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CDU-Politiker tritt nach rassistischer Rede auf Kerb zurück

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Von: Alexander Gottschalk

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Auf einem Volksfest in Bad König (Odenwaldkreis) fabuliert ein Kommunalpolitiker von „Kopftuchgeschwadern“. Das hat Konsequenzen.

Bad König - Seine rassistische und frauenfeindliche Eröffnungsrede auf der Kerb hat im südhessischen Bad König (Odenwaldkreis) einen Stadtverordneten der CDU sein Amt gekostet. Nach lautstarker öffentlicher Kritik trat Kommunalpolitiker Marc Böhm am Freitag (16. September) von seinem Mandat im Stadtparlament zurück und gab auch seine Rolle als Kerbredner auf.

Am Wochenende zuvor hatte Böhm auf dem Volksfest offenbar „in scherzhaftem Format“ – so seine eigene Formulierung – mit der Stadtpolitik in Bad König abrechnen wollen. Teile seiner Rede, die später der Hessische Rundfunk (hr) in Auszügen online stellte, thematisierten in der Odenwälder Stadt lebende Menschen mit Migrationshintergrund.

Bad König (Odenwaldkreis): CDU-Politiker entschuldigt sich für rassistische Aussagen

Böhm sagte: „Wenn Du in die Hauptstraße guckst, da steigt Dir der Puls, da schwillt Dir die Ader, man sieht fast nur noch Kopftuchgeschwader.“ Und weiter: „Vier von fünf Kopftuchfrauen“ hätten noch „einen Braten in der Röhre“. Aussagen, für die er sich nun in einer Stellungnahme bei allen entschuldigte, die er auch über die Stadtgrenzen hinaus „beleidigt und verletzt“ habe.

Biergarten
Die Kerb in Bad König (Odenwaldkreis) hat im Jahr 2022 einen bitteren Beigeschmack. © Peter Kneffel/dpa/Symbolbild

„Ich sehe vollumfänglich ein, dass die von mir in der Rede getätigten Aussagen diskriminierend und falsch sind“, schrieb der CDU-Politiker. Er habe sich „im Ton vergriffen“, bedauere seinen „Fehler zutiefst“, könne das Gesagte aber nicht mehr zurücknehmen. Mit seinem Rücktritt wolle er den Schaden an der Stadt begrenzen und zeigen, dass er seine Aussagen „ehrlich bereue“.

Rassismus-Skandal in Bad König (Odenwaldkreis): „Gedacht, ich bin im falschen Film“

Über 25 Jahre lang war Marc Böhm als „Kerbvadder“ in Bad König bekanntgewesen, wie das Odenwälder Journal berichtete. Demnach war der Haustechnik-Unternehmer auch Förderer des örtlichen Sportvereins TSG Bad König. Dieser hatte sich am Donnerstag (15. September) in einem Facebook-Beitrag von der umstrittenen Kerbrede distanziert.

TSG-Vorstandschef Matthias Hofman sagte dem hr später, er habe während der Rede „im ersten Moment gedacht, ich bin im falschen Film“. Die SPD in Bad König sprach auf Facebook davon, es sei eine „rote Linie“ überschritten worden. Auch Bad Königs parteiloser Bürgermeister Axel Muhn verurteilte die Aussagen Böhms als „unterste Schublade“.

Rassistischer Ausfall bei Kerb in Bad König (Odenwaldkreis) sorgt für Kontroversen

Beim Volksfest war der Rathauschef zwar anwesend gewesen, habe aber nicht eingegriffen, weil er die Feier nicht stören wollte: „Im Nachhinein ist man immer schlauer“, sagte Muhn dem hr. Das Publikum hatte laut Vereinsboss Hofman unterschiedlich auf die Rede reagiert. Es habe jene gegeben, die schockiert gewesen seien, aber auch andere, die „stürmisch geklatscht“ hätten.

StadtBad König
LandkreisOdenwaldkreis
Einwohnerzahlca. 10000
Bekannt als...Kurstadt und Heilbad

Dass nicht alle in Bad König den Rassismus-Skandal tatsächlich auch als solchen sehen, zeigte sich in den Sozialen Netzwerken. Auf Facebook hieß es etwa entschuldigend, Kerbreden seien „schon immer deftig“, den Rücktritt des „Kerbvadders“ empfanden viele als übertrieben. Zukünftig sollen dessen Reden laut Bürgermeister Muhn vorab überprüft werden – sicherheitshalber. (Alexander Gottschalk)

Rassismus ist in Deutschland ein strukturelles Problem. Das zeigen nun abermals Recherchen der Tageszeitung taz, die sich mit den Rettungsdiensten auseinandersetzen. Demnach sollen in einer Dienststelle in Köln Mitarbeitende ihre Geburtstage mit denen von Adolf Hitler und anderen Nazis in einen Kalender eingetragen haben.

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