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Börse in Feierlaune

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Die Entscheidungen der US-Notenbank Federal Reserve beeinflussen das Börsengeschehen auf der ganzen Welt.
Die Entscheidungen der US-Notenbank Federal Reserve beeinflussen das Börsengeschehen auf der ganzen Welt. © Liu Jie/dpa

Der Deutsche Aktienindex hat am Donnerstag einen neuen Höchststand erreicht. Das liegt an der Geldpolitik der USA. aber auch an hiesigen Unternehmen, die mit hohen Gewinnen überraschen. Die Frage ist nur, wann der Bogen überspannt ist.

Wie stehen die Aktien? Von einem „ersten Stadium der Euphorie“ spricht der Verhaltensökonom Joachim Goldberg. Der Deutsche Aktienindex (Dax) ist am Donnerstag zum Handelsstart auf ein neues Allzeithoch geklettert. 16 050 Punkte zeigte die große schwarze Tafel der Frankfurter Börse an. Der alte Topwert lag bei 16030 und war im August erreicht worden.

Im Handelsverlauf gab der Dax zunächst etwas nach. Gegen Mittag rangierte das wichtigste hiesige Börsenbarometer aber sogar bei 16 060 Punkten. Die Fachleute waren sich einig, dass der entscheidende Impuls von Jerome Powell kam. Dabei hatte der Chef der US-Notenbank am Vorabend (nach hiesiger Zeit) nur das verkündet, was er zuvor schon vielfach angedeutet hatte: Die Fed steigt ganz langsam aus der extrem expansiven Geldpolitik aus. Aber: Allein dadurch, dass sich damit Restunsicherheiten über den Fed-Kurs verflüchtigten, stieg die Stimmung der Investoren.

Doch auch Powells Erläuterungen sind nach dem Geschmack der Börsen. Der oberste US-Notenbanker will von nun an den Ankauf von Anleihen jeden Monat um weitere 15 Milliarden Dollar zurückfahren. Zieht er das durch, ist Mitte des nächsten Jahres Schluss mit den Finanzspritzen, die wie eine zusätzliche Zinssenkung wirken sollten. Doch am moderaten Anziehen der geldpolitischen Zügel geht nun angesichts der hohen Inflation in den USA von mehr als fünf Prozent kein Weg mehr vorbei.

Aber: Powell lässt erst einmal die Finger von einer „echten“ Erhöhung der Zinsen. Weil die hohe Inflation größtenteils auf „vorübergehende Faktoren“ zurückzuführen sei, die seine Geldpolitik ohnehin nicht beeinflussen könne. Gemeint ist damit vor allem die hohe Nachfrage der Konsumenten, die nun, nach dem Ende der Lockdowns, verschobene Anschaffungen nachholen.

Arbeitslosigkeit USA

Am US-Arbeitsmarkt hat sich die Lage in der vergangenen Woche weiter verbessert. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen im Wochenvergleich um 14 000 auf 269 000, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Fachleute hatten im Schnitt mit 275 000 Anträgen gerechnet. Die wöchentlichen Erstanträge gelten als Frühindikator für den Arbeitsmarkt.

Die wöchentlichen Hilfsanträge liegen aber immer noch auf einem höheren Niveau als vor der Pandemie. Der Arbeitsmarkt spielt eine große Rolle für die Geldpolitik der Fed. dpa

Die Expert:innen der Fondsgesellschaft DWS gehen davon aus, dass sich in den USA frühestens im zweiten Halbjahr 2022 eine „Normalisierung“ bei der Geldpolitik vollziehen könnte, aber auch nur, wenn bis dahin eine „maximale Beschäftigung“ erreicht würde. Das bedeutet, dass das Zinsniveau in den USA erst einmal niedrig bleibt und Aktien für Anlegerinnen und Anleger grundsätzlich attraktiv bleiben, weil es insbesondere bei festverzinslichen Geldanlagen kaum etwas zu holen gibt.

Das dürfte umso mehr für die Euro-Zone gelten. Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), hatte zuletzt am Mittwoch betont, dass Zinserhöhungen im gesamten nächsten Jahr „höchst unwahrscheinlich“ seien. Als Stütze für die Aktienkurse erwies sich am Donnerstag überdies, dass die Bank of England die eigentlich angekündigte Zinswende auf später verschob, weil wieder Verwerfungen wegen steigender Inzidenzen befürchtet werden.

Zudem gab es gute Nachrichten von der deutschen Industrie. Das Statistische Bundesamt meldete ein starkes Plus bei Aufträgen aus dem nicht-europäischen Ausland. „Der globale Hunger nach deutschen Maschinen in Folge der rasanten Erholung nach der Corona-Pandemie ist also noch immer nicht gestillt“, sagte DWS-Volkswirt Martin Moryson.

Und dann waren da auch noch die erfreulichen Zwischenberichte von großen Unternehmen wie etwa der Commerzbank (siehe nebenstehender Bericht). Schon in den Tagen zuvor hatte unter anderem BMW die Investoren mit hohen Gewinnen trotz – oder gerade wegen – der Chipkrise verblüfft. Oder das erstaunliche deutliche Umsatzplus beim Kochboxen-Versender Hello Fresh. Die Aktienexpert:innen der DZ Bank gehen davon aus, dass es so weitergehen könnte. In den vorliegenden Gewinnerwartungen vieler Firmen sei immer noch ein gehöriges Stück Konjunkturpessimismus enthalten, „so dass die Chancen für positive Überraschungen gut sind“. Zumal die Engpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten dazu führten, dass Aufträge später ausgeführt würden. Die dadurch entstehenden Gewinne würden aufgeschoben, aber nicht aufgehoben – quasi eine Art Profit-Reservoir.

Das passt zu Goldmanns Einschätzung vom „ersten Stadium der Euphorie“. Insgesamt gebe es derzeit bei institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont keine Angst „vor Inflation und anderen größeren Risiken“. Darunter dürfte auch die Pandemie fallen. Aktuell seien „bullishe Engagements“ – die auf steigende Kurse setzen – noch einmal aufgestockt worden. Goldmanns Sentiment-Index ist auf das höchste Niveau seit November 2018 gestiegen.

Aber zugleich fragen sich viele Insider, wie lange das noch gutgehen kann. Immerhin ist der Dax in den vergangenen vier Wochen um mehr als 1000 Punkte geklettert. Trotzdem sind die berüchtigten Gewinnmitnahmen – Investoren verkaufen, um ihre Profite ins Trockene zu bringen – bislang ausgeblieben. Doch der Drang danach könne sich bereits „bei kleineren negativen Ereignissen“ vergrößern, so Goldberg. Auch der Sentiment-Experte Stephan Heibel macht darauf aufmerksam, dass sich viele Anleger:innen als Kursziel das alte Allzeithoch vom August notiert hätten. Als den passenden Moment also, um Aktien abzustoßen. Gleichwohl konnte der Dax sich zumindest bis zum Donnerstagnachmittag nah an den 16050 Punkten halten.

Dax auf Rekordhoch.
Dax auf Rekordhoch. © FR

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