Kontroverse um „Bembel with Care“-Gründer - laut Benedikt Kuhn handelt es sich hier um ein Party-Kostüm.
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Kontroverse um „Bembel with Care“-Gründer - laut Benedikt Kuhn handelt es sich hier um ein Party-Kostüm.

Wirbel um „Apfelweinbaron“

„Bembel with Care“: Supermärkte stoppen Verkauf der Apfelweinmarke

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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  • Valerie Eiseler
    Valerie Eiseler
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  • Marcel Richters
    Marcel Richters
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Benedikt Kuhn sorgte für eine Kontroverse um „Bembel with Care“. Inzwischen reagieren immer mehr Supermarktketten.

  • Bembel with Care“-Gründer Benedikt Kuhn sorgt mit Post auf Instagram für Empörung 
  • Kuhn erhält Unterstützung von Rechtsextremen
  • Rewe und Edeka stoppen den Verkauf

Update von Mittwoch, 13.05.2020, 18.05 Uhr: Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, hat auch Edeka Südwest einen Lieferstopp für Bembel with Care verhängt. Kunden hatten den Lieferstopp zuvor gefordert. Zuvor hatte bereits die Supermarktkette Rewe das Produkt aus den Regalen genommen.

Der Gründer der Apfelweinmarke Bembel with Care, Benedikt Kuhn, war zuvor mit fragwürdigen Postings in sozialen Netzwerken aufgefallen. Nach Kritik hat er die Rechte der Marke Bembel with Care an seinen vormaligen Partner, die Kelterei Krämer, abgegeben. Eine finanzielle Entschädigung erhielt Kuhn dafür nicht. 

Rewe nimmt Bembel with Care aus den Regalen - Kaufland nicht

+++ 19.30 Uhr: Die Supermarktkette Rewe hat angekündigt, Bembel with Care vorerst nicht mehr zu verkaufen. Auf dem offiziellen Twitter-Kanal von Rewe hieß es dazu: „Als multikulturelles Unternehmen stehen wir für Weltoffenheit, Toleranz und Gleichberechtigung. Deshalb haben wir selbstverständlich die Produkte unter der Marke „Bembel with Care“ bundesweit aus unserem Sortiment genommen.“

Konkurrent Kaufland reagierte auf die Veränderungen beim Besitzer der Markenrechte. „Der Hersteller hat schon eingegriffen: Die Kelterei, die das Produkt herstellt, hat sich deutlich von den Postings distanziert & mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit dem Herrn beendet“, war auf dem Twitter-Kanal von Kaufland zu lesen. Dort soll Bembel with Care weiterhin verkauft werden.

Update vom 12.05.2020, 17.49 Uhr: Der ehemalige Markeninhaber von Bembel with CareBenedikt Kuhn, hat sich auf seiner Instagram-Seite für die Anteilnahme bedankt, welcher er nach der Kritik an seiner Äußerung zum 8. Mai bekommen hat. Unterstützung bekommt Kuhn von Rechtsextremen wie dem Landesvorsitzenden der Jugendorganisation der NPD, Thassilo Hanutsch.

Unterstützung von Rechtsextremen für Benedikt Kuhn

Der Wetzlarer zeigte sich bei Twitter demonstrativ mit einer Dose Bembel with Care und den Worten: „Der 8. Mai ist selbstverständlich kein Tag der Befreiung, denn Befreier morden, plündern und vergewaltigen nicht!“

Damit bezog sich Hanutsch auf eine Aussage von Kuhn, der am 8. Mai auf seinem Instagram-Account ein Bild von sich gepostet hatte und dazu schrieb: „Der 08.05. ist kein Tag der Befreiung!“.

Bembel with Care bekommt neue Leitung

Kuhn hatte mit dem Posting viel Kritik auf sich gezogen. Die Kelterei Krämer, welche Bembel with Care vertreibt, hatte daraufhin die Zusammenarbeit mit Kuhn aufgekündigt. Die Leitung der Marke übernehmen Kelterei-Chef Stefan Krämer und Key Account Vertriebsleiter Karsten Schwinn. Kuhn erhält keinen Ausgleich für die Marken- und Lizenzrechte an Bembel with Care, die künftig vollständig bei der Kelterei Krämer liegen. 

