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Auf dem Mittelweg

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Von: Christoph Höland

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In der Haut von Jörg Hofmann möchte man dieser Tage nicht stecken
In der Haut von Jörg Hofmann möchte man dieser Tage nicht stecken. © Imago

Die IG Metall stellt hohe, aber keine irrsinnige Tarifforderung. Der Kommentar.

In der Haut von Jörg Hofmann möchte man dieser Tage nicht stecken: Fordert der IG-Metall-Chef hohe Lohnsteigerungen, befeuert er womöglich die Lohn-Preis-Spirale. Belässt er es bei niedrigen Forderungen, steigen ihm vielleicht die Gewerkschaftsmitglieder aufs Dach.

Denn für die Metallerinnen und Metaller ist klar, dass es in den Tarifverhandlungen ums Geld geht: Nach Jahren mit Einmalzahlungen sollen echte Lohnsteigerungen her. Und bei 7,9 Prozent Inflation müssen die sich auch sehen lassen können. Zugleich sind die fetten Jahre in der Metall- und Elektroindustrie vorbei: Die Arbeitgeber warnen vor hohen Energie- und Rohstoffkosten. Einfach werden die Tarifverhandlungen jedenfalls nicht.

Noch tückischer macht es die volkswirtschaftliche Ebene: Die IG Metall ist die größte Gewerkschaft der Bundesrepublik, die Metall- und Elektroindustrie eines der Flaggschiffe der hiesigen Wirtschaft. Was Hofmann fordert, hat Signalwirkung – immerhin droht Deutschland eine Lohn-Preis-Spirale, bei der sich die Inflation verselbstständigt.

Die Führung der IG-Metall hat sich für einen Mittelweg entschieden: Sie empfiehlt ihren regionalen Tarifkommissionen hohe, aber nicht irrsinnige Tarifforderungen – während sie zugleich betont, dass staatliche Entlastungen den Lohndruck mildern könnten. Eine Alternative hat sie nicht: Das letzte Mal, als die IG Metall bei einer konzertierten Aktion auf Lohnzurückhaltung setzte, verselbstständigte sich nicht die Inflation, wohl aber die Gewerkschaftsbasis in wilden Streiks.

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