Polizist soll Freundin erschossen haben – „Nur noch die Fenster geschlossen, damit die Kinder nichts mitbekommen“
Eine Frau stirbt in Weilrod im Hochtaunuskreis nach einem Schuss an ihren Verletzungen. Der mutmaßliche Täter ist ein Polizist. Immer mehr Details werden bekannt.
Update vom Freitag, 17. Mai, 11.03 Uhr: Nachdem am Donnerstag ein Bundespolizist in Weilrod-Mauloff (Hochtaunuskreis) seine Freundin getötet haben soll, sind am Freitagvormittag weitere Informationen zu dem Fall bekannt: Gegen den 23 Jahre alten Tatverdächtigen wurde Haftbefehl erlassen – der Bundespolizist sitzt in Untersuchungshaft.
Der genaue Ablauf der Tat müsse noch ermittelt werden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Freitag gegenüber der Deutschen Presseagentur. Es werde davon ausgegangen, dass die Tat mit der Dienstwaffe des 23-Jährigen ausgeführt wurde. Der Deutsche soll seine gleichaltrige Freundin am Mittwochabend in Weilrod-Mauloff erschossen haben. Zeugen hatten einen Schuss gehört und den Notruf alarmiert. Als die Rettungs- und Einsatzkräfte eintrafen, war die Frau bereits tot. Ermittelt wird wegen des Verdachts des Totschlags.
+++ 17.13 Uhr: Ein 23 Jahre alter Polizist wird verdächtigt, seine gleichaltrige Freundin erschossen zu haben. Der Bundespolizist war noch am Tatort in Weilrod-Mauloff festgenommen worden. „Als die ganzen Polizeiautos und Rettungswagen kamen, habe ich nur noch die Fenster geschlossen, damit die Kinder nichts mitbekommen“, sagt eine Anwohnerin. Das einzige was sie wisse, sei, dass es wohl lauten Streit zwischen dem Paar gegeben haben soll, den Schuss selbst habe sie nicht gehört.
Bürgermeister Götz Esser (FWG) zeigte sich schockiert über den schrecklichen Vorfall. Er hatte aus den Medien davon erfahren, wurde am Morgen nach der Bluttat aber von der Polizei darüber informiert, dass eine Gefährdung der Mauloffer Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt vorgelegen hat.
In Mauloff wunderte man sich noch über das Großaufgebot an Polizei, SEK und Rettungsdiensten. „In solchen Fällen, wenn Schusswaffengebrauch in einer Wohnung gemeldet wird, rückt die Polizei immer mit einem großen Aufgebot aus, weil zum Zeitpunkt der Meldung noch nicht bekannt ist, um welche Lage es sich handelt“, sagte Dominik Mies, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, auf Nachfrage.
Weilrod: Bundespolizist erschießt mutmaßlich seine Freundin (23)
+++ Update von 14.06 Uhr: Nach dem tödlichen Schuss im Weilroder Ortsteil Mauloff ist am Donnerstagmittag wieder Ruhe eingekehrt. Nichts deutete mehr auf die dramatischen Vorfälle des Vorabends hin. Gut ein Dutzend Einsatzfahrzeuge der Polizei waren im Seelenberger Weg aufgefahren, Beamte riegelten die umliegenden Straßen ab, Menschen, die auf die Straße gelaufen waren, wurden aufgefordert, in ihre Häuser zurückzukehren.
Ortsvorsteher Peter Pehr (FWG), der nicht einmal einen Steinwurf vom Tathaus entfernt wohnt, sagt: „Es hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen, dass in dem Haus ein Schuss gefallen ist. Die Nachbarn liefen sofort auf die Straße, wurden von den Polizeikräften, die plötzlich von allen Seiten kamen, aber wieder zurückgedrängt.“ Pehr selbst hat nichts gehört, weder den Schuss, noch die „Schreierei“, von der ihm später Nachbarn berichteten.
