Die Odenwaldbahn leidet unter ihrem großen Erfolg. Die Kapazitäten werden für die Zukunft nicht reichen.
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Die Odenwaldbahn leidet unter ihrem großen Erfolg. Die Kapazitäten werden für die Zukunft nicht reichen.

Verkehr

Die Odenwaldbahn leidet unter ihrem großen Erfolg

Die Odenwaldbahn leidet unter ihrem großen Erfolg. Die Kapazitäten werden für die Zukunft nicht reichen. RMV und Landkreis hoffen auf Hilfe.

Erbach - Selten hat eine Verbesserung so eingeschlagen wie die bei der Odenwaldbahn: Innerhalb von 14 Jahren sind mehr als 50 Prozent neue Fahrgäste hinzugekommen, meldet der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Das bringt die Verantwortlichen in die Bredouille: „Die heutige Infrastruktur wird in Zukunft nicht ausreichen“, teilt der RMV mit. 

Gemeinsam mit den Partnern vor Ort hat er eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Sie soll Möglichkeiten ausloten, die Kapazitäten zu erweitern. Schon jetzt zeige sich, dass spezielle Lösungen notwendig seien. „Darüber wollen der RMV und die kommunalpolitisch Verantwortlichen mit der Landesregierung ins Gespräch kommen.“

Erbach: Odenwaldbahn leidet unter Erfolg

Einst gab es Diskussionen über die Einstellung der Strecke. Nachdem die Fahrzeiten verkürzt, moderne Fahrzeuge und deutlich mehr Fahrten eingeführt wurden, sind die Züge im Berufsverkehr, abends und am Wochenende voll: „Die hohe Fahrgastnachfrage ist grundsätzlich eine hervorragende Entwicklung, auf die wir alle stolz sein können. Sie bringt aber auch Herausforderungen mit sich“, sagt Frank Matiaske, RMV-Aufsichtsratsmitglied und Landrat des Odenwaldkreises. Gemeinsam mit RMV-Geschäftsführer Knut Ringat hatte er dieser Tage über mögliche Kapazitätserweiterungen diskutiert.

Odenwaldbahn

Die Länge beträgt 210 Kilometer. Es gibt fünf Linien plus Pfungstadtbahn sowie 33 Stationen.

Betreiberin ist Vias. Die Anzahl der Triebfahrzeuge liegt aktuell bei 30.

Die Fahrzeit von Erbach nach Frankfurt beträgt 85 Minuten, die von Reinheim nach Frankfurt 61 Minuten. Nachtzüge gibt es seit Dezember 2017.

www.rmv.de

„2018 war ein Rekordjahr im RMV“, bilanziert Ringat. Die Nachfrage sei groß, doch die Zahl einsatzfähiger Fahrzeuge bei der Betreiberin der Linie Vias setzte einer erneuten Erweiterung des Angebots Grenzen. „Wir werden im gesamten Bundesgebiet auf die Suche nach geeigneten Fahrzeugen für eine nochmalige Aufstockung der Flotte gehen und prüfen, ob Busse als Ergänzung im Berufsverkehr eine Lösung darstellen“, sagt der RMV-Chef.

Aktuell nutzen pro Tag rund 15 000 Fahrgäste die Odenwaldbahn. Die zweimal erweiterte Fahrzeugflotte kann seit 2018 drei gekoppelte Triebwageneinheiten mit insgesamt 360 Plätzen bieten. Bei planmäßigem Betrieb käme es zu keinen Problemen, so der RMV. Im Freizeitverkehr werde entsprechend der Nachfrage erweitert. Nach einem Engpass, als gleichzeitig das Schlossgrabenfest in Darmstadt und ein Konzert in Frankfurt stattfanden, seien die nächtlichen Züge mit zwei gekoppelten Triebwagen unterwegs.

Erbach: Odenwaldbahn hat zu viele Passagiere

Eine Absage erteilt der RMV allerdings der Odenwaldbahn-Initiative, die den Einsatz von Doppelstockwagen fordert. Um mehr Kapazität zu bieten, müssten mindestens vier Doppelstockwagen plus Lok fahren. Die seien zu lang für viele Stationen im Odenwald, so das Argument. Die Beschleunigung sei außerdem zu langsam. Unabhängig davon seien Doppelstockwagen derzeit auf dem Markt nicht verfügbar.

Die Odenwaldbahn-Initiative widerspricht der Darstellung: Nach ihren Internetrecherchen seien Doppelstockwagen verfügbar. Und die Längenproblematik bestehe lediglich an wenigen Bahnsteigen. Auch dafür gebe es ein Verfahren, das bis vor kurzem in Klein-Gerau bei der Hessischen Landesbahn, Linie RB 75, angewandt worden sei. „Sollte eine Tür nicht am Bahnsteig stehen, kann sie durch mitfahrendes Zugpersonal gegen Ausstieg gesichert werden.“ 

Immer wieder komme es vor, dass Fahrgäste aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg keinen Platz in den vollen Zügen fänden. Die Initiative forderte den RMV auf, nicht alleine in den Ballungsraum zu investieren: „Er reagiert seit 2005 zu langsam und zu zaghaft auf die Herausforderungen der Klimapolitik und speist die Fahrgäste der Odenwaldbahn mit falschen Behauptungen ab.“

Von Jutta Rippegather

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