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Die Frankfurter Zeil am 18. März 2020. Inzwischen füllen sich die Innenstädte in Hessen wieder.

Daten-Auswertung

Wie Corona unsere Mobilität verändert

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Mobilitätsdaten zeigen, wie sehr das Coronavirus Sars-CoV-2 die Bewegungsprofile der Hessen beeinflusst hat – und wie die Lockerungen sich auswirken.

  • Die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus Sars-CoV-2 haben den Alltag der Hessen verändert
  • Standortdaten machen das veränderte Verhalten sichtbar
  • Wir haben Mobilitätsdaten für Hessen und Passantenströme in hessischen Innenstädten ausgewertet

Geschäfte, Schulen, Kultureinrichtungen geschlossen, der Bahn-Fahrplan ausgedünnt, Millionen Arbeitnehmer im Homeoffice: Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 haben in den vergangenen Wochen deutliche Spuren hinterlassen – in den Gemütern vieler Menschen, aber auch in Daten, die unsere  Mobilität aufzeichnen. Die Auswertungen zeigen, wie sehr der Shutdown das Verhalten der Hessinnen und Hessen verändert hat – und auch, wie die Menschen seit einigen Tagen langsam, aber stetig wieder Orte bevölkern, die in den vergangenen Wochen vergleichsweise ausgestorben wirkten.

Corona-Virus: Drang ins Grüne während der Debatte um Ausgangssperre

Am 15. März, einem Sonntag, herrschten eher frische Außentemperaturen. Trotzdem strömten die Hessen an diesem Tag in Scharen in öffentliche Parks. Zwei Tage zuvor hatte Ministerpräsident Volker Bouffier verkündet, dass aufgrund der wachsenden Zahl an Sars-CoV-2-Infektionsfällen die Schulen in Hessen am 16. März schließen. 

Zugleich werden in diesen Tagen in der Öffentlichkeit mögliche weitere Einschränkungen der Bewegungsfreiheit diskutiert: In den Google-Suchtrends schießen Anfragen nach Begriffen wie „Ausgangssperren“ oder „Ausgangsbeschränkungen“ in die Höhe. Hatten viele Menschen in Hessen in dieser Gemengelage das Bedürfnis, noch einmal ausführlich an die frische Luft zu kommen? Es scheint so: Nach Daten des Internetkonzerns Google lag der Anteil der Menschen, die sich an diesem Sonntag in einem Park aufhielten, um 127 Prozent über dem Durchschnittswert.

Corona-Pandemie: Google veröffentlicht Mobilitätsdaten

Google macht einige der Daten, die der Konzern von seinen Nutzern sammelt, als „Covid-19 Community Mobility Reports“ öffentlich zugänglich. Nach eigenem Bekunden möchte das Unternehmen damit einen Beitrag leisten, um die Entscheidungsträger während der Corona-Pandemie zu unterstützen. Sie basieren auf laut Google anonymisierten Bewegungsdaten von Smartphone-Besitzern, die den Zugriff auf ihren Standort aktiviert haben, und umfassen mehr als 130 Staaten und Regionen.

In der Auswertung für Hessen ist der Zeitpunkt der Schließungen von Läden, Restaurants, Cafés und Kneipen sowie Einrichtungen wie Museen, Bibliotheken oder Kinos deutlich abzulesen. Deutschlandweit sinkt der Aufenthalt an solchen Orten um 55 Prozent, in Hessen sind es, lässt man die Ostertage unberücksichtigt, bis zu 50 Prozent. 

Corona-Sorge: Hessens Büroarbeitsplätze leeren sich

Mitte März beginnt auch der Rückzug von den Präsenzarbeitsplätzen (in Hessen bis minus 50 Prozent), analog dazu sinkt die Zahl derer, die in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, um bis zu 60 Prozent, und die Menschen halten sich verstärkt in den eigenen vier Wänden auf.

Zwar bleiben Supermärkte, Apotheken und andere Geschäfte, die der Grundversorgung dienen, geöffnet. Trotzdem gehen die Hessinnen und Hessen in deutlich geringerer Zahl dorthin - ein mögliches Indiz für die steigende Bereitschaft, für Angehörige oder Nachbarn mit einzukaufen. Lediglich im Zusammenhang mit den Ostereinkäufen steigt die Kurve kurzzeitig überdurchschnittlich an.

Corona-Maßnahmen: So wirken sie sich in Hessens Innenstädten aus

Die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen zeigt sich auch in Hessens Fußgängerzonen. Beispiel Frankfurter Zeil: Im Jahresdurchschnitt flanieren an einem Samstag bis zu rund 10.000 Menschen pro Stunde durch die meistfrequentierte Shoppingmeile Deutschlands. Am 21. März, dem ersten Samstag nach dem von der hessischen Landesregierung verordneten Shutdown, wirkte die Frankfurter Fußgängerzone Vergleich dazu nahezu verwaist: Nicht mehr als 1174 Passanten pro Stunde wurden gezählt. Am 11. April waren es in der Spitze rund 1600 pro Stunde, am 25. April bereits wieder bis zu knapp 4000 pro Stunde.

Insgesamt zählte der Dienstleister Hystreet, der Passantenströme mit Hilfe von Laserscannern misst, am 25. April, also am Samstag nach den ersten Lockerungen, rund 34.000 Menschen auf der Zeil, mehr als drei Mal soviel wie am 21. März.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in den Fußgängerzonen von Wiesbaden, Limburg, Gießen und Darmstadt.

Allen gemeinsam ist auch: In Hessens Innenstädte tut sich wieder was. Seit dem 20. April, als die ersten Geschäfte wieder öffnen durften, steigt das Passantenaufkommen überall sichtbar an. 

Maskenpflicht in Hessen

Ab 27. April gilt auch in Hessen eine Maskenpflicht. Eine Mund-Nasen-Bedeckung ist in Geschäften und im Nahverkehr zu tragen.

Über alles Wichtige zur Entwicklung der Corona-Pandemie in Hessen mit aktuellen Fallzahlen und Entscheidungen hält Sie unser Corona-Hessen-Ticker auf dem Laufenden.

Von Monika Gemmer

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