Der Eingang zum Strandbad Spessartblick.
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Der Eingang zum Strandbad Spessartblick.

Rhein-Main

Badeseen in der Region: Toter in Walldorf, Chaos in Großkrotzenburg

Ein Mann ertrinkt im Walldorfer Badesee, die Suche erfolgt vor den Augen der Badegäste.  Chaotisch sind die Verhältnisse in Großkrotzenburg.

Bei Temperaturen von bis zu 40 Grad war der Ansturm auf die Badeseen im Rhein-Main-Gebiet am Sonntag so groß, dass einige Strandbäder schließen mussten. Am Walldorfer Badesee kam es zu dramatischen Szenen, als ein 30-jähriger Nichtschwimmer aus dem pfälzischen Bad Kreuznach unterging. Er konnte zwar noch reanimiert werden, verstarb aber wenig später in einer Klinik.

Unglück am Walldorfer Badesee

Gegen 17.20 Uhr meldete die Ehefrau am Kiosk des Badesees Walldorf, ihr Mann sei gerade untergegangen. Der private Sicherheitsdienst sagte daraufhin per Lautsprecher durch, die Badegäste sollten die Wasserfläche verlassen. Mitglieder der Interessengemeinschaft Rettungsdienst Badesee Walldorf (IRBW), die sich privat an ihrem Vereinsheim am See getroffen hatten, wurden deshalb darauf aufmerksam und tauchten die Stelle in der Nähe des Bootseinlasses dann mit rund zehn Mitgliedern und fünf Freunden systematisch ab. „Badegäste haben uns ihre Schwimm- und Taucherbrillen zur Verfügung gestellt“, sagt Thomas Gohl, Zweiter Vorsitzender und Ausbilder der IRBW, die bis zum vorigen Jahr am Walldorfer Badesee die Aufsicht hatte. Aber im trüben, durch die Badegäste aufgewühlten Wasser sei die Sicht schlecht gewesen.

Mittlerweile war auch die örtliche Feuerwehr da, und der Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera kreiste über dem See. Gohl selbst fand den Verunglückten dann 25 Meter vom Ufer entfernt in 3,50 Metern Tiefe, holte ihn nach oben und übergab ihn den Rettungskräften an Land, die sofort mit der Wiederbelebung begannen. „Aus der Uniklinik in Mainz wurde noch ein Team eingeflogen mit einem speziellen Gerät“, erinnert sich Gohl. Die Reanimation gelang, am Abend wurde der 30-Jährige im Krankenhaus dann allerdings für hirntot erklärt.

„Es hat wohl rund 15 Minuten gedauert, bis wir ihn gefunden haben“, sagt Gohl. Ihm ist schleierhaft, wie sich der Nichtschwimmer so weit vom Ufer entfernt im Tiefen aufhalten konnte. Die Stadt Mörfelden-Walldorf hat den Badesee in diesem Jahr zur unbeaufsichtigten Badestelle umgewidmet, weil ihr das Geld fehlt.

Großkrotzenburg: Mehrere Menschen kletterten über Metallzaun

Chaotische Verhältnisse gab es am Sonntag auch am Großkrotzenburger See. „Nicht drinnen im Strandbad Spessartblick, aber draußen“, sagt Cihan Virit, der aktuell den Badeleiter vertritt. Wegen Überfüllung des Parkplatzes sei gegen 14 Uhr die Einfahrt zum See gesperrt worden. „Dann haben die Leute überall geparkt, sogar auf den Feldern der Landwirte“, so Virit. Vier Parkplatzzuweiser – doppelt so viele wie sonst – seien, im Nachhinein gesehen, trotzdem zu wenig gewesen. Um 16 Uhr wurden dann in Absprache mit dem Ordnungsamt Großkrotzenburg auch die Türen des Strandbads geschlossen, weil es im Wasser zu voll wurde. „Liegefläche war noch frei, aber die Wassersicherheit konnte nicht mehr gewährleistet werden“, so Virit. 

Dann begann das Chaos: Mehrere Menschen kletterten über den Metallzaun, um in das Bad zu gelangen. Andere gaben ihr Eintritts-Märkchen durch den Zaun unerlaubt an abgewiesene Badegäste weiter, Autos wurden abgeschleppt, um Platz zu schaffen. „Das Ordnungsamt war da, die Feuerwehr und die Polizei,“ sagt Virit. Er spricht von rund 13.000 Besuchern.

Einlass-Stopp in Raunheim

Auch im Pinta Beach am Raunheimer Waldsee wurde am Sonntag ein Einlassstopp wegen Überfüllung verhängt. Die Zufahrt sei schon um 10 Uhr vom eigenen Sicherheitsdienst und dem Ordnungsamt Raunheim gesperrt worden, das Bad dann um 12 Uhr, weil die Kassensoftware mehr als 3500 Badegäste registrierte. Eskalationen habe es trotzdem keine gegeben, so Mitgeschäftsführerin Marianeve Damascato, laut Polizei aber rund um den See erhebliche Verkehrsbehinderungen.

Am Rodgauer Badesee zählte man am Sonntag 12.000 Gäste. Bis auf einen Rettungsdienst-Einsatz wegen Kreislaufversagen, viel zu lange Schlangen an der Kasse und Parkern in den Wohngebieten gab es aber keine Vorkommnisse.

Für den Langener Waldsee waren keine Zahlen zu erfahren.

Von Annette Schlegl

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