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Überraschender Luchs-Nachwuchs in Nordhessen: Förster gelingt Foto von Jungtieren im Reinhardswald

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Neugierig: Dieses Foto der Jungtiere gelang am Montag im Reinhardswald.
Neugierig: Dieses Foto der Jungtiere gelang am Montag im Reinhardswald. © Christoph Vadersen

Eine Luchs-Mutter mit drei Jungtieren wurde im Reinhardswald gesichtet - Naturschutzexperten in Nordhessen sind überrascht.

Förster Christoph Vadersen gelang am Montag ein Foto von der Luchs-Familie. Das teilte die Pressestelle des Umweltministeriums am Donnerstag mit. Das ist der erste Nachwuchs seit 2015 in Nordhessen.

Die ersten Hinweise auf Nachwuchs hatte es bereits im Oktober gegeben, heißt es in der Mitteilung aus Wiesbaden. Damals wurden auf einem Holzstoß junge Luchse beobachtet. Petra Walter, Revierförsterin in Holzhausen und Luchsbeauftragte beim Forstamt Reinhardshagen, sammelte dort Luchshaare ein.

Beobachter dachten, Luchse verschwinden aus Nordhessen

Die schickte das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zur genetischen Analyse an das Forschungsinstitut Senckenberg in Gelnhausen. Im Dezember teilte das Institut mit, dass die Haare von einem jungen Männchen stammen, das der der Harz-Population abstammt.

Die Sichtung der Jungtiere kommt überraschend, weil Beobachter bis zum Sommer davon ausgegangen waren, dass die Luchse aus Nordhessen eher verschwinden. Die meisten Hinweise hatte es aus dem Gebiet zwischen Kaufunger Wald, Rotenburg und dem Schwalm-Eder-Kreise gegeben. Dort hatte sich vor einigen Jahren eine kleine Population gebildet. Es gab auch Nachwuchs. 

Populations-Schicksal der Luchse ungeklärt - Bestand reduzierte sich

Nachdem dort die Fuchsräude ausgebrochen war, hatte sich der Bestand von sechs auf nur noch zwei Tiere reduziert. Zwei Männchen hatten von den Beobachtern Namen bekommen: Felux und Yuki. Der war erst 2016 aus dem Harz zugewandert. Yuki war gern zwischen Spangenberg und Rotenburg unterwegs. 

Dann kehrte er Anfang 2018 in den Harz zurück. Seit Sommer 2018 gibt es keine Hinweise mehr auf ihn. Auch das Schicksal von Felux ist ungeklärt, informiert das Umweltministerium.

Zwar gab es immer wieder durchziehende Männchen. Denen fehlten aber die Weibchen. Und somit auch der Nachwuchs, sagte Luchsforscher Markus Port von der Universität Göttingen. Jungtiere brauche die nordhessische Population aber, damit sie sich erholen könne, ergänzte Port. 

Weil weibliche Luchse aber deutlich weniger wandern als die Kuder (Männchen), haben die Forscher die Zukunft der Tiere eher pessimistisch eingeschätzt. Noch im Mai 2019 hieß es, dass es gar keinen sesshaften Luchse mehr in Nordhessen gibt.

Jetzt werden Fotofallen für die Luchse aufgestellt

Um die Lage des Streifgebietes der Luchse zu ermitteln, will das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) Fotofallen aufstellen lassen. 

Die Fachleute des Luchs-Projektes Harz wollen prüfen, ob sie die Luchsin anhand ihrer individuellen Fellzeichnung wiedererkennen können. In diesem Fall könnte ihre Zuwanderung genauer eingegrenzt werden.

Der größte Teil der hessischen Nachweise stammt aus dem Fotofallen-Monitoring, dass die Göttinger Georg-August-Universität zwischen Kaufunger Wald und Rotenburg vorgenommen hat.

Leben in freier Wildbahn: 90 Luchse streifen* durch den Harz.

Von Bernd Schünemann

Video: Zum ersten Mal seit 100 Jahren - Eurasischer Luchs in den Pyrenäen geboren

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