudem seien damals bereits sämtliche Tiere und Virusproben des Huanan-Marktes, wo sich der erste große Infektionscluster ereignet hatte, von den Behörden vernichtet worden.

Die WHO nahm 2020 zunächst eine milde Haltung gegenüber Peking ein. Nicht verwunderlich, schließlich lief jeder Zugang zu Informationen nur über das Vertrauen der dortigen Regierung. Dass die WHO nun kritischer auftritt, spricht Bände. (Fabian Kretschmer)

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