Mutmaßlicher Täter soll mit Waffe auf dem Hof gestanden haben
Ein Mann soll laut um Hilfe gerufen haben, wohl aber nicht, weil er angegriffen wurde, sondern weil er möglicherweise Unterstützung herbeirufen wollte, um die schwer verletzte Frau zu retten. „Genau wissen wir das natürlich nicht“, sagte Pehr, der weiter berichtete, dass das SEK das Grundstück mit mindestens zehn schwer bewaffneten Kräften stürmte. Der mutmaßliche Täter soll zu diesem Zeitpunkt bereits im Hof gestanden haben, offenbar mit der Pistole in der Hand. „Die Waffe weg“, sollen die SEK-Beamten gebrüllt haben, bevor sie den Kollegen dann festgenommen haben.

+++ 13.52 Uhr: Auch Stunden nach dem Bekanntwerden der schrecklichen Tat in Weilrod gibt es noch keine Äußerungen aus der Spitze der hessischen Politik. Auf den Social-Media-Profilen von Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) geht es am Donnerstagvormittag um das Jahrestreffen der hessischen Unternehmervereinigung, gleiches gilt für den Auftritt der Staatskanzlei Hessen.
Weilroder Bürgermeister: „Ich bin geschockt“
Gegenüber der FAZ äußerte sich der Bürgermeister der Gemeinde: „Ich bin geschockt“, sagte Götz Esser von der Freien Wähler Gemeinschaft Weilrod, stellvertretend für alle Menschen in Weilrod und Umgebung.
Update vom Donnerstag, 16. Mai, 12.18 Uhr: Ein Bundespolizist erschießt mit seiner Dienstwaffe seine Freundin. Zwar ist die traurige Gewissheit derzeit noch Gegenstand der Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kriminalbeamt:innen, doch alle Indizien deuten in dem beschaulichen Taunus-Ort Weilrod, rund 50 Autominuten von Frankfurt entfernt, auf einen brutalen Mord hin.
Auch wenn noch nichts über den Bundespolizisten und seine Zugehörigkeit innerhalb des Polizeiapparats bekannt ist, reiht sich der schreckliche Vorfall in eine nicht enden wollende Liste an Skandalen und Verfehlungen ein. Im Frankfurter Polizeipräsidium verschwanden einst im großen Stil Waffen, wenig später wurde das SEK Frankfurt wegen rechtsextremer Chats aufgelöst. Die Rolle der Polizei bei der Aufarbeitung des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau 2020 ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt, viele Fragen der Hinterbliebenen blieben trotz eingestellter Verfahren unbeantwortet. Auch nach dem Mord in Weilrod stellen sich viele Fragen. Nicht nur die Menschen in dem 6700-Einwohner-Ort hoffen auf Antworten.
Bundespolizist lässt sich widerstandslos festnehmen
Erstmeldung vom Donnerstag, 16. Mai, 10.56 Uhr: Schreckliche Nachricht aus Weilrod im hessischen Hochtaunuskreis: Eine Frau ist am Mittwochabend, 15. Mai, durch einen Schuss tödlich verletzt worden. Ersten Angaben der Polizei zufolge soll ein Mitglied der Bundespolizei noch am Tatort festgenommen worden sein.

Anwohner wählen wegen Schussgeräuschen den Notruf – für die Frau kommt jede Hilfe zu spät
Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt und die Polizei Frankfurt am Donnerstagvormittag gemeinsam mitteilten, sollen am Mittwoch gegen 20.25 Uhr mehrere Notrufe über ein Schussgeräusch im Seelenberger Weg im Ortsteil Mauloff eingegangen sein. Als die Rettungs- und Einsatzkräfte vor Ort eintrafen, konnten sie nur noch den Tod der jungen Frau feststellen.
Ihr Lebensgefährte, ein 23-jähriger Angehöriger der Bundespolizei, ließ sich am Tatort laut Angaben der Ermittler widerstandslos festnehmen. „Die Dienstwaffe des Tatverdächtigen, bei der es sich ersten Ermittlungen zufolge um die Tatwaffe handelt, wurde sichergestellt. Die genauen Umstände der Tat bedürfen derzeit noch weiterer Ermittlungen“, heißt es weiter.
Gegen den 23-jährigen Tatverdächtigen wird nun wegen des Verdachts des Totschlags ermittelt. Noch am Donnerstag wird die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main den mutmaßlichen Täter dem Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Frankfurt am Main vorführen. (Erik Scharf/Alexander Schneider)
Erst im Januar 2024 wurde eine Aldi-Kassiererin von ihrem Ex-Partner im Supermarkt erschossen.
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