1. Startseite
  2. Hintergrund

Achtung Schuldenfalle

Erstellt:

Von: Johanna Apel

Kommentare

Der Black Friday fällt in diesem Jahr auf den 25. November.
Der Black Friday fällt in diesem Jahr auf den 25. November. © Imago

Die anstehenden Rabattschlachten rund um den Black Friday bergen Risiken. Vor allem junge Menschen verschätzen sich oft.

Die Händler laufen sich schon warm: In wenigen Tagen startet der Black Friday. Der Rabatt-Aktionstag, der seinen Ursprung in den USA hat, fällt in diesem Jahr auf den 25. November. Viele deutsche Unternehmen haben sich auf die Rabattschlacht bereits eingestellt und hoffen auf einen starken Umsatz.

Schnäppchenjäger sollten allerdings auch vorsichtig sein, denn in der „Black Week“ und der darauffolgenden „Cyber Week“ gibt es zwar verführerische Preisangebote. Aber genau da liegen auch Gefahren. So warnt die Verbraucherzentrale davor, sich nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen, weil etwa der Online-Shop ablaufende Balken für das vermeintlich tolle Angebot anzeigt. Meist lasse sich eh nicht erkennen, wie viele vorhandene Artikel dahinter stecken.

Zudem verweisen die Verbraucherschützer:innen darauf, dass viele der Black-Friday-Sparpreise auf der unverbindlichen Preisempfehlung der Hersteller (UVP) beruhen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, auf der Suche nach dem günstigsten Preis mindestens zwei Preissuchmaschinen zu nutzen. Laut „Finanztip“ sind idealo.de oder billiger.de zu empfehlen.

Besonders für jüngere Menschen kann der Online-Einkauf schnell zur Schuldenfalle werden. „Schulden machen wird immer einfacher“, warnt Rechtsanwalt Thomas Henz. Ein Grund dafür ist die Funktion „Buy now pay later“, die Bezahldienste wie Klarna oder Paypal anbieten. Das funktioniert so: Wer im Internet etwas bestellt, wird nicht sofort zur Kasse gebeten, sondern kann den Betrag später oder in Raten zahlen. Hier kann es allerdings gefährlich werden: Wer säumig wird, muss mit Mahngebühren rechnen. Kommen dann noch die Raten und die Zinsen dazu, wird es mitunter richtig happig. „Dann wird es schnell unübersichtlich“, so Henz.

Er weiß, was das heißt: In seinen Beratungen sitzen oft junge Menschen mit hohen Schulden. „Manchmal sind da 20-Jährige, die bis zu 40 Gläubiger haben“, sagt er. Dabei gehe es teilweise um Käufe mit geringem Warenwert, wo sich die Kosten aber immer weiter hochschaukelten. „Dann wird es so unüberschaubar, dass sie den Kopf in den Sand stecken und die Mahnbriefe gar nicht mehr öffnen“, sagt er.

Der Anwalt beobachtet einen Generationenunterschied: „Die Berufspraxis zeigt: Bei den über 40-Jährigen spielt meist ein Schicksalsschlag eine Rolle und sie nehmen sich die Schulden sehr zu Herzen. Bei Jüngeren haben sie einen ganz anderen Stellenwert.“

Zwar machten Klarna und Co. nichts Illegales, betont er. Doch diese „Zwei-Mausklick-Kredite“ seien riskant. „Viele Menschen wissen nicht, wie Zinsen funktionieren“, sagt Henz, der sich als Sprecher der Arbeitsgruppe „Junge Insolvenzrechtler“ der Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht und Sanierung im Deutschen Anwaltverein engagiert. Auch sei nicht allen klar, dass mit sich mit einer Mahnung auch der Zinssatz ändern kann. „Wenn die Ratenzahlung dann ausbleibt, setzt sich eine kostspielige Eskalationsspirale in Gang.“

Doch was tun, um so etwas zu verhindern? „Man sollte sich vorher Gedanken darüber machen, welche Raten man sich leisten kann“, sagt der Experte. Wer etwa in der Ausbildung oder ohne geregeltes Einkommen sei, müsse bedenken, dass sich die Situation auch ändern könne. „Nur weil ich mir jetzt eine monatliche Rate leisten kann, heißt das nicht, dass das auch später so sein wird.“

Und unabhängig vom Black Friday rät Henz bei Online-Käufen: „Vorher ein Budget festlegen und sich eine Grenze setzen.“ Außerdem solle man sich vor einer Rabattaktion überlegen, was man eigentlich kaufen möchte – sonst könne man sich leicht verführen lassen.“ Vorsicht sollte auch bei Online-Shops gelten, die nur Vorkasse anbieten. Dabei handelt es sich oft um Betrug.

Auch interessant

Kommentare