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Insolventer Flughafen Hahn verkauft: Betriebsrat zeigt sich „vorsichtig optimistisch“

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Der Flughafen Hahn wurde verkauft. Allerdings ist der Betriebsrat vorerst „vorsichtig optimistisch“.
Der Flughafen Hahn wurde verkauft. Allerdings ist der Betriebsrat vorerst „vorsichtig optimistisch“. (Symbolbild) © Christoph Hardt/imago

Der Flughafen Hahn im Hunsrück befand sich in der Insolvenz und ist verkauft. Der Betriebsrat ist aufgrund der Vergangenheit vorsichtig.

Update vom Donnerstag, 30. Juni, 14.00 Uhr: Nachdem der Hunsrück-Flughafen Hahn 2021 Insolvenz anmeldete, wurde er nun gekauft. Trotz dessen zeigt sich der Betriebsrat „vorsichtig optimistisch“. Die Nachricht sei ganz neu und er könne noch nicht viel sagen, erklärte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH (FFHG), Karl-Heinz Heinrich, am Donnerstag (30. Juni).

2017 hatte der chinesische Mischkonzern HNA 82,5 Prozent der FFHG gekauft und war später in finanzielle Schieflage geraten. „Wir waren auch froh, als HNA kam, und was da rauskam, haben wir dann alle miterlebt“, ergänzte der Mitarbeiter der Flughafenfeuerwehr.

Unternehmen aus Frankfurt kauft insolventen Flughafen Hahn

Hahn/Frankfurt – Der insolvente Hunsrück-Flughafen Hahn ist verkauft worden. Die Swift Conjoy GmbH habe ihn für eine ungenannte Summe erworben, teilte ein Sprecher des Insolvenzverwalters mit. Das in Frankfurt ansässige Unternehmen führe den Flugbetrieb fort und übernehme alle Mitarbeiter. Nach früheren Angaben sind es ungefähr 430 Beschäftigte.

Flughafen Frankfurt-Hahn
Ein Drehfeuer auf dem Tower des Flughafens Hahn leuchtet in den Abendhimmel. © Thomas Frey/dpa/Archivbild

Der Vollzug des am Mittwoch (29. Juni) notariell beurkundeten Vertrages steht laut dem Sprecher noch unter Bedingungen. Die Vertragsparteien gingen davon aus, dass diese zeitnah erfüllt würden. Über die Details des Vertrages sei Stillschweigen vereinbart worden.

Flughafen Hahn verkauft: Neue Besitzer wollen „Passagier- und Frachtflugbetrieb“ ausbauen

Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner erklärte, damit sei das vorherige Bieterverfahren erfolgreich abgeschlossen worden. „Der Flugbetrieb wird bis zum Eintritt der vertraglichen Bedingungen im Rahmen des Insolvenzverfahrens und dann von der Erwerberin fortgeführt. Aufgrund der sehr guten Nachfrage und der erfolgreichen Umsetzung unterschiedlicher Maßnahmen arbeitet der Betrieb wieder wirtschaftlich stabil in Passagierverkehr und Luftfracht“, betonte der Frankfurter Jurist.

Tobias Steyer und Martin Mansell, Geschäftsführer der Swift Conjoy GmbH, streben nach eigenen Angaben an, „den Passagier- und Frachtflugbetrieb am Hahn fortzuführen und umfangreich auszubauen. Dazu gehören auch Investitionen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Region.“

Flughafen Frankfurt-Hahn hatte während Corona-Pandemie Insolvenz angemeldet

Die Gesellschaft Conjoy Investment Partners war laut dem Sprecher des Insolvenzverwalters erst 2021 von englischen und australischen Unternehmern aus den Branchen Luftfahrt, Flughäfen und Reisen gegründet worden. Im Zusammenschluss mit der Frankfurter Swift Holding in der Immobilien-, Infrastruktur- und Finanzierungsbranche sei ein gemeinsames Angebot für das gesamte Flughafengelände abgegeben worden.

Der Airport mitten im Hunsrück, der aus Marketinggründen Flughafen Frankfurt-Hahn heißt, hatte im Oktober 2021 in der Corona-Pandemie Insolvenz angemeldet. Mittlerweile heben hier wieder mehr Flugzeuge ab. Der einstige US-Militärflughafen mit einer seltenen Nachtfluggenehmigung im eher strukturschwachen Hunsrück sucht laut Internetseite Personal für etliche Bereiche vom Bodenverkehrsdienst über die eigene Feuerwehr bis hin zum Duty-free-Shop.

Dem Flughafenverband ADV zufolge ging der Hahn-Frachtumschlag von Januar bis Mai 2022 gemessen am Vorjahreszeitraum noch zurück. Die Zahl der Passagiere schoss dagegen nach der Aufhebung von Corona-Beschränkungen extrem in die Höhe, lag aber noch merklich unter dem Wert der ersten fünf Monate 2019 vor der Pandemie.

Schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Airports Frankfurt-Hahn

Vor einem guten halben Jahr hatte Insolvenzverwalter Plathner eine Überarbeitung der Internetseite des Flughafens veranlasst. Zuvor hatte sich dort zeitweise gar kein Flugplan mehr gefunden, nur der Hinweis, direkt auf die Tafeln am Airport zu schauen. Anschließend war dies wieder digital vom heimischen Sofa aus möglich.

Plathner hatte sich Ende Mai nicht zu den Hahn-Mitarbeitern geäußert, die als Beschuldigte bei den schon länger laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Koblenz geführt werden. Dabei geht es um den Verdacht auf bandenmäßige Untreue, Subventionsbetrug und Insolvenzverschleppung. Die Staatsanwaltschaft hatte nach eigener Auskunft Verfahren gegen „fünf Verantwortliche von sechs am Hahn tätigen Firmen und einen Geschäftspartner“ eingeleitet. Die Dauer der Ermittlungen sei weiter unklar, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Das bei zwei Razzien sichergestellte Beweismaterial sei umfangreich.

Flughafen Frankfurt-Hahn wurde erst 2017 verkauft

Der inzwischen ebenfalls schwer angeschlagene chinesische Konzern HNA hatte 2017 für rund 15 Millionen Euro 82,5 Prozent der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH (FFHG) vom Land Rheinland-Pfalz erworben. Hessen hielt weiter 17,5 Prozent an der bisherigen Betreibergesellschaft, die in Insolvenz ging.

2016 hatte sich die Landesregierung Rheinland-Pfalz von der mutmaßlich betrügerischen chinesischen Firma Shanghai Yiqian Trading bei einem ersten Verkaufsversuch der 82,5 Prozent an der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH über den Tisch ziehen lassen. Erst im letzten Moment zog die Regierung die Reißleine und rettete so viel Steuergeld. (dpa)

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