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Auf dem Besen durch London

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Von: Susanne Ebner

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Ob diese enge Straße als Vorbild für die Winkelgasse diente? ebner
Ob diese enge Straße als Vorbild für die Winkelgasse diente? ebner © Susanne Ebner

Wie manche Orte in der britischen Hauptstadt die Harry-Potter-Geschichten inspiriert haben – und umgekehrt

London hat viele Heldinnen und Helden, vor allem fiktive. Neben dem Detektiv Sherlock Holmes und dem Bären Padding-ton gehört dazu ein kleiner Zauberschüler, der von Großbritannien aus zu einem Weltstar wurde: Harry Potter. Am Sonntag jährt sich das Erscheinen des ersten Bandes der Reihe zum 25. Mal. Ein Spaziergang durch London offenbart die Einflüsse der Stadt auf die Geschichten J.K. Rowlings. Gleichzeitig liefern die Abenteuer nach wie vor einen Einblick in bestimmte Aspekte der Gesellschaft Großbritanniens.

Eine Statue im Zentrum

In einem Zug von Manchester im Nordwesten Englands nach London sei ihr die Idee zu der Geschichte um den Zauberlehrling gekommen, erzählte Rowling einmal. In den nächsten fünf Jahren begann sie, die Harry-Potter-Reihe zu planen. Zwölfmal wurde die Idee von Verlagen abgelehnt. Erst der Bloomsbury-Verlag veröffentlichte schließlich den ersten Band „Harry Potter und der Stein der Weisen“ im Jahr 1997. Ein Glücksgriff: Mit mehr als 500 Millionen verkauften Exemplaren in über 80 Sprachen gilt „Harry Potter“ als kommerziell erfolgreichste Buchreihe der Welt.

Wenn man durch das Zentrum Londons läuft, merkt man schnell, wie beliebt die Geschichten auch heute noch sind. Am Leicester Square, einem bekannten Platz der Metropole, reitet Harry in Lebensgröße auf einem Besen. Die Statue wurde 2020 eingeweiht und ist ein beliebtes Fotomotiv für Fans. Nur fünf Gehminuten entfernt, können sich Interessierte das Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ anschauen. Direkt um die Ecke, ebenfalls in Covent Garden, dem wichtigsten Theater- und Unterhaltungsviertel der Stadt, gibt es außerdem eine Fotoausstellung zu den Harry-Potter-Filmen und, etwas außerhalb der Stadt, die „Making of Harry Potter“-Studios

Überdies hat London „Harry Potter“ stark beeinflusst. Eine verstecke Gasse in Covent Garden namens „Goodwin’s Court“ soll als Vorbild für die Winkelgasse gedient haben, ein geheimes Sträßchen, in dem Zauberlehrlinge ihre Schulsachen kaufen. Wer vor Ort ist, versteht sofort, warum. Denn „Goodwin’s Court“ ist nicht nur schwer zu finden, sondern auch geprägt von Ecken und Winkeln, Straßenlaternen und dunkel gestrichenen Gebäuden.

Das beliebteste Ziel für Fans ist jedoch wohl der Bahnhof King’s Cross im Zentrum Londons. Schließlich steigen die Zauberschüler:innen in den Romanen dort auf Gleis 9¾ in den Zug ein, der sie zur Hogwarts-Zauberschule bringt. Als Kulisse für diese besondere Bildungseinrichtung diente unter anderem das Christ Church College der Universität Oxford. Im Film gezeigte Gebäude dieser Art haben mit ihren charakteristischen Spitzbögen und hohen Gewölben das Bild Großbritanniens weltweit geprägt.

Spiegel der Gesellschaft

Darüber hinaus ist der Alltag der Zauberschüler Experten zufolge bis zu einem gewissen Grad ein Spiegel der englischen Gesellschaft mit Konflikten zwischen Klassen und „Rassen“. Denn auch wenn die Schule für Harry Potter ein Zufluchtsort ist, so treffen dort beispielsweise eher arrogant gezeichnete „reinblütige“ Schüler aus der Oberschicht wie Draco Malfoy auf den aus einfachen Verhältnissen kommenden Ron Weasley und Hermine Granger, deren Eltern keine magischen Kräfte besitzen – Begegnungen, die Probleme und Auseinandersetzungen provozieren.

Trotz des großen Erfolges von „Harry Potter“ ist die Autorin J.K. Rowling nicht unumstritten. Sie hatte mit Äußerungen zu den Rechten von Transfrauen für Irritationen gesorgt. Ihr wurde daraufhin Transfeindlichkeit vorgeworfen. Die Autorin weist dies jedoch zurück. Auf den Erfolg der Romane scheint dies jedoch nur begrenzt Einfluss zu nehmen. „Der ganz große Hype ist vorbei, aber es gibt immer noch viele Leser“, sagte ein Buchhändler in London diese Woche.

Diese Beobachtung teilt auch die 21-jährige Lucy Phillips, die am Mittwoch für einen Tagesausflug aus der Nähe von Birmingham nach London gekommen ist und vor allem die Filme über den Zauberschüler liebt. Nach dem Grund für den Erfolg gefragt, sagte die junge Frau etwas, was viele Fans bestätigen würden: „Harry Potter ist einfach magisch. Man kann in eine andere Welt eintauchen.“ Und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben.

Porträt S. 35

Groß ist er geworden: Harry-Darsteller Daniel Radcliffe. dpa
Groß ist er geworden: Harry-Darsteller Daniel Radcliffe. dpa © dpa
Fans auf Tour: Lucy Phillips und Tom Enticknap. ebner
Fans auf Tour: Lucy Phillips und Tom Enticknap. ebner © Susanne Ebner

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