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Karl Lauterbach
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SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. (Archivfoto)

Pandemie

Karl Lauterbachs „Tragödien“-Prognose: „Viele Kinder verlieren ihre Eltern“ durch Corona – Das steckt dahinter

  • Isabel Wetzel
    vonIsabel Wetzel
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Seit der zunehmenden Verbreitung der Corona-Varianten heißt es, die Patienten auf Covid-Intensivstationen würden immer jünger. Doch belastbare Zahlen gibt es dazu bisher keine.

Berlin/Wiesbaden ‒ Ein halbes Jahr nach ihrer Ausbreitung in Großbritannien macht die Corona-Virusvariante B.1.1.7 aktuell etwa 90 Prozent der Corona*-Fälle in Deutschland aus. Das zeigen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI). Ursache dafür ist, dass sich die Variante „noch leichter von Mensch zu Mensch überträgt“ als der ursprüngliche Erreger – und dadurch sind auch deutlich mehr jüngere Menschen betroffen. Zusätzlich steigt die Zahl der Corona-Intensivpatienten in der dritten Welle wieder merklich an. Bereits Anfang des Monats wurden die Intensivkapazitäten in Frankfurt und anderen hessischen Kliniken knapp*. Ob dabei allerdings auch das Durchschnittsalter der Patienten auf den Intensivstationen sinkt, ist unbekannt.

Denn die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben keine Kenntnis über das Durchschnittsalter der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der FDP mit. Demnach müssen die Krankenhäuser zwar täglich ihre Behandlungskapazitäten sowie etwa die Zahl der entlassenen Patientinnen und Patienten übermitteln, „Daten über das (Durchschnitts-)Alter von Covid-19-Patientinnen und Patienten mit intensivmedizinischem Behandlungsbedarf“ fallen aber nicht darunter.

Karl Lauterbach zu Corona-Intensivpatienten: „Viele Kinder verlieren ihre Eltern“

Die Antwort auf eine Anfrage der FDP-Politikerin Judith Skudelny lag der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag (29.04.2021) vor. Darin heißt es weiter, dass folglich auch keine Angaben darüber vorliegen, wie alt im Durchschnitt die Patientinnen und Patienten waren, die auf den Intensivstationen an den Folgen einer Corona-Infektion starben. Das Alter sei in der Statistik bislang nicht „als erforderlich angesehen“ worden, heißt es in der Antwort weiter.

Seit der zunehmenden Verbreitung der Corona-Mutanten heißt es, die Patienten auf Covid-Intensivstationen würden immer jünger werden. (Symbolfoto)

Skudelny nahm eine Äußerung des SPD-Gesundheitspolitikers Karl Lauterbach zum Anlass der Anfrage. Dieser hatte kürzlich in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“* gesagt, diejenigen, die jetzt auf den Intensivstationen behandelt werden, seien „im Durchschnitt 47 bis 48 Jahre alt“. „Die Hälfte von denen stirbt. Viele Kinder verlieren ihre Eltern.“ Das sei „eine Tragödie“, sagte Lauterbach weiter.

Im Infektionszimmer für Covid-19-Patienten hält die Mitarbeiterin einer Intensivstation die Hand eines Patienten.

Skudelny kritisierte den SPD-Politiker dafür scharf und warf ihm vor, mit „falschen Fakten“ Angst zu verbreiten. Da das Alter aber gar nicht erfasst werde, entbehre diese Darstellung jeder Grundlage, sagte sie AFP. Die FDP-Bundestagsabgeordnete kritisierte zudem grundsätzlich, dass die Regierung „in Zeiten, in denen Politik und Ethikkommission über eine Impfpriorisierung diskutieren“, die Erhebung von simplen Zahlen mit hoher Bedeutung vernachlässige. Dazu gehöre auch das Alter der Corona-Intensivpatienten. „Das ist hanebüchen und wird dem erforderlichen Weitblick zur Pandemiebekämpfung nicht gerecht.“

Covid-Intensivstationen: Alter der Corona-Patienten soll künftig erfasst werden

In ihrer Antwort schreibt die Regierung indes, dass die Altersangaben der Patientinnen und Patienten mit intensivmedizinischem Versorgungsbedarf „in Kürze“ erhoben werden sollen, da das Alter nunmehr als relevant für die Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung in Krankenhäusern angesehen werde. Dazu soll die sogenannte DIVI Intensivregister-Verordnung angepasst werden, die die Übermittlung der Daten regelt. Skudelny sagte dazu, das Alter sei ein „absolut wichtiger Indikator“. Dieser werde nun „leider“ viel zu spät erhoben.

Corona in Hessen: Wie alt sind die Patienten auf hessischen Intensivstationen?

Auch in Hessen gibt es bisher keine Statistik oder belastbare Zahlen, wie alt die Patienten und Patientinnen auf den Covid-Intensivstationen tatsächlich sind. Der Hessische Rundfunk hat im Rahmen einer Recherche bei den großen hessischen Kliniken in Frankfurt*, Wiesbaden, Gießen, Fulda und Kassel nachgefragt. Diese fünf Krankenhäuser versorgen in Hessen die meisten Intensivpatienten. Die HR-Recherche hat ergeben, dass die Covid-Intensivpatienten tatsächlich deutlich jünger sind, als noch in den ersten beiden Corona-Wellen. Eine konkrete Zahl nannte hier allerdings nur das Klinikum Kassel. Hier waren die Patienten Mitte April zwischen 59 und 71 Jahre alt.

Eine Nachfrage der „Gießener Allgemeine“ beim Uniklinikum Gießen* hat ähnliche Zahlen ergeben. „Der Großteil der jetzigen Patienten ist zwischen 50 und 70 Jahre alt. Zum Teil aber auch deutlich jünger“, sagt Prof. Michael Sander, Leiter der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am UKGM. Er betont: „Kaum jemand hat Vorerkrankungen. Es sind ehemals gesunde Menschen 50 Jahre, 40 Jahre, 18 Jahre. Nicht alle werden es schaffen.“

Insgesamt sind in Hessen derzeit (Stand 29.04.2021, 14 Uhr) 454 Covid-19-Patienten im Krankenhaus in Behandlung, 51,1 Prozent davon werden auf den Intensivstationen beatmet. Insgesamt sind 88,82 Prozent der Intensivkapazitäten in Hessen belegt. Von Patienten welchen Alters, lässt sich allerdings bisher nicht sagen. (iwe mit AFP) *fnp.de, fr.de und giessener-allgemeine.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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