Am Inneren Ring, wo derzeit eine riesige Lücke klafft, soll ein neues Zentrum gebaut werden. 
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Am Inneren Ring, wo derzeit eine riesige Lücke klafft, soll ein neues Zentrum gebaut werden.

Bruchköbel

Stadtumbau in Bruchköbel beginnt nach langer Planung

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Am Inneren Ring entsteht ein neues Zentrum mit Rathaus, Bürgerhaus, Geschäften und Wohnungen. Unumstritten ist das Projekt nicht.

Bürgermeister Günter Maibach (CDU), der sich Ende März 2020 altersbedingt zurückzieht, räumte ein, dass es ein „langer, steiniger Weg“ war. Doch Bruchköbel habe die Herausforderungen bewältigt und könne stolz sein auf sein Konzept für den Stadtumbau.

Am Mittwoch haben die Arbeiten für das neue Zentrum der 20 000-Einwohner-Kommune mit einem symbolischen Spatenstich begonnen. Nach dem Abriss des alten Rathauses klafft am Inneren Ring jetzt eine riesige Lücke. Wenn alles fertig ist, soll dort bis 2022 – so das ausgegebene Ziel – ein sogenanntes Stadthaus stehen, mit Rathaus, Bürgerhaus, Senioren-, Familien- und Sozialzentrum, mit 187 Räumen, Gastronomie und einem rund 600 Quadratmeter großen Saal für Veranstaltungen. Die Tiefgarage wird 226 Plätze bieten. Die Pläne für das Haus und die Garage hat das Darmstädter Büro Kramm & Strigl Architekten und Stadtplaner entworfen.

Zu einem Treffpunkt für Bürger und Veranstaltungsort soll sich der künftige, 1100 Quadratmeter große Stadtplatz mit seinen Sitz- und Grünflächen, Lokalen und dem vorbeifließenden Krebsbach entwickeln. Derzeit ist der Bach in einem schlechten Zustand, wird aber „zu einem Biotop aufgewertet“, verspricht Maibach. Darüber hinaus entsteht in der Mitte der Nachbarstadt Hanaus ein Wohn- und Geschäftshaus, das 2023 bezogen werden soll. Neben 60 Wohneinheiten sind unter anderem Büros, ein Gesundheitszentrum und ein großer Supermarkt geplant. Voraussichtlich wird der Vollsortimenter Rewe sein Angebot hier ausbauen.

Als Generalunternehmer beauftragte Bruchköbel die Schoofs Immobilien GmbH Frankfurt von Mohamed Younis, der beispielsweise das Einkaufszentrum Die Stadt Bruchköbel baut am Inneren Ring ein Stadthaus mit Verwaltung, Bürgerhaus und Gastronomie, einen autofreien Platz, eine Tiefgarage sowie ein großes Wohn- und Geschäftshaus und einen Supermarkt.

Sieben Jahre wurde geplant. Dabei startete die Stadt unter anderem zwei europaweite Ausschreibungen. Die Kosten für die Kommune, die noch auf Fördermittel hofft, sollen bei 26,8 Millionen Euro liegen, die Arbeiten im Jahr 2023 abgeschlossen sein. 

„Rondo“ in Hanau-Steinheim errichtete. Schoofs war als Sieger aus dem wettbewerblichen Dialog hervorgegangen. Younis kündigte an, dafür zu sorgen, dass die Vorgaben eingehalten werden. Nachdem die Händler in der Umgebung kürzlich protestiert hatten, ließ er Arbeiten um einen Monat verlegen, damit Kunden das noch stehende Parkdeck im Weihnachtsgeschäft nutzen können.

Maibach blickte zurück auf sieben Jahre Planung, bei denen zehn Gutachten etwa für Handel und Verkehr eingeholt worden, zwölf Stadtverordnetenbeschlüsse gefallen und die Bürger bei acht Versammlungen beteiligt worden seien. Die überwiegende Mehrheit der Bruchköbeler stehe hinter den Plänen, das hätten auch Umfragen gezeigt. Letzten Endes stimmten die schwarz-rote Koalition sowie die Grünen dafür, die Pläne umzusetzen.

Es gab und gibt aber auch Kritik – an Konzept, Größe und Kosten. Diese stiegen im Laufe des Verfahrens, bei dem es mehrfach zu Verzögerungen kam. Die FDP und der Bruchköbeler Bürgerbund (BBB) kritisieren die hohen Ausgaben scharf und stimmten im Parlament mit Nein. Ein wesentlicher Grund für den Kostenanstieg ist die Tiefgarage, welche die Stadt doch nicht zusammen mit dem Investor, sondern alleine bezahlt. Abzüglich der Einnahmen für die Grundstücke muss die Stadt nach eigenen Angaben 26,8 Millionen Euro ausgeben, etwa 5,5 Millionen mehr als zuvor kalkuliert.

Der Umbau war und ist ein großes Thema im Bürgermeisterwahlkampf. In die Stichwahl – die eineinhalb Wochen nach dem Spatenstich stattfindet – gehen Sylvia Braun (FDP), die im ersten Durchgang rund 30 Prozent der Stimmen holte, und Daniel Weber (CDU, 24,6 Prozent), Maibachs persönlicher Referent.

Braun sieht noch eine Reihe offener Fragen zum Umbau und warnte kürzlich, dass die Kosten offenbar weiter und deutlich stiegen. Dem widersprach Maibach: Mit dem Generalunternehmer sei ein Festpreis vereinbart. Das Projekt sei „finanziell gesichert“.

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