Wirtschaftliche Entwicklung

Neue Studie zeigt: Das sind die Corona-Verlierer:innen auf dem deutschen Arbeitsmarkt

  • vonJoel Schmidt
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Auf dem Arbeitsmarkt haben es Minijobber:innen sowieso nicht leicht. Eine neue Studie zeigt: Die Corona-Krise verschärft ihre prekäre Situation zusätzlich.

  • Die Zahl der Minijobs in Deutschland ist 2020 stark gesunken.
  • Durch die Corona-Pandemie werden soziale Spannungen auf dem Arbeitsmarkt zusätzlich verschärft.
  • Gerade in der Gastromonie und der Veranstaltungsbranche fallen viele Minijobs weg.

Berlin – Das Ergebnis ist nicht überraschend, aber wissenschaftlich nachgewiesen: Diejenigen, die einem Minijob nachgehen haben im Zuge der Corona-Pandemie auf dem deutschen Arbeitsmarkt am meisten zu leiden. Zu diesem Schluss kommt eine am Mittwoch (04.11.2020) in Berlin veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach lag die Zahl derjenigen Menschen in Deutschland, die im Juni 2020 einem Minijob nachgingen um 850 000 niedriger (12 Prozent) als noch im Jahr zuvor. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs ging im gleichen Zeitraum hingegen nur um 0,2 Prozent zurück.

Corona auf dem Arbeitsmarkt: Minijobs fallen als erstes weg

„Gerade in einer Rezession wie derzeit werden Minijobberinnen und Minijobber schnell vor die Tür gesetzt“, sagte der Wissenschaftler Markus Grabka. Das Prekäre an den Minijobs: Es gibt keinen Anspruch auf Kurzarbeiter:innengeld, weswegen schneller zu Entlassungen gegriffen wird. In den besonders durch die Corona-Pandemie geplagten Bereichen Gastronomie und Veranstaltungen gibt es überdurchschnittlich viele Minijobs*. Von den Menschen, die 2019 ausschließlich einem Minijob nachgegangen sind, ging rund die Hälfte im Frühjahr 2020 auf dem Arbeitsmarkt leer aus und hatte gar keine bezahlte Arbeit mehr. Folgende Kriterien zeichnen einen Minijob aus:

  • Geringfügige Beschäftigung mit maximal 450 Euro Lohn im Monat.
  • Befreiung von Einzahlung in die Kranken-, Arbeits- oder Pflegeversicherung.
  • Die Anzahl der Stunden, die gearbeitet werden dürfen, ergibt sich aus dem Stundenlohn.

Corona auf dem Arbeitsmarkt: Reform der Minijobs gefordert

Auch unabhängig von der Corona-Krise sei jedoch eine Reform der Minijobs überfällig*, sagte Grabka. „Der Bereich der geringfügigen Beschäftigung ist in den vergangenen Jahren sehr groß geworden, und gleichzeitig hat sich oftmals die Hoffnung, Minijobs könnten eine Brücke in normale sozialversicherungspflichtige Jobs sein, nicht erfüllt“, kommentiert der DIW-Wissenschaftler die weiterhin prekäre Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt wird durch die Corona-Pandemie angespannter (Symbolbild).

DIW fordert: Mehr sozialversicherungspflichtige Jobs auf dem Arbeitsmarkt

Die Zahl der Minijobs ist in Deutschland von 2003 bis 2019 um 43 Prozent auf insgesamt 7,6 Millionen angewachsen. Das entsprach fast einem Fünftel (19 Prozent) aller Arbeitnehmer:innen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Das DIW schlägt daher vor, die Minijob-Schwelle von bislang 450 auf 300 Euro im Monat abzusenken. Mit dieser Maßnahme sollen möglichst viele Minijobs in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse überführt werden. Das Ergebnis käme vor allem den prekär Beschäftigten auf dem deutschen Arbeitsmarkt zugute: Viele Nebenjobs wären dann nicht mehr von den Sozialabgaben befreit und die Arbeitgeber:innen wieder vermehrt in die Pflicht genommen. (Joel Schmidt mit dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Carsten Rehder/dpa

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