Blick auf die Pfalz im Rhein bei Kaub. Der Pfad „Rhein-Wisper-Glück“ ist 9,3 Kilometer lang und überwindet etwa 340 Höhenmeter. 
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Blick auf die Pfalz im Rhein bei Kaub. Der Pfad „Rhein-Wisper-Glück“ ist 9,3 Kilometer lang und überwindet etwa 340 Höhenmeter. 

Rheingau

Auf neuen Wegen durch den Rheingau

Das wenig bekannte Wispertal wirbt um Wanderer - jetzt werden zahlreiche neue Touren präsentiert.

Dass es am Rhein schön ist, muss man wohl nicht erwähnen. Mit dem vor 14 Jahren eröffneten Rheinsteig ist eine bundesweite Attraktion für Wanderer entstanden, die dank atemberaubender Landschaft und hervorragender Infrastruktur bundesweit Touristen anzieht. Manchmal ist es hier an Wochenenden nun so voll, dass regelrechte Fußgängerstaus entstehen. Es gibt aber auch stille Alternativen, etwa der weit weniger bekannte Rheinburgenweg auf der anderen Flussseite.

Am 3. Oktober sollen nun eine ganze Reihe neuer Wege hinzukommen, die die fünf hessische Rheingau-Gemeinden Lorch, Heidenrod, Bad Schwalbach, Schlangenbad und Rüdesheim, ein Planungsbüro und rund hundert ehrenamtliche Helfer aus der Nachbarschaft in den vergangenen fünf Jahren konzipiert haben. Ihren modisch-englischen Namen, „Wisper Trails“, verdanken die 14 neu markierten Rundtouren und eine Streckenwanderung dem kleinen Nebenfluss des Rheins, der in Lorch mündet.

„Das Wispertal ist ein verwunschener Ort“, sagt Robert Carrera, der das Projekt von Anfang an begleitet hat, und wer schon einmal hier unterwegs war, wird ihm zustimmen. Noch vor einigen Jahrzehnten war die Gegend weitaus bekannter. In den 70er Jahren habe es hier viele Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten gegeben, sagt Carrera. Dann brachen die Touristen weg, viele Hotels gaben auf.

Die neue Lust am Wandern, die seit einigen Jahren festzustellen ist, soll nun neues Leben bringen, so die Hoffnung. Steigende Touristenzahlen könnten dabei helfen, die Infrastruktur im Rheingau-Taunus-Kreis zu verbessern. Deshalb hat die Europäische Union das Projekt „Wisper Trails“ auch finanziell unterstützt. Die Region setzt mit den neuen Tourangeboten sowohl auf Tagesausflügler wie auch Wandergruppen mit weiterer Anreise, die hier einige Tage bleiben. Vom kommenden Jahr an hätten einige Veranstalter von Wanderreisen auch das Wispertal in ihrem Programm, berichtet Carrera.

Alle Touren seien mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, sagt Carrera, der sich sicher ist, dass in der Wanderregion Wispertal viel Potenzial schlummert. Man habe beim Ausarbeiten der verschiedenen Strecken intensiv mit ortskundigen Ehrenamtlichen zusammengearbeitet, die noch alte, zugewucherte Wege und verborgene Sehenswürdigkeiten kannten. Bei der Planung habe man besonderen Wert auf eine abwechslungsreiche Wegeführung gelegt. „Wir haben lieber einige Kurven mehr in Kauf genommen als einen eintönigen Kilometer“, sagt Carrera. Burgruinen, uralte Bäume, aufgelassene Bergwerke und pittoreske Felsgruppen lassen sich so entdecken, immer wieder gibt es atemberaubende Ausblicke.

Die fertigen Routen wurden schließlich vom Deutschen Wanderinstitut in Marburg zertifiziert – mit überraschend guter Punktzahl. Ein Tour rund um Lorchhausen (siehe Infobox) erhielt von den Wanderprofis 94 „Erlebnispunkte“. Zum Vergleich: Der höchstbewertete „Premiumweg“ des Wanderinstituts, der Gommer Höhenweg, kommt auf 102 Punkte, aber der liegt auch in den Schweizer Alpen.

Wandern rund ums Wispertal

15 neue Touren durch das Wispertal und den Rheingau haben die Anrainergemeinden Heidenrod, Bad Schwalbach, Schlangenbad, Lorch und Rüdesheim unter Mitarbeit zahlreicher ehrenamtlicher Helfer ausgearbeitet, trassiert und markiert. Als „Wisper Trails“ sollen sie nun überregional bekannt gemacht werden und an die großen Erfolge von Wanderrouten wie dem Rheinsteig oder dem Saar-Hunsrück-Steig anknüpfen.

Der offizielle Startschuss ist am Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober, mit einer Sternwanderung. Zum Fest am Dorfgemeinschaftshaus in Heidenrod-Dickschied um 12 Uhr wandern zwei Gruppen dorthin. Die Gruppe „Taunus“ startet um 9 Uhr am Parkplatz am Strupsel am Wispersee. Die Strecke ist zehn Kilometer lang und soll etwa drei Stunden dauern. Die Gruppe „Rheingau“ startet um 10 Uhr auf dem Wanderparkplatz in Espenschied. Diese Strecke ist sieben Kilometer lang und dauert rund zwei Stunden. Für die Heimfahrt zum jeweiligen Startpunkt stehen kostenfreie Busse um 14.30 und 16 Uhr zur Verfügung. Hunde können angeleint mitgenommen werden.

Kartenmaterial und Tourbeschreibungen gibt es bereits im Internet, zum 3. Oktober sollen auch die noch fehlenden Markierungen angebracht, die letzten von rund 100 Sitzbänken aufgestellt und die noch fehlenden Wegbeschreibungen fertiggestellt sein. Eine zentrale kostenlose Telefonnummer (0800 / 947 737 7) wird dann freigeschaltet. Darüber sollen Besucher dann auch Wanderkarten und Wegbeschreibungen bestellen und sich über Übernachtungsmöglichkeiten informieren können.

Eine herausragende Rundtour, vom Deutschen Wanderinstitut in Marburg besonders gelobt, beginnt in Lorchhausen. Der Pfad „Rhein-Wisper-Glück“ ist 9,3 Kilometer lang und überwindet etwa 340 Höhenmeter. Er führt durch Weinberge über die Clemenskapelle zur Ruine Nollig und ins Retzbachtal und ist mit einem stilisierten „W“ (für Wispertal) markiert.

Ein 44 Kilometer langer neu markierter Weitwanderweg bietet sich für eine Mehrtagestour an. Er führt durch das gesamte Wispertal von der Quelle bei Heidenrod-Kemel bis zur Mündung in den Rhein bei Lorch.

Eine ausführliche Beschreibung sowie Karten finden sich für die meisten Touren bereits unter www.wisper-trails.de.

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