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Ab in den Urlaub? Vielleicht ...

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Von: Johanna Apel

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Die Lufthansa streicht im Juli 900 Flüge innerhalb Deutschlands und Europas an den Drehkreuzen in Frankfurt und München. Auch andere Airlines planen um.
Die Lufthansa streicht im Juli 900 Flüge innerhalb Deutschlands und Europas an den Drehkreuzen in Frankfurt und München. Auch andere Airlines planen um. © IMAGO/YAY Images

Den Airlines und Flughafenbetreibern fehlt Personal. Viele Verbindungen werden im Sommer daher gestrichen.

Die Feriensaison wird für die Flugbranche zur Belastungsprobe – und für die Reisenden auch. So sind am Freitag wegen eines Streiks von Easyjet-Beschäftigten am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) rund 20 Flüge ausgefallen. Die Gewerkschaft Verdi hatte rund 450 Kabinenbeschäftigte der britischen Fluggesellschaft dazu aufgerufen, zwischen fünf und zehn Uhr die Arbeit niederzulegen. Es habe eine „sehr, sehr hohe Beteiligung“ gegeben, sagte Verdi-Verhandlungsführer Holger Rößler dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Hintergrund ist eine laufende Tarifrunde für das Kabinenpersonal. Zwar sei am Freitag alles gut gelaufen, so Rößler. Wie es nun weitergehe, komme aber darauf an, ob Easyjet ein „verhandlungsfähiges Angebot“ mache. Bisher sei das noch nicht der Fall. Flughafensprecherin Sabine Deckwerth erklärte, der Easyjet-Streik habe „keine Auswirkungen“ auf den gesamten Flugbetrieb gehabt. Offenbar seien Passagier:innen rechtzeitig über die Streichung der Flüge informiert worden. Das ist aber nicht das einzige Problem des Billigfliegers im Betriebsablauf. Wegen Personalmangels hat die Airline zudem einen Teil der Sommerflüge gestrichen – bis Ende August täglich zwölf Flüge von und zum BER.

Ähnlich ist die Lage bei Deutschlands größter Fluggesellschaft Lufthansa. Wegen des dortigen Personalmangels streicht Lufthansa im Juli 900 Flüge innerhalb Deutschlands und Europas an den Drehkreuzen in Frankfurt und München. Auch bei der Lufthansa-Tochter Eurowings fallen im Juli mehrere hundert Flüge aus.

Wie Lufthansa-Sprecher Jörg Waber mitteilte, würden die Airlines der Lufthansa-Gruppe nach gut zwei Jahren Pandemie nun in diesem Sommer eine „sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Flugreisen“ verzeichnen. Das sei nach der „schwersten Krise in der Luftfahrt“ zwar eine gute Nachricht, allerdings sei die Infrastruktur noch nicht wieder vollständig hergestellt. „Die gesamte Luftfahrtbranche insbesondere in Europa leidet aktuell unter Engpässen und Personalmangel“, sagte Waber.

Bei Eurowings könnten die Streichungen sogar noch über den Juli hinausgehen: „Auch für August wird Eurowings prüfen müssen, inwieweit Fluganpassungen zur Entlastung des Sommerbetriebs nötig sind“, sagte Eurowings-Sprecher Florian Gränzdörffer dem RND.

Er erklärte, dass man bereits neues Personal eingestellt habe – und noch in diesem Jahr mit rund 750 neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern plane. Allerdings sei es in Pandemie-Zeiten mit Blick auf das Einstellen und Ausbilden, das Training und den Erwerb von Lizenzen und Zertifizierungen zu Verzögerungen gekommen. Für die „anstehenden Nachholeffekte“ sei man nun gewappnet.

Auch die Fluggesellschaft Condor reagiert: Aktuell schreibe Condor unterschiedlichste Stellen aus, so Sprecherin Johanna Tillmann auf RND-Anfrage. Das betreffe sowohl das Boden- als auch das Luftpersonal. Das sei auch auf eine Einführung eines neuen Condor-Flugzeugmusters im Herbst zurückzuführen, was interne Schulungen nötig mache. „Die Rekrutierung läuft bei Condor ebenso wie in der gesamten Luftfahrtbranche auf Hochtouren“.

Anders als Lufthansa oder Eurowings kündigt Condor jedoch noch keine Flugstreichungen an – scheint sich die Option aber offen zu halten. Nach Angaben Tillmanns beobachtet Condor die Situation genau, um „gegebenenfalls umgehend zu reagieren“. Daher könne es auch sein, dass der Flugplan entsprechend angepasst werden müsse.

Bei der deutlich kleineren Tuifly ist die Situation anders: Entsprechend der Flottenstärke von 22 Maschinen seien „ausreichend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Bord“, sagte Sprecher Aage Dünhaupt. Deshalb seien auch „keine Streichungen geplant“.

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