Rhein-Main

Farbenfroh durchs Gebirge

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Ausrüster von Outdoor-Bekleidung reagieren auf die Nachfrage.

Farbenfroh hängt die Bekleidung an den Wänden des Outdoor-Shops. Den Herren wird Limone und ein leuchtendes Blau angeboten, den Frauen eine Kombination aus Orange-Blau oder Pink. Die Hersteller von Wanderbekleidung gehen mit der Zeit, weiß Nadiye Saygaz zu berichten. „Auch die Passform und der modische Schnitt haben sich geändert“, sagt die Mitarbeiterin des „Schöffel-Lowa Store“ in der Frankfurter Schillerstraße. Saygaz ist schon seit über 25 Jahren in der Beratung für Sportbekleidung tätig und weiß, dass die Kundschaft auch jünger geworden ist. Viele kämen in den Laden, weil sie gescheite Schuhe für ihren „Work-and-Travel-Trip“ brauchen. Wandern galt viele Jahrzehnte als altbacken. Doch es ist alles nur eine Frage, wie die Aktivität verkauft wird. „Ich möchte Trekkingschuhe, keine Wanderschuhe“, bekommt Saygaz ab und an zu hören und muss dann schmunzeln.

Da Farben und Schnitte modischer sind als früher, empfinden die Kunden viele Kleidungsstücke als alltagstauglich. „Das ist auch der Anspruch der Kunden, niemand möchte 600 Euro für eine Jacke ausgeben und sie dann nur zwei Mal im Jahr tragen“, so Saygaz, die schon in den 90er Jahren im ersten Outdoor-Laden Berlins gearbeitet hat.

An Outdoor-Läden gibt es in der Frankfurter Innenstadt derzeit keinen Mangel. Das Geschäft boomt. Bei Sport-Scheck in der Schäfergasse ist deutlich mehr los als in den vergangenen Jahren. „Die Kunden setzen weniger auf das Internet und wollen eine Beratung haben, wir merken das an der Anzahl der Kunden im Laden“, sagt ein Mitarbeiter.

Nur eine Parallelstraße weiter in der „Alpin Basis“ in der Großen Friedberger Straße wird das Internet ohnehin kaum als Konkurrenz gesehen. Der Outdoor-Laden hat sich auf Wanderschuhe spezialisiert, vor allem für den alpinen Bereich. Wer hier Schuhe kauft, muss zwischen 240 und 400 Euro anlegen. So teure Produkte werden kaum im Internet bestellt. „Da muss man mal sechs oder sieben verschiedene Modelle anprobieren und ein paar Meter gelaufen sein“, sagt Mitarbeiter Dieter Schätzl. Alpin Basis versuche auf Nachhaltigkeit zu setzen. „Unsere Schuhe sind wiederbesohlbar und halten 10 bis 15 Jahre“, versichert Schätzl. Die Nachfrage insgesamt habe angezogen, etwa 1800 Paar Wanderschuhe pro Jahr verkauft der Alpin-Spezialist.

Auch der Frankfurter Platzhirsch Globetrotter im Ostend registriert eine verstärkte Nachfrage. Auf fünf Etagen und mehr als 4000 Quadratmetern können die Kunden wählen. Beratungsbedarf haben die Kunden vor allen Dingen bei Schuhen und Rucksäcken ab einem Volumen von 25 Litern. Zuwächse gebe es nicht nur beim Trekking und Hiking, sondern auch beim „Bikepacking oder Fernreisebedarf“, sagt Unternehmenssprecherin Miriam Blume.

Globetrotter kommuniziert auch über die Sozialen Medien. Auf Kanälen wie Instagram wachse die Zahl der jungen Follower, von denen auch einige Kunden sind oder noch werden. „Die jungen Leute fühlen sich gerade durch Landschaftsbilder sehr inspiriert und möchten Ähnliches erleben“, sagt Unternehmenssprecherin Blume. Für farbenfrohe Landschaften gibt es mittlerweile auch die passende Bekleidung.

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