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Blumen zum Absturz

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Von: Kristina Dunz

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Thomas Losse-Müller und SPD-Landeschefin Serpil Midyatli.
Thomas Losse-Müller und SPD-Landeschefin Serpil Midyatli. © dpa

SPD-Chef Lars Klingbeil rechnet trotz der Schlappe in Schleswig-Holstein mit einem Sieg in Nordrhein-Westfalen.

Die politische Attacke ist nicht die Lieblingsdisziplin von Thomas Losse-Müller. Der SPD-Wahlkämpfer in Schleswig-Holsteiner ist der höfliche Typ, der andere aussprechen lässt und seine Gegenrede anmeldet, zu der es dann im Eifer einer Diskussion oft nicht mehr kommt. Erst recht, wenn sich der Sozialdemokrat in der Pflicht sieht, in Corona-Krisenzeiten der Landesregierung von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) den Schulterschluss anzubieten und auf Parteitaktik zu verzichten.

All das mag dazu beigetragen haben, dass die Landes-SPD bei der Wahl am Sonntag mit 16 Prozent auf ihr historisch schlechtestes Ergebnis im hohen Norden gerutscht (minus 11,3 Punkte) und hinter die Grünen (18,3) zurückgefallen ist. Daniel Günther sei eben auch so beliebt in der Bevölkerung, lautet die Analyse der SPD. Es habe keine Wechselstimmung gegeben. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die SPD hat sie nicht erzeugen können.

War es das jetzt mit dem von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ausgerufenen sozialdemokratischen Jahrzehnt? SPD-Chef Lars Klingbeil gibt sich am Montag im Willy-Brandt-Haus trotz der bitteren Wahlschlappe in Kiel unbeirrt. Die SPD habe in letzter Zeit mehr Wahlen gewonnen als verloren, sagt er. Und bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen an diesem Sonntag werde sie ein Ergebnis holen, mit dem ihr Spitzenkandidat Thomas Kutschaty neuer Regierungschef werden könne, zeigte sich Klingbeil sicher. Und Kutschaty werde ein Ministerpräsident sein, der „Zugang zum Kanzleramt“ habe.

Eine vielleicht eigenwillige Auffassung von Politik, dass vor allem Ministerpräsidenten der eigenen Partei Zugang zum Bundeskanzler haben. Der Christdemokrat Günther könnte das womöglich bestätigen. In der Union herrscht Unmut darüber, dass Scholz die Landesregierungschefs in die Krisenlage beim Umgang mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine nicht richtig einbinde.

Losse-Müller will die SPD nun als einfacher Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein wieder nach vorne bringen. Wie das gehen soll, wenn die Krisenzeiten mit der latenten Corona-Pandemie, dem russischen Krieg in der Ukraine und mit dem Klimawandel fortdauern und er sich zum Schulterschluss verpflichtet fühlt? Wird er doch zur Attacke übergehen? Nein, sagt Losse-Müller, der neben Klingbeil steht und sich der Kritik an seinem Wahlkampf stellt. Er werde auch in Zukunft nicht polarisieren, kündigt er an. Aber: „Es gibt noch eine vierte Krise“, sagt der 49-Jährige. „Eine Zusammenhalt-Krise.“ Der Gesellschaft mangele es an Zusammenhalt, weil es viele soziale Ungerechtigkeiten gebe. „Da werden wir klare Kante zeigen.“ kd

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