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Mehr Ausbrüche aus dem Maßregelvollzug in Hessen

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Justiz
Ein Justizbeamter steht in einem Gerichtssaal. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Der Belegungsdruck im hessischen Maßregelvollzug ist hoch, auch deshalb streben die Kliniken, soweit vertretbar, eine frühere Wiedereingliederung für Patienten an. Nicht immer funktioniert das.

Kassel - In Hessen sind im vergangenen Jahr deutlich mehr Menschen aus dem Maßregelvollzug entwichen oder ausgebrochen, als im Vorjahr. Die sechs Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie im Bundesland, in denen 2021 im Schnitt insgesamt 853 solcher Patientinnen und Patienten untergebracht waren, zählten insgesamt 27 Fälle, in denen Menschen entwichen, wie Vitos am Donnerstag in Kassel mitteilte. Sechs Personen hätten bauliche, technische oder personelle Hindernisse überwunden, um aus dem Maßregelvollzug zu entkommen, was als Ausbruch gewertet wird. Verglichen mit dem Vorjahr waren das den Angaben zufolge elf Entweichungen und sechs Ausbrüche mehr als im Vorjahr.

Die Entweichungen gliedern sich auf in 14 Fälle, in denen sich Patientinnen und Patienten während sogenannter Dauerbelastungserprobungen zur Vorbereitung auf die Entlassung unerlaubt entfernten, neun Personen während eines unbegleiteten sowie vier während eines begleiteten Ausgangs.

Von den entwichenen oder ausgebrochenen Patienten kehrten 12 den Angaben zufolge freiwillig zurück, 16 seien von der Polizei und 3 von Mitarbeitenden zurückgebracht worden. 9 Patienten waren bereits am gleichen, 9 weitere am nächsten Tag und 13 nach mehr als einem Tag wieder zurück. Zwei Patienten seien aktuell noch flüchtig. In den sechs Kliniken für forensische Psychiatrie standen im vergangenen Jahr insgesamt 895 Behandlungsplätze zur Behandlung von Maßregelvollzugspatienten zur Verfügung. Die Behandlungskapazitäten seien somit zu rund 95 Prozent ausgelastet gewesen.

An jeder der Kliniken gebe es eine Arbeitsgemeinschaft, die sich regelmäßig mit Fragen der Sicherheit im Rahmen des Vollzuges befasse und solche Fälle aufbereite, erklärte Reinhard Belling, Konzerngeschäftsführer von Vitos. Die gewonnenen Erkenntnisse flössen in die Abstimmungen zu künftigen Lockerungen ein. Auch alle anderen besonderen Vorkommnisse nehme man sehr ernst. „Wir lockern in einzelnen Fällen Patienten zurzeit früher zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Aber wir lockern weiterhin erst dann, wenn das Behandlungsteam das anhand der medizinischen Standards verantworten kann“, fügte Birgit von Hecker, Ärztliche Direktorin der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Bad Emstal, hinzu. „Das ist eine von vielen Maßnahmen, um dem zunehmenden Belegungsdruck und den zusätzlichen Belastungen durch Corona-Hygienemaßnahmen zu begegnen, mit denen alle Kliniken für forensische Psychiatrie konfrontiert werden.“ dpa

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