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15 Jahre Ungewissheit

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Von: Susanne Ebner

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Madeleine McCann.
Madeleine McCann. © dpa

Am 3. Mai 2007 verschwand die dreijährige Madeleine McCann.

Auf den Tag genau 15 Jahre ist es her, dass Madeleine McCanns Eltern die damals Dreijährige an einem lauen Frühlingsabend in einer Ferienanlage in Praia da Luz schlafen gelegt hatten, um mit Freunden in einem nahen Restaurant Tapas zu essen. Die Erwachsenen, die in dem Ort an der portugiesischen Algarve Urlaub machten, wechselten sich ab, um nach den Kindern zu sehen. Als Madeleines Mutter Kate McCann gegen 22 Uhr erneut in das Zimmer ging, stellte sie fest, dass das Bett der Tochter leer war. Maddie war nicht mehr da.

An den Fall können sich auch heute noch viele erinnern. Denn auf das Verschwinden des blonden Mädchens aus Großbritannien folgte 2007 eine riesige Suchaktion der britischen und portugiesischen Behörden und ein gigantisches Interesse der Medien. Viele Eltern identifizierten sich damals mit der Situation, sie wussten: Das hätte mir auch passieren können. In ganz Europa fragte man sich: Wo ist Maddie? Und was ist mit ihr passiert?

Während in den ersten Jahren nach der mutmaßlichen Entführung die Ermittlungen durch die Polizei in eine Sackgasse führten, gelang nun womöglich ein Durchbruch. Portugiesische Behörden haben vor gut einer Woche Christian B. zu einem offiziellen Tatverdächtigen ernannt. Dabei handelt es sich um einen wegen Kindesmissbrauchs verurteilten 45-jährigen Deutschen, der zum Zeitpunkt von Maddies Verschwinden an der Algarve lebte, und den Beamte schon seit 2020 im Visier haben. B. gilt als verdächtig, das Mädchen entführt und getötet zu haben.

Für die Eltern war die Zeit nach Maddies Verschwinden in mehrfacher Hinsicht dramatisch. Denn während die Medien im Königreich das Paar bei seiner Suchkampagne zunächst unterstützen, nahmen sie die Familie im Verlauf des Jahres 2007 ins Visier. Anlass gaben Spuren, die unter anderem im Mietwagen der Familie gefunden wurden. Die Boulevardzeitung „Mirror“ titelte „Haben sie sie versehentlich getötet?“ Und der „Daily Star“ stellte infrage, ob Gerry McCann Maddies Vater sei.

Ihre Eltern hoffen bis heute

In einem 2011 veröffentlichten Buch der McCanns („Das Verschwinden unserer Tochter und die lange Suche nach ihr“) beklagte sich Gerry McCann über die Arbeit der Polizei. „Unsere Tochter und wer auch immer sie mitgenommen hat, sind da draußen. Wir brauchen Ihre Hilfe, um sie zu finden“, schrieb er. Die Metropolitan Police richtete im gleichen Jahr eine Sondereinheit ein, die sich nach wie vor mit dem Fall befasst. Charlie Hedges, ehemaliger Leiter einer Abteilung zum Schutz von Kindern bei der „National Crime Agency“, betonte diese Woche jedoch, dass die Ermittlungen nicht ewig fortgesetzt werden könnten. Die Polizei solle den Fall jedoch regelmäßig wieder in die Hand nehmen.

Das Interesse an dem Fall in britischen Medien ist weiterhin groß. Vor allem seit es nun einen offiziell Tatverdächtigen gibt. Maddies Eltern äußern sich seltener und nicht vor der Kamera. Vergangene Woche gaben sie eine Erklärung ab: „Wir begrüßen die Nachricht, dass die portugiesischen Behörden einen Deutschen im Zusammenhang mit dem Verschwinden unserer geliebten Tochter Madeleine zum ‚offiziell Tatverdächtigen‘ erklärt haben.“ Und: „Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Madeleine noch lebt.“

Die McCanns leben heute in einem Dorf namens Rothley im Bezirk Leicestershire. Ihre beiden weiteren Kinder sind mittlerweile Teenager und gelten als besonders sportlich. Die Zwillinge waren zwei Jahre alt, als Maddie verschwand, sie schliefen damals im selben Raum. Im Gedenken an Maddie veranstaltet die Familie heute einen Gottesdienst in ihrem Heimatort. Auf ihrer Homepage schrieb sie: „Es ist fünfzehn Jahre her, seit wir Madeleine das letzte Mal gesehen haben. Es fühlt sich nicht schwerer an als in anderen Jahren, aber auch nicht leichter. Es ist eine sehr lange Zeit.“

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