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Prognose

Erhöhte Waldbrandgefahr in ganz Hessen - „Der Klimawandel ist angekommen“

  • Hanning Voigts
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Das Wetter bleibt vorerst warm und trocken. In ganz Hessen besteht in den kommenden Tagen erhöhte Waldbrandgefahr, Förster sind in Sorge.

Ganz Hessen ist orange, weite Teile von Süd- und Nordhessen sind sogar tiefrot. Auf der Landkarte vom Deutschen Wetterdienst, auf der man sich den sogenannten Waldbrandgefahrenindex anzeigen lassen kann, steht orange für die dritte und rot für die vierte von insgesamt fünf Gefahrenstufen. Orange bleibt Hessen auch in den kommenden Tagen, Südhessen und das Rhein-Main-Gebiet sind konstant rot eingefärbt. Das bedeutet: Auch wenn die starke Hitze der letzten Tage erst einmal vorbei ist, ist das Wetter weiterhin warm und trocken. Regen ist kaum in Sicht, die Gefahr von Waldbränden bleibt hoch.

„Wir haben eine deutlich erhöhte Waldbrandgefahr“, sagt auch Jörg van der Heide, Abteilungsleiter Forstbetrieb bei der Landesbehörde Hessen-Forst. „Regen wäre echt wichtig, um die Gefahr ein Stück weit zu reduzieren.“ Dass die hessischen Wälder derzeit so gefährdet seien, liege aber nicht nur am warmen und trockenen Wetter, sondern auch daran, dass viele Bäume noch vom Rekordsommer 2018 geschwächt seien und vielerorts mit Krankheiten und Käfern kämpften.

Zudem seien im Sommer und gerade in den Ferien mehr Spaziergänger und Ausflügler im Wald unterwegs, so van der Heide. Weggeworfene Zigarettenkippen, Glasflaschen oder illegale Feuer seien „potenzielle Gefahrenherde“. Hessen-Forst appelliere daher dringend an alle Waldbesucher, das generelle Rauchverbot einzuhalten und besonders vorsichtig zu sein.

Kiefern und Buchen vertrocknen in hessischen Wäldern

Insgesamt habe es in Hessen in diesem Jahr schon 40 kleinere Waldbrände gegeben, so van der Heide. Die meisten seien zum Glück früh bemerkt und gelöscht worden und hätten keinen größeren Schaden anrichten können. Nur rund zehn Hektar Wald, also 100.000 Quadratmeter, seien von den 40 Bränden betroffen gewesen. Man hoffe, dass auch die nächsten Feuer schnell bemerkt würden. Grundsätzlich seien Hessens Förster derzeit sehr in Sorge wegen der wärmeren und trockeneren Sommer. „Der Klimawandel ist angekommen“, sagte van der Heide. „Wir machen uns Sorgen um das Ökosystem Wald.“

In vielen hessischen Wäldern vertrockneten aktuell vor allem die Kiefern und Buchen. Man werde in Zukunft noch genauer überlegen müssen, wie man den Wald an die sich verändernden Bedingungen anpassen könne, etwa durch das Anpflanzen von Baumarten, die besser mit Trockenheit und Hitze umgehen könnten.

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In Frankfurt ist die Lage kaum anders. Auch Stephan Heldmann, Leiter des städtischen Grünflächenamts, macht sich Sorgen um die Straßenbäume und den Stadtwald. „Tatsächlich sind wir schon sehr stark beeinflusst von der Klimaveränderung“, sagt Heldmann.

Grillverbot wird eingehalten

Nach der langen Trockenheit im Jahr 2018, die den Bäumen stark zu schaffen gemacht habe, erlebe man erneut Rekordtemperaturen. „Das ist schon bedenklich, was sich da entwickelt“, so Heldmann. So habe man in diesem Jahr 10 000 Festmeter allein an Kiefern fällen müssen, weil die Bäume schlicht abgestorben waren. Normalerweise fälle man pro Jahr nur rund 20.000 Festmeter, und die von allen Baumarten.

Aber auch die Waldbrandgefahr treibt Heldmann um. Der kleinere Brand im Stadtwald am vergangenen Samstag sei bereits der dritte in Frankfurt in diesem Jahr gewesen, im gesamten vergangenen Jahr habe es acht Feuer gegeben, so Heldmann. Das sei ein deutlicher Hinweis darauf, „dass die Waldbrandgefahr sehr, sehr ernstzunehmen ist“. Auch Heldmann bittet daher alle Besucher des Stadtwaldes, das Rauchverbot einzuhalten. Und auch er sehnt bei der momentanen Sommerhitze Regen herbei: „Für mich ist das aktuell kein gutes Wetter, für mich ist das schlechtes Wetter.“

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Das seit vergangenem Donnerstag geltende generelle Grillverbot auf allen 16 Grillplätzen in der Stadt wird unterdessen offenbar eingehalten. Einige Bürger hätten entsprechende Hinweisschilder am Wochenende zwar übersehen oder ignoriert, sagte Heldmann. „Es waren aber sehr wenige.“ Bisher habe man keine Bußgelder verhängt, man setze eher auf Einsicht. Die extreme Hitze des Wochenendes sei in Bezug auf die Gefahr durch Grillfeuer sogar eher von Vorteil gewesen, weil das Grillen bei hohen Temperaturen von fast 40 Grad selbst für echte Fans nicht mehr angenehm sei.

Von Hanning Voigts

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