Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Probe des Tanztheaters.
+
Probe des Tanztheaters.

Frankfurt-Nordweststadt

Zwischen den Welten

  • Hannah Weiner
    VonHannah Weiner
    schließen

Die Interkulturelle Werkstatt bietet Flüchtlingen eine eigene Plattform. In der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde in der Nordweststadt kommen rund 20 Menschen zusammen.

Hassan Mudasis erzählt, wie er nach Frankfurt kam, wie er am Hauptbahnhof schlief, weil er kein Dach über dem Kopf hatte, und wie er Flaschen sammelte, um zu überleben. Im Kirchencafé der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde in der Nordweststadt sitzen rund 20 Menschen, die ihm zuhören. Es ist Vereinstreffen der Interkulturellen Werkstatt.

Gebürtige Frankfurter, Migranten, die seit 40 Jahren in Deutschland leben, und Flüchtlinge, wie Hassan, der vor 13 Monaten aus Ghana kam, kommen in der Werkstatt zusammen. Das Erzählen stehe nicht im Fokus, sagt die Vereinsvorsitzende Christa Hengsbach. Ziel sei vielmehr, durch kulturelle Projekte die Identität von Flüchtlingen und Migranten zu stärken, sie nicht alleine zu lassen, sondern ihnen „eine Stimme zu geben“. Das soll durch Kunst, Musik, Tanz, Literatur und Theater geschehen.

Trotzdem soll jeder erst mal erzählen, wie es ihm geht. Das ist gar nicht so einfach, weil die meisten der Flüchtlinge kein Deutsch können. Die Gespräche laufen deswegen halb auf Englisch und halb auf Deutsch ab. Auf die Art erklärt auch Hengsbach Namen und Bedeutung der Werkstatt: „Verein means: We are together – wir sind zusammen.“

Zwei Großprojekte geplant

Die Idee zur „Interkulturellen Werkstatt“ kam Hengsberg vor zwei Jahren. Damals wollte die Theaterpädagogin zunächst ein schauspielerisches Projekt nur mit Migrantinnen auf die Beine stellen. „Zwischen den Welten“ hieß das 2013 aufgeführte Stück. Es war ein Erfolg und wurde 2014 mit dem Stück „Begegnungen“ fortgesetzt. Doch, so erzählt Hengsbach, weil immer mehr Flüchtlinge über das Meer nach Europa kamen, wollte sie das Projekt ausweiten.

Ein Drittel Migranten, ein Drittel Flüchtlinge und ein Drittel Deutsche sind es inzwischen. Der kreative Ansatz helfe dabei, sich kennenzulernen, sich näher zu kommen, und zu integrieren, sagt die Theaterpädagogin. Besonders freut sie sich darüber, dass die, die einmal dabei seien, immer wieder kämen. So wie Adama Isay aus Afrika. Der 31-Jährige schaute 2013 zum ersten Mal in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde vorbei. Dann war er ein Jahr in Italien und jetzt, seit er wieder in Deutschland ist, erscheint er regelmäßig. „Wenn ich mich traurig fühle, komme ich her“, sagt er auf Englisch. „Niemand verhält sich hier negativ zu mir.“

Für 2015 hat der Verein zwei Großprojekte geplant: eine Kunstaktion und ein Tanztheater. Migrantinnen aus der Türkei oder Trinidad, Flüchtlinge aus Nigeria, Ghana, Libyen und Afghanistan sowie alle, die sonst noch Lust haben, werden zusammen vom 11. bis 19. Juli mit den Künstlerlinnen Doro Köster und Karin Schneider eine große Wand in der Nordweststadt bemalen. Das Tanztheater wird von Hengsbach und Richard Weber, Choreograph am Staatstheater Mainz, geleitet. Am Samstag, 13. Juni, ist um 13 Uhr der erste Termin.

Mit dabei wird auch Shahin aus dem Iran sein. Sie lebt seit fast 20 Jahren in Deutschland und macht seit 2013 bei der „Interkulturellen Werkstatt“ mit. „Ich wollte, dass mein Deutsch besser wird“, erzählt sie. Dann habe sie gemerkt, dass sie gerne mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenarbeitet. „Das ist einfach toll.“

Die Mitglieder der Interkulturellen Werkstattt versuchen auch Fahrräder, Bustickets oder Mikrowellen für die Flüchtlinge zu organisieren, je nachdem, was gerade gebraucht wird. „Sie haben mir wieder Hoffnung gegeben“, sagt Hassan über den Verein und fügt hinzu, dass er sich darauf freut, zu zeigen, wie in seinem Heimatland getanzt wird.

Wer mitmachen möchte bei der Interkulturellen Werkstatt, kann sich auf der Facebook-Seite oder unter der Telefonnummer 95 77 58 59 informieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare