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Zwischen 12 und 13 Uhr und 17 und 18 Uhr gibt es am Bunker in der Freiligrathstraße täglich „Lockerungssprengungen“. 

Frankfurt Ostend

In Frankfurt soll ein Bunker gesprengt werden - doch es gibt Probleme

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Der Bunker in der Freiligrathstraße 11 in Frankfurt-Ostend wird bis zum Sommer abgerissen. Aktuell ruht das Vorhaben aber, weil es bei einer Probesprengung Probleme gegeben hatte. 

  • Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg soll gesprengt werden
  • Gefahr in der Innenstadt von Frankfurt
  • Probleme bei der Sprengung

Update vom Mittwoch, 15. Januar 2020, 16:45 Uhr: Seit kurzem ruhen die Sprengungen am Bunker in der Freiligrathstraße 11, teilt die Leiterin der Bauaufsicht, Simone Zapke mit. Nachdem bei einer Explosion ein großer Brocken aus der Außenwand herausgesprengt worden ist und Teile des Gerüstes mitgerissen hat, hatte die Behörde einen Baustopp verhängt. Verletzt wurde niemand. Derzeit untersuche ein Statiker, wie es zu dem Unfall kommen konnte, so Zapke: „Solange wird es keine weitere kleineren Sprengungen geben.“  

Erstmeldung: Frankfurt - Das erste, lange Hornsignal soll alle warnen: Achtung, hier wird gleich gesprengt! Der zweite, kürzere Ton ist unmittelbar vor der Explosion zu hören. Der letzte Fanfarenstoß gibt Entwarnung. Seit einer Woche wird rund um den Hochbunker in der Freiligrathstraße getrötet. Der Betonkoloss wird abgerissen.

Fast täglich gibt es hinter den dicken Mauern zwei bis drei sogenannte Lockerungssprengungen, mit denen der Beton vom Metall getrennt werden soll. Mindesten noch zwei Monate komme der Sprengstoff zum Einsatz, sagt Abbruchunternehmer Robert Zeller auf Anfrage. Derzeit seien seine Mitarbeiter in der Testphase, in der sie lernten, wie das massive Gebäude aufgebaut ist. Er rechnet damit, dass die Arbeiten in sechs Monaten enden.

Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg: Bunker-Sprengung

Sobald der Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg abgetragen ist, soll auf dem Gelände ein vierstöckiges Haus mit Mietwohnungen entstehen. Zuletzt hatten die Eigentümer und Bauherrn, die namentlich nicht genannt werden wollten, mitgeteilt, dass 25 bis 30 Einheiten mit jeweils drei bis vier Zimmern entstehen sollen. 1996 hatten die Brüder das Areal von der Bundesvermögensanstalt gekauft. Seit damals liegt eine Abrissgenehmigung vor.

Im Oktober vergangenen Jahres rückte das Abbruchunternehmen an. Zunächst wurden kleinere Anbauten abgetragen und der Bunker mit Schallschutzplatten eingerüstet. Um die angrenzenden Gebäude zu sichern, sind am Dach Schutzwände montiert. Robert Zeller geht davon aus, dass die Anlieger die Sprengungen „so gut wie gar nicht bemerken“ werden. Die Lärmbelastung sei nicht höher als bei jeder anderen Baustelle.

Frankfurt: Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg soll Wohnhaus weichen

Das sehen nicht alle so. Eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtet, dass die Sprengungen durchaus zu hören sind. Mitunter seien die Erschütterungen so stark, dass das Geschirr im Schrank klirre. In der rund 100 Meter entfernten Brüder-Grimm-Schule dagegen sind die Sprengungen noch nicht bemerkt worden. „Bislang habe ich noch nichts davon mitbekommen“, sagt Schulleiterin Birgit Harms.

Beschwerden lägen ihm derzeit keine vor, sagt Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne). Seitdem der Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg abgerissen werde, habe sich niemand bei ihm gemeldet. Als das Areal im vergangenen Jahr gerodet worden ist, hätten jedoch mehrere besorgte Bürger wegen der bevorstehenden Lärm- und Staubbelastung bei ihm angerufen. Auch dass die Bäume und Sträucher auf dem Areal und somit ein Lebensraum für viele Tiere weichen musste, wurde kritisiert.

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Warum der Protest geringer ist als im Nordend, wo sich seit Monaten Anwohner und eine Bürgerinitiative gegen den Abriss des Glauburgbunkers wehren, kann Steib nicht sagen. Dabei ist es das selbe Abbruchunternehmen, das dem Bunker an der Schwarzburgstraße zu Leibe rücken wird. Die Menschen dort befürchten enormen Krach und Dreck und sorgen sich, dass der Unterricht in der direkt angrenzenden Schwarzburgschule während der Arbeiten nicht mehr möglich ist (die FR berichtete).

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Seit Dezember liegt die Genehmigung für den Abriss des Glauburgbunkers vor, sagt Mark Gellert vom Planungsdezernat. Diese sei jedoch mit einer „Reihe von aufschiebenden Bedingungen verknüpft“. So müsse etwa noch ein Abbruchkonzept vorgelegt werden. Bislang sei kein Baubeginn für den Abriss gemeldet. Das vom Bauherrn für die Projektkommunikation eingesetzte Unternehmen BCC sagt auf Anfrage, dass der Abbruch vorbereitet werde. Einen Termin nannte es nicht.

Für den Abriss des Glauburgbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg sind 13 Monate veranschlagt. Doch seien die beiden Betonkolosse nicht vergleichbar, sagt Robert Zeller. Zwar seien die Schutzgebäude ähnlich, etwa was Wandstärke und Ausmaße betreffe. Die Qualität des Betons und wie viel Eisen verarbeitet worden ist, könne aber völlig unterschiedlich sein. Zudem liege der Bunker an der Freiligrathstraße eng zwischen Wohngebäuden. Die Arbeit dort sei viel komplizierter. Am Glauburgbunker könnten mehrere Maschinen gleichzeitig zum Einsatz kommen.

Es sind nicht die ersten Bunker, die Zeller dem Erdboden gleich macht. Bei den vergangenen sieben Aufträgen habe es keine Probleme mit den Anwohnern gegeben.

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