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Vor der Wahl herrschte zwischen Habeck (Grüne, l.) und Lindner (FDP) immer mal wieder ein scharfer Ton. John Macdougall/afp
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Vor der Wahl herrschte zwischen Habeck (Grüne, l.) und Lindner (FDP) immer mal wieder ein scharfer Ton. John Macdougall/afp

Koalition

Architekten der Ampel

  • Markus Decker
    VonMarkus Decker
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Robert Habeck und Christian Lindner eint vor allem ihr Machtbewusstsein.

Am Montagmorgen gingen sie gemeinsam zum Tagungsort am Berliner Messezentrum: der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck links außen, rechts außen FDP-Chef Christian Lindner, dazwischen Grünen-Co-Parteichefin Annalena Baerbock und FDP-Generalsekretär Volker Wissing. Sie gingen wie Millionen andere Deutsche an diesem Montag zur Arbeit – nur dass ihre Arbeit darin besteht, mit der SPD eine neue Regierung zu bilden.

Der „Spiegel“ beschrieb erst kürzlich, „wie Lindner und Habeck ihre Parteien ins Bündnis treiben wollen“ – gemeint war die Ampel; Baerbock, deren Verhältnis zu Lindner als sachlich gilt, kam in der Beschreibung eher am Rande vor.

Vor der Wahl waren Habeck, 52, und Lindner, 42, Konkurrenten. Der Liberale fand immer mal wieder Vergnügen daran, den Grünen zu piksen. So nannte er ihn „cremig“ – das war kein Kompliment – und erzählte, dass Habeck den Begriff Schulden ablehne, weil er von Schuld komme, und dafür das Wort Kredite empfehle. Dem FDP-Mann fiel dazu die Spott-Vokabel „Begriffsklempner“ ein. Habeck fand das nicht lustig. Überhaupt, so hieß es, liefen die grün-gelben Drähte bis zum 26. September eher über die Bundestagsfraktionen. Da gibt es auf Ebene der Vorsitzenden die Achse Christian Lindner und Katrin Göring-Eckardt; die Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Britta Haßelmann wiederum kann gut mit ihrem FDP-Kollegen Marco Buschmann.

24 Stunden nach der Wahl stellte Lindner jedoch erste Gespräche mit den Grünen in Aussicht und erwähnte in dem Zusammenhang stets den Namen Habeck. Zufall war das nicht.

Bei den Liberalen sagen sie, die beiden hätten sich „seit der Wahl eng ausgetauscht“. FDP-Vize-Chef Wolfgang Kubicki äußerte sich über Habeck fast hymnisch. „Man kann mit ihm zu Lösungen kommen, an die keiner zuvor gedacht hat“, sagte er mit Blick auf die Gespräche, die in Schleswig-Holstein 2017 zur Bildung einer Jamaika-Koalition führten. Lindner schaltete schon in den letzten Tagen vor der Wahl in den Staatsmann-Modus.

Umgekehrt sagte Habeck nach der Wahl: „Die Partei, die das ‚Lager‘ wechseln muss, hat die größere Zumutung zu tragen.“ Im Falle einer Jamaika-Koalition wären das die Grünen, im Falle einer Ampel die FDP. Das war das Signal von Verständnis für die andere Seite.

Fürsprecher Kretschmann

Habeck hat zudem einen Fürsprecher in Baden-Württembergs konservativem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne). Mit anderen Worten: Der Flensburger neigt erkennbar eher der bürgerlichen als der linken Seite zu. Das macht ihn für die FDP kreditwürdig. Ohnehin reizt Habeck das unbekannte Terrain, auf dem er sich als Entdecker profilieren kann. Zum klassischen Berliner Betrieb verhält er sich unverändert distanziert, die eigene Partei inbegriffen.

Nein, eine Männerfreundschaft zwischen Habeck und Lindner ist nicht in Sicht. Zwar begannen beide Anfang der Nullerjahre ungefähr zur gleichen Zeit ihre politischen Karrieren, Habeck als Landesvorsitzender und Lindner als Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen. Nur war der Grüne da zehn Jahre älter, hatte promoviert, mehrere Bücher veröffentlicht und vier Söhne in die Welt gesetzt. Er war eher der Typ „Freak“. Von Lindner hingegen tauchte später ein Video auf, das ihn als Schüler mit Krawatte, Aktenkoffer und flotten Sprüchen zeigte – Typ „Karrierist“. Während Habeck zur Fortbewegung grünen-like öffentliche Verkehrsmittel bevorzugt, zeigte die linke „Tageszeitung“ Lindner erst am Samstag in seinem Porsche.

Was beide eint: die Neigung zu sportlicher Fitness – Habeck joggt, Lindner hat ein Rudergerät zu Hause –, der Drei-Tage-Bart wie überhaupt eine lässige Eitelkeit. Was beide noch eint: ein Machtbewusstsein, das auch bei Habeck zunehmend hervortritt. Und gemeinsam wären sie gegenüber einem SPD-Kanzler Olaf Scholz machtvoller als allein.

Eigentlich seien Habeck und Lindner nicht so auf einer Wellenlänge, sagen Insider. Aber sie hätten früh erkannt, dass sie vielleicht mal miteinander können müssten – und zwar im Zweifel über Jahre.

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