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Bio mit Hilfe des Bierbrauers

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Von: Thomas Magenheim-Hörmann

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Öko-Pionier mit Sendungsbewusstsein: Johannes Ehrnsperger führt Lammsbräu.
Öko-Pionier mit Sendungsbewusstsein: Johannes Ehrnsperger führt Lammsbräu. © Lammsbräu

Mit einem Bündnis setzt sich Lammsbräu-Chef Johannes Ehrnsperger für ökologische Landwirtschaft ein.

Als Pionier galt Lammsbräu aus Neumarkt in der Oberpfalz schon immer. Seit 1987 braut das Unternehmen Biobier und ist damit heute Marktführer in Deutschland und Europa. Aber Brauereichef Johannes Ehrnsperger hat Sendungsbewusstsein über den Gerstensaft hinaus. „Wir wollen Vorbild sein für unsere, aber auch für andere Branchen und ebenso für die Politik“, sagt der 31-Jährige. Während viele Brauereien pandemiebedingt über Absatzschwund klagen, spricht er von einer Blaupause für die Ökolandwirtschaft, die Lammsbräu als ein Großabnehmer landwirtschaftlicher Erzeugnisse über die Jahre entwickelt habe.

Auch Karl Stephan unterstreicht den Modellcharakter der gewachsenen Strukturen. „Ohne Partner tut man sich schwer auch im geschäftlichen Leben“, philosophiert der Ökolandwirt mit leicht humorigem Unterton. Seinen Hof bewirtschaftet er seit drei Jahrzehnten ökologisch. 1998 wurde er Mitglied der Erzeugergemeinschaft für ökologische Braurohstoffe (EZÖB), deren Chef er mittlerweile ist. Sie beliefert Lammsbräu mit Gerste, Weizen, Dinkel und Hopfen in Bioqualität und ist Kernelement dessen, was Ehrnsperger Blaupause nennt.

Die EZÖB biete den mittlerweile rund 180 angeschlossenen Ökolandwirten und Ökolandwirtinnen ein stabiles Absatzfundament sowie auf Jahre feste und damit kalkulierbare Preise, erklärt Stephan. Ungewöhnlich ist dabei, dass in ihrem Rahmen nicht nur Erzeugerinnen und Erzeuger kooperieren, sondern dass der Großkunde Lammsbräu als Initiator der Gemeinschaft prominent mitwirkt. Den Biolandwirtschaftsbetrieben bringt das mehr als auf Jahre stabile Preise in oft starken Schwankungen unterliegenden Lebensmittelmärkten. „In der EZÖB lagen wir in den vergangenen Jahren immer etwa 20 Prozent über den Marktpreisen“, bilanziert Stephan.

Zudem transportiert das Bündnis den Bio-Gedanken nicht nur auf der Produktebene, betonen Landwirt und Brauer gleichermaßen. Denn die angeschlossenen Bäuerinnen und Bauern seien maximal 150 Kilometer von der Braustätte entfernt, wo ihre Produkte benötigt werden. Lange Lieferwege und größerer Ausstoß von Klimagasen per Transport entfielen. Zudem gehe die EZÖB über ein reines Lieferanten-Verhältnis hinaus und biete auch Umweltberatung.

Lammsbräu

Die Familienbrauerei Lammsbräu war 2020 mit 32 Millionen Euro Umsatz und 270 000 Hektoliter Getränkeabsatz bei gut 60 Prozent Marktanteil der bei weitem größte Biobrauer Deutschlands.

Neben Limonade und Wasser setzte Lammsbräu rund 109 000 Hektoliter Bier um. Im Jahr 2020 stand dabei gegen den Branchentrend ein Zuwachs von knapp sieben Prozent. 2021 ist der Lammsbräu-Absatz stabil geblieben.

Die Bierbranche hat dagegen insgesamt stark unter der Pandemie gelitten. Im zweiten Corona-Jahr gab es im Schnitt Absatzrückgänge von zwei bis drei Prozent.

Im Jahr 2022 will Lammsbräu wachsen. Durch Modernisierungen sollen die Kapazitäten von Bier und alkoholfreien Getränken um rund 30 Prozent auf 350 000 Hektoliter gesteigert werden. Lammsbräu benötigt deshalb auch mehr Bio-Rohstoffe in Form von Braugetreide und Hopfen.

