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Am Samstag eräffnet der Unverpackt-Laden von Claudia Nauth und Matthias Krämer.

Unverpacktladen  

Zweiter Unverpackt-Laden eröffnet in Frankfurt

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Unweit des Doms gibt es ab Samstag die Möglichkeit plastikfrei einzukaufen. Hier gibt es Haferflocken bis Pasta. Auch Bambuszahnbürsten bis coole Stoffbeutel bekommt man hier.

Selbst wenn er im Auto sitzt, nascht Matthias Krämer nun seine Gummibärchen aus dem Glasbehälter, der neben ihm liegt, statt wie früher aus einer Plastikverpackung. „Wir predigen aber nicht und leben auch kein spaßbefreites Leben“, betont seine Frau Claudia Nauth.

Das Paar achtet aber seit anderthalb Jahren im Alltag darauf, so wenig Müll wie möglich zu produzieren, insbesondere Plastik vermeiden sie. Und jetzt wollen die beiden auch anderen Menschen Optionen für ein plastikfreies Einkaufen bieten.

Das Ehepaar eröffnet an diesem Samstag um 10 Uhr den zweiten Unverpackt-