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Ein Blick in die Westendsynagoge in Frankfurt.
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Ein Blick in die Westendsynagoge in Frankfurt.

Frankfurt

Zwist in der Jüdischen Gemeinde

  • Danijel Majic
    VonDanijel Majic
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Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde entzieht der orthodoxen Gruppierung "Chabad" die Unterstützung. Deren Vertreter sollen gegenüber den Gemeinderabbinern ausfallend geworden sein.

Die Jüdische Gemeinde in Frankfurt legt viel Wert darauf, eine Einheitsgemeinde zu sein. Unter ihrem organisatorischen Dach sollen alle Strömungen Platz finden, von den Ultraorthodoxen, über Modernisierer bis hin zu jenen Säkularen, die ihr Judentum eher als kulturelles Erbe und weniger als Religion auslegen. Doch mit der Einigkeit ist es derzeit nicht weit her. Ein Streit zwischen dem Gemeindevorstand und dem Rabbinat auf der einen und Vertretern der orthodoxen Gruppierung Chabad Lubawitsch sorgt für Risse im Selbstbild der Einheitsgemeinde.

Vor acht Tagen informierte der Vorstand die Gemeindemitglieder in einem Schreiben darüber, dass Chabad-Veranstaltungen künftig ohne die Unterstützung der Jüdischen Gemeinde stattfinden würden und keine Räumlichkeiten dafür mehr zur Verfügung gestellt würden. Die „anhaltenden Bemühungen“, mit Chabad ein „friedliches Miteinander unter einem Dach zu gestalten“, seien bisher gescheitert.

Die Führungsebene von Chabad Lubawitsch, heißt es in dem Schreiben weiter, habe die Autorität der Gemeinderabbiner diskreditiert und sich gegenüber der Gemeindevertretung respektlos verhalten. „Zunehmend aggressives Verhalten sowie Beschimpfungen und Respektlosigkeiten gegenüber unseren beiden Rabbinern haben zur Entscheidung geführt, Chabad Lubawitsch die bisher gewährte Unterstützung zu entziehen.“

In seinem Schreiben nennt der Vorstand keine konkreten Vorfälle. Aus der Gemeinde jedoch wird berichtet, dass die Vertreter von Chabad beim inzwischen traditionellen Entzünden der Chanukka-Kerzen auf dem Opernplatz den anwesenden Gemeinderabbiner Avichai Apel übergangen hätten. Beim Purim-Fest Anfang März sei es schließlich in der Westend-Synagoge zum Eklat gekommen, als Vertreter von Chabad den Zugang zum Vorlesepult verweigert hätten, um aus der Thora zu lesen. Etwa eine Woche später habe sich dieses Schauspiel im regulären Schabbat-Gottesdienst wiederholt, wobei der Gemeinderabbiner im Gotteshaus übelst beschimpft worden sei.

Diese Vorfälle sind der Höhepunkt eines sich seit einiger Zeit zuspitzenden Konflikts, Chabad Lubawitsch ist seit bald drei Jahrzehnten in Frankfurt aktiv, hat sich vor allem in die Jugendarbeit eingebracht und unterhält seit 2001 eine eigene Talmudschule.

„Chabad hat wirklich gute Arbeit gemacht und macht sie immer noch“, sagt Leo Latasch, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde. Umso bedauernswerter sei es, dass es nun zum Zerwürfnis gekommen sei. Jedoch sei aus Sicht des Gemeindevorstands die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, weil die Vertreter von Chabad immer offener einen Führungsanspruch in religiösen Fragen für sich reklamierten, der ihnen nicht zustehe. „Sie sind eine Minderheit. Und wir sind gewählte Vertreter der gesamten Gemeinde.“ Ebenso könne nicht hingenommen werden, dass die Orthodoxen die Arbeit des Gemeinderabbinats untergraben oder blockieren.

Chabad Lubawitsch äußerst sich nicht direkt zu den Vorwürfen. „Chabad Frankfurt wird mit Gottes Hilfe weiterhin all denjenigen zur Verfügung stehen, die in allen Belangen jüdischen Lebens, Hilfe oder Unterstützung benötigen“, heißt es lediglich in einer schriftlichen Stellungnahme von Zalman Gurevitch, Rabbiner und Mitbegründer von Chabad in Frankfurt, „Unser Wunsch ist es, in Harmonie und gegenseitigen Respekt mit allen jüdischen wie nichtjüdischen Institutionen zusammenzuarbeiten.“

Leo Latasch will nicht ausschließen, dass die Gemeinde irgendwann wieder mit Chabad zusammenarbeitet. „Wenn sich bei den Verantwortlichen die Einstellung ändert“, betont er. Die Einheitsgemeinde aber, sagt Latasch, sei wegen der aktuellen Streitigkeiten nicht in Gefahr.

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