+
Ein Autogrammjäger bei der Ausübung seines Hobbys.

Preisverleihung

Verleihung der hessischen Film- und Kinopreise zwischen Nostalgie und Hoffnung

  • schließen

Mit Prominenz auf dem Teppich und bewegenden Worten wurden die Hessischen Film- und Kinopreise in der Frankfurter Alten Oper verliehen.

Der Himmel war blau, der Teppich rot und die Kleider bunt glitzernd – das Setting für die Verleihung des Hessischen Film- und Kinopreises also perfekt. Neben Fotografen und schaulustigen Passanten standen auch die alten Hasen des roten Teppichs, die berüchtigten Autogrammjägerinnen und -jäger, mit dem Handy im Selfie-Modus knipsbereit. Und Selfies und Autogramme hagelte es nicht zu knapp, während die Prominenz aus Film und Fernsehen am Freitagabend über den Teppich in die Alte Oper spazierte. Doch während dort noch die altbekannten Rituale stattfanden, sollte es drinnen diesmal anders zugehen.

Auf dem Roten Teppich gibt es schicke Kleider zu bestaunen.

Die inzwischen 30. Verleihung des Preises stand im Zeichen der Veränderung. Ein Aufbruch in eine neue Ära des Films sollte es sein und zugleich ein Versuch, vergangene Fehler zu begleichen. In diesem Sinne begann die Verleihung mit einer Laudatio des Moderationsteams Katty Salié und Mitri Sirin auf die großen „Leinwandgöttinnen und Filmheldinnen der Geschichte“ – im Hintergrund dazu ein Zusammenschnitt vieler bekannter Szenen, darunter auch eine singende Hannelore Elsner, die Salié mit den Worten „Wir lieben sie ewig“ ehrte. In einer so lange von Männern dominierten Welt sollten an diesem Abend die weiblichen Filmschaffenden in den Mittelpunkt gerückt werden.

Eine Frau, die mit ihren Worten den Tenor des Abends setzte, war die Schauspielerin Maryam Zaree. Für ihr Regie-Debüt „Born in Evin“ wurde die 36-Jährige von Ministerin Angela Dorn-Rancke (Bündnis 90/Grüne) mit dem Preis als beste Newcomerin ausgezeichnet. Ihre Rede, wie auch ihr Film, waren ein Appell für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt in Zeiten der Spaltung.

Autogrammjägerinnen Anke Wink (li.) und Anita Wink (re.) machen Fotos mit Tom Sommerlatte.

Ihre Botschaft erhielt nicht nur eine Standing Ovation des Publikums, sondern fand Zuspruch in den Worten vieler ihrer Kollegen und Kolleginnen, die nach ihr die Bühne betraten. So betonte zum Beispiel auch die Autorin Jackie Thomae in ihrer Laudatio zur Verleihung des Drehbuch-Preises an Frauke Lodders die Notwendigkeit für mehr Diversität: „Wir brauchen die Geschichten anderer Menschen.“

Die Auswahl der Laudatoren und Laudatorinnen zeigte Bemühungen, in diesem Jahr mehr Diversität auf der Bühne sichtbar zu machen. Bewegende Reden verstärkten den Aufruf für mehr Vielfalt und Unterstützung. Es waren löbliche Schritte, während derer allerdings auch auffiel, dass sowohl die Preisträger und -trägerinnen, als auch die Nominierten überwiegend weiße Männer und Frauen waren.

Lesen Sie auch: Der neue „Star Wars“-Trailer verspricht das Ende der Saga

Jürgen Prochnow gibt sich die Ehre.

Ausgezeichnet als bester Schauspieler wurde Uwe Ochsenknecht für seine Rolle in der SWR-Serie „Labaule & Erben“. Aufgrund von Dreharbeiten nahm der gebürtige Hesse den Preis über einen Live-Videochat an und verabschiedete sich mit Wünschen für eine „Gude Frankforder Nacht!“ Als beste Schauspielerin wurde die 21-jährige Emma Bading für ihre Darstellung einer spielsüchtigen Teenagerin im ARD-Spielfilm „Play“ ausgezeichnet. Regisseur Tom Sommerlatte gewann für seinen Film über die Beziehung zweier Geschwister „Bruder Schwester Herz“ den Preis für den besten Spielfilm.

Mal eben kurz in die Kameras lächeln.

Den Sonderpreis der Jury erhielt die hessische Regisseurin Caroline Link für ihre Verfilmung von Hape Kerkelings Biografie „Der Junge muss an die frische Luft“. Erstmalig wurde der Ehrenpreis von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in diesem Jahr nicht an eine Person, sondern eine Institution verliehen. Bouffier ehrte das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum (DFF) für dessen unermüdliche Arbeit, „den Film in unseren Gedanken und unserem Gedächtnis zu behalten“. Auch der Filmschaffende Hanns Zischler würdigte in seiner Laudatio die Arbeit des Instituts und mahnte dabei den Mangel an öffentlichem und politischem Engagement für den Erhalt der Filmkultur.

Die Verleihung endete mit einer Ehrung der Hessischen Kinos, die das Erleben der Kinokultur ermöglichen. Viele unter ihnen werden die preisgekrönten Filme in ihrem Programm zeigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare