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Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot vor Ort.

Rechtsrock-Konzert

Neonazis feiern Kriegsbeginn vor 80 Jahren - Polizei nennt Details nach Treffen in Hungen

Neonazis feiern in Mittelhessen den Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen. Die Aktivitäten auf einem Privatgrundstück waren Nachbarn aufgefallen.

Update, 2. September, 14.11 Uhr: Nun hat die Polizei weitere Hintergründe zu dem Rechtsrock-Konzert in Hungen-Villingen veröffentlicht. Demnach waren am Samstag Hinweise eingegangen, dass Rechtsextremisten in einer Gaststätte in Wölfersheim eine Musikveranstaltung durchführen würden. Die Beamten kontaktierten, nachdem erste Ermittlungen den Fall bestätigt hatten, den Gastronom. Der kündigte daraufhin den Mietvertrag mit den Veranstaltern. 

Als bekannt wurde, dass das Rechtsrock-Konzert in der Wetterauer Gaststätte nicht stattfinden konnte, fuhren die Besucher wieder davon und versammelten sich auf einem Gartengrundstück in Hungen-Villingen. 

Rechtsrock-Konzert zieht von Wölfersheim nach Hungen-Villingen 

42 Besucher, die das private Grundstück gegen 20 Uhr betreten wollten, wurden durch die Polizei zuvor kontrolliert und überprüft. Abgesagt wurde die Musikveranstaltung jedoch nicht. Gegen 22 Uhr war dann nach Angaben der Polizei wieder Schluss. 

Fazit der Beamten: Straftatbestände, beispielsweise durch die wiedergegebene Musik oder verfassungswidrige Symbole oder Parolen, wurden bislang nicht festgestellt. Bei den Kontrollen, die nach dem Treffen stattfanden, wurden zwei Verfahren wegen Verkehrsdelikte gegen Besucher eingeleitet.

Erstmeldung, 31. August, 23.05 Uhr: Am Samstagabend sollte auf einem Privatgrundstück in Hungen-Villingen ein Rechtsrock-Konzert stattfinden. Nach Angaben von Anwohnern und Mitgliedern der Antifaschistischen Bildungsinitiative Friedberg hatten sich in einem Kleingartengelände eine unübersichtliche Zahl Neonazis aus Hessen und benachbarten Bundesländern versammelt.

"Am Abend liefen Gruppen glatzköpfiger und schwarz gekleideter Männer durchs Dorf", berichtete eine Anwohnerin. In der Nähe des Veranstaltungsorts parkten auch Autos mit Kennzeichen aus Nordrhein-Westfalen. Die Bereitschaftspolizei war mit einem größeren Aufgebot vor Ort und hatte den Veranstaltungsort abgeriegelt.

Die Rechtsextremisten wollten offensichtlich den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren feiern. Am frühen Morgen des 1. September 1939 waren Truppen des nationalsozialistischen Deutschlands in Polen einmarschiert.

Rechtsextremisten in Hungen: 51 Personen überprüft

Die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa BI) aus Friedberg hatte seit Tagen die Information, dass die bundesweit bekannte Hooligan-Band Kategorie C in Hessen aus Anlass des Kriegsbeginns vor 80 Jahren ein Konzert geben wird, der Ort war aber unklar. Am frühen Samstagabend gab die Band aus Bremen in ihrem Telgram-Account dann bekannt, dass ihr "Balladenabend" im Hungener Stadtteil Villingen stattfinden wird.

Die Polizei war nach Angaben eines Sprechers über die Konzertveranstaltung informiert. Der Auftritt der Band sollte zunächst in einer Gaststätte in Wölfersheim stattfinden. Laut Polizei hatten die Veranstalter den Wirt über den wahren Hintergrund der Veranstaltung aber im Unklaren gelassen, woraufhin der den Mietvertrag auflöste. Daraufhin seien die Besucher nach Villingen ausgewichen. Laut Polizei habe das Konzert von Kategorie C dann aber nicht stattgefunden.

Nicht zum ersten Mal Rechtsrock-Konzert in Hungen-Villingen

Dieser Darstellung widerspricht Andreas Balser, Sprecher der BI aus Friedberg, der bis gegen 22 Uhr vor Ort war. "Wir haben gehört, dass die Band gespielt hat", sagte Balser. Ihm gegenüber habe die Polizei erklärt einzugreifen, sollte die Band indizierte Stücke spielen. Balser: "So lange ich da war, war das nicht der Fall." Laut Polizei waren bei Kontrollen die Personalien von 51 Besuchern überprüft worden. Zu strafbaren Handlungen sei es nicht gekommen.

Nach Informationen von BI-Sprecher Balser war auch ein Auftritt des rechtsextremen Liedermachers Philipp Tschentscher, der unter dem Pseudonym "Reichstrunkenbold" bekannt ist, geplant. Der habe aber nicht stattgefunden.

Der Hungener Stadtteil Villingen war bereits vor fünf Jahren Schauplatz eines Rechtsrock-Konzerts.

Während die Nazis sich in Mittelhessen versammeln fordert Manuela Schwesig (SPD) Politik im Sinne der Ostdeutschen bei Anne Will. Dynamo Dresden sorgt mal wieder abseits des Fußballs für Aufregung. Dieses Mal stehen neben den eigenen Fans zwei Ordner im Blickpunkt, die verfassungswidrige Symbole zur Schau gestellt haben. 

mö/red

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