Benedikt Kuhn nimmt zu Kontroverse um Bembel-with-Care Stellung

Update vom 11.05.20, 13.50 Uhr: Gestern hatte die Kelterei Krämer die Zusammenarbeit mit „Bembel with Care“-Gründer Benedikt Kuhn für beendet erklärt. Nun hat das von Kuhn gegründete Unternehmen mit Sitz im südhessischen Birkenau eine „Stellungnahme zu den aktuellen Ereignissen“ veröffentlicht. Darin bestätigt die Firma, Kuhn habe sein „Amt“ als Geschäftsführer der Firma Bembel with Care GmbH & Co. KG „mit sofortiger Wirkung“ niedergelegt. Zuvor hatte Kuhn mit einem Post auf Instagram für viel Wut und Empörung gesorgt, als er dort veröffentlichte „Der 08.05. ist kein Tag der Befreiung!“.

Team von „Bembel with Care“ ist betroffen 

Das Team von „Bembel with Care“ teilte mit, man sei „betroffen“ und distanziere sich „eindeutig von den privaten Äußerungen von Benedikt Kuhn“. Kuhns Provokationen widersprächen auch den persönlichen Ansichten als Mitarbeiter und der Firmenphilosophie. Zudem entschuldigen sich die „Bembel with Care“-Mitarbeiter in der Stellungnahme „ausdrücklich“ bei allen Fans, Kunden, Handels- und Kooperationspartnern für die aktuelle Situation. „Die dadurch ausgelösten Irritationen und Verletzungen bedauern wir zutiefst“, heißt es. 

Die Produkte von „Bembel with Care“, die in bunten Einwegdosen und neuerdings auch in Flaschen abgefüllt werden, stünden „für Innovation, für die Erneuerung der Apfelweinkultur und für Lifestyle – regional sowie überregional“, teilt die Belegschaft mit. In der Stellungnahme wird auch bestätigt, dass die Marke „Bembel with Care“ unter das Dach der Kelterei Krämer eingegliedert wird. Ob nur die Markenrechte oder auch Mitarbeiter von der Kelterei übernommen werden, ist bislang allerdings nicht bekannt.

„Bembel with Care“: Kelterei Krämer beendet Zusammenarbeit mit Benedikt Kuhn

Update 19.05 Uhr: Die Kelterei Krämer, die den Apfelwein für „Bembel with Care“ produziert, stellt im Zuge der Kontroverse mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Benedikt Kuhn ein. Das verkündete das Odenwälder Familienunternehmen auf seiner Website. Kuhn‘s Aussagen seien für die Kelterei nicht akzeptierbar. Alle Produkte der Marke „Bembel with Care“ würden nun unter das Dach der Kelterei Krämer eingegliedert. Das Unternehmen weigere sich gegen einen Missbrauch ihrer Produkte in politischen Diskussionen und identifiziere sich als „Teil eines lebendigen, demokratischen und freiheitlichen Rechtstaates“(sic).

Erstmeldung vom 10.05.20, 17.52 Uhr: Der 8. Mai, als Datum des Kriegsendes gilt in Deutschland als „Tag der Befreiung“ von dem Regime der Nationalsozialisten. Als solcher wird er von vielen Menschen gefeiert, insbesondere in diesem Jahr zum 75. Jahrestag des Kriegsendes. Kein Wunder also, dass Benedikt Kuhn, Gründer des Unternehmens „Bembel with Care“, das in Dosen abgefüllten Apfelwein verkauft, mit seinem Post auf Instagram für viel Wut und Empörung sorgte, als er dort veröffentlichte „Der 08.05. ist kein Tag der Befreiung!“. Ein näherer Blick auf seineAktivitäten in sozialen Medien zeichnet gleich mehrere Verbindungen zu rechten Ideologien.

Heftige Kritik für rechtsideologische Beiträge von „Bembel with Care“-Gründer Benedikt Kuhn

Kuhn postete die Aussage zum 8. Mai auf seinem Instagram-Account „apfelweinbaron“ in einer Story - einer Funktion der Plattform, bei der Inhalte nach 24 Stunden automatisch wieder verschwinden. Sein Statement, der Tag sei kein „Tag der Befreiung“ ist zunächst nicht exklusiv als rechtsideologisch zu deuten. In einem Artikel auf dem journalistischen Blog „Ruhrbarone“ kritisierte zum Beispiel auch der Autor Robert Herr die Formulierung. Dabei wies er allerdings darauf hin, dass mit diesen Worten eine Umdeutung der Geschichte stattfand, die Deutschland von Tätern zu Opfern umkehrte und damit die Verantwortung für die Gräueltaten des Kriegs verschob. Im Kontext der anderen Social-Media-Äußerungen von Kuhn scheint diese Auslegung der Kritik eher unwahrscheinlich. 