Die Ökoanbaufläche der mit dem Biobrauer verbundenen Erzeugergemeinschaft steigt deshalb von 7000 auf 10 000 Hektar. tmh

„Ein Bündnis dieser Art ist sehr selten“, sagt Ehrnsperger selbstsicher. Bislang 7000 Hektar Bioanbaufläche habe die EZÖB mit Anschubhife von Lammsbräu geschaffen. Während die Ökoanbaufläche in der Oberpfalz nur bei gut neun Prozent liege, erreiche sie im Landkreis Neumarkt 14 Prozent. „Das ist auf unser jahrzehntelanges Tun zurückzuführen“, sagt Ehrnsperger zur Differenz und ruft zum Nachmachen auf. Denn wie es Lammsbräu und die Biobauern getan haben, so könnten sich auch andere Mitglieder der Bio-Lebensmittel verarbeitenden Industrie vernetzen. Der Brauereichef spricht Mühlen, Bäckereien oder die Fleischwirtschaft an. „Ökolandbau braucht eigene Strukturen“, wirbt er.

Ein weiteres Beispiel für die Anschubhilfe ist das von Lammsbräu initiierte Birego-Projekt, dessen Kern ein Zentrallager für bäuerliche Bio-Erzeugnisse ist. Für den Biobrauer lagert es Braugetreide, für angeschlossene Landwirte auch andere Bio-Produkte, wodurch größere und damit besser vermarktbare Mengen zusammenkommen.

„Bei uns in der Region sind die Bündnisse mit Lammsbräu oft der entscheidende Punkt, wenn ein Landwirt auf Bio umstellen will“, sagt Bauer Stephan. Er vermisse ähnliches in anderen Teilen Deutschlands, dabei seien die Zeiten für seinesgleichen in den vergangenen Jahren fraglos besser geworden. Noch vor zehn Jahren sei er sich nicht jedes Jahr sicher gewesen, ob sein Bio-Angebot auf genug Kaufinteresse stoße, erinnert sich der Ökobauer. Mit der nun verlässlich boomenden Bio-Nachfrage habe sich das geändert. Stephan glaubt, was den Gewinn betrifft, mittlerweile mit konventionellen Betrieben mindestens mithalten zu können.

Ausreichend gewürdigt finden Ökobauern wird ihre Leistung für Umwelt und Gesellschaft aber nicht. Das soll ein vom Lammsbräu unterstütztes Pilotprojekt ändern, an dem Stephan und 20 andere Biobauern teilnehmen.

Ziel ist es, die Nachhaltigkeitsleistungen von Ökolandwirt:innen in Euro und Cent zu beziffern. „Artenvielfalt und Böden sind Lebensgrundlage und Wirtschaftsgüter“, sagt Ehrnsperger. Verantwortlich für die Studie, deren Ergebnisse in den nächsten Wochen vorliegen sollen, ist die landwirtschaftlichen Organisation „Regionalwert Leistungen“. Stephan hofft, damit den Gegenbeweis zur bisweilen geäußerten Kritik, Ökolandbau sei übersubventioniert, antreten zu können. „Das Argument, wir machen mehr als nur Lebensmittel, wird uns leider oft noch nicht abgenommen“, bedauert der Biobauer. Mit der Studie werde man auch die Politik konfrontieren, sagt Ehrnsperger.

Die Umweltleistungen von Biolandwirt:innen könnten dann vielleicht auch steuerlich eine Anerkennung erfahren. Von der Bundesregierung und dem grünen Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir erhofft er sich mehr Gehör als bei der Vorgängerregierung. Verbraucherinnen und Verbrauchern könne man dann auch seriös vorrechnen, warum Bio-Lebensmittel mehr kosten. Lammsbräu-Fans beruhigt der Brauereichef allerdings. „Wir planen für 2022 aber keine Preisaufschläge“, versichert er.

Karl Stephan ist Öko-Landwirt und liefert Gerste an Lammsbräu.
Karl Stephan ist Öko-Landwirt und liefert Gerste an Lammsbräu. © Neumarkter Lammsbräu

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