In Screenshots privater Chats auf Instagram beteuert Kuhn, dass Deutschland 75 Jahre nach Kriegsende weiterhin von Soldaten der Alliierten besetzt werde. Diese Theorie ist insbesondere in der Bewegung der Neuen Rechten virulent und hat ihren Ursprung im Milieu der Reichsbürger. Letztere vereint unter anderem viele Verschwörungstheoretiker, die die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland nicht anerkennen.

Kontroverse um Benedikt Kuhn: „Bembel with Care“-Gründer postet rechte Inhalte

Gegenüber dem „Echo Online“ reagierte Kuhn auf die Vorwürfe, die deshalb derzeit auf ihn einbrechen. Er poste sehr viel „polarisierendes Zeug“, auch zu Impfungen oder den Corona-Beschränkungen. Mit der aktuellen Empörung habe er nicht gerechnet. „Doch was in Bezug auf meine Person gepostet wurde, ist ausschließlich diffamierend“, sagte er gegenüber dem Echo. Es sei Kuhns ehrliche Meinung, dass Deutschland nicht frei sei. Er sei aber kein „nationaler Nostalgiker“ und habe keinen Bezug zum Kriegsgeschehen. 

Ein anderes im Internet kursierendes Foto zeigt Benedikt Kuhn in einem schwarzen Hemd mit einem schwarzen Kreuz, sehr ähnlich dem Eisernen Kreuz, um den Kragen und einem schwarz-geschminkten Balken im Gesicht. Das Eiserne Kreuz wird nicht universell als ein explizit politisch rechtes Bekenntnis wahrgenommen, wird aber von der extremen Rechten immer wieder als Symbol verwendet. Auch hier will Kuhn kein politisches Motiv vermuten. Das Bild sei auf einer Fetisch-Party unter dem Motto „Lack, Leder und Military“ entstanden, sagte er dem Echo. 

Posts deuten auf rechte Ideologie hin: Große Kritik an „Bembel with Care“-Gründer Benedikt Kuhn 

Nutzer auf Twitter veröffentlichten zudem weitere Screenshots, laut denen Benedikt Kuhn auf Instagram Accounts abonnierte, die dem rechten Spektrum zuzuordnen sind. Darunter die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel und ein Account für Nachrichten der rechtspopulistischen Partei, aber auch der unter dem Pseudonym „Der Volkslehrer“ bekannte rechtsextreme und antisemitische Youtuber Nikolai Nerling, der bereits wegen Volksverhetzung vor Gericht verurteilt wurde. Weitere Accounts in dieser Liste verherrlichen zudem das Bild einer „germanischen Heimat“. Kuhn sagte dazu, er informiere sich breit und halte nichts von Mainstream.

Doch der Eindruck, der sich online von dem „Bembel with Care"-Gründer und Inhaber abzeichnet, ist damit nicht komplett. Screenshots seiner Facebook-Beiträge zeigen, dass Kuhn die Existenz von Rechtsterrorismus, insbesondere die des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in Deutschland anzweifelte. Kriegs- undPropagandabilder mit Hakenkreuzen, die er auf der Plattform „Pinterest“ sammelte, erklärte er dem Echo gegenüber damit, dass er für seine Kunst gewisse Stile gesucht hatte, dahinter aber keine politische Botschaft stecke. „Ich bin ganz klar kein Nazi, auch wenn ich ein systemkritischer Mensch bin“, so das Zitat. Inzwischen hat Kuhn seinen Account auf Instagram für die Öffentlichkeit gesperrt. In seiner Account-Beschreibung steht schlicht „Shitstorm.“

Nach Kontroverse um Gründer Benedikt Kuhn:  Aufruf zum Boykott von „Bembel with Care“ 

Mehrere Menschen haben auf Sozialen Medien bereits Supermarktketten wie Rewe dazu aufgefordert, die „Bembel with Care“-Produkte aus dem Sortiment zu nehmen. Das Unternehmen hatte sich auf Sozialen Medien von der Äußerung seines Gründers und Inhabers distanziert. Doch mittlerweile sind sämtliche Accounts offline. Auf Anfrage am Sonntag hat sich das Unternehmen noch nicht geäußert. Gegenüber dem Echo beteuerte Kuhn, dass die Firma unpolitisch sei, während er sich aber weiterhin politisch äußern dürfe. Dennoch haben inzwischen einige Gastbetriebe angekündigt, die Produkte nicht länger verkaufen zu wollen. Die Kelterei Krämer, wo der Apfelwein für „Bembel with Care“ produziert wird, hat auf Anfrage am Sonntag auch noch nicht reagiert.

Auch der Vegan-Koch Attila Hildmann sorgt derzeit mit verschwörungstheoretischen Botschaften und Beleidigungen für Aufsehen.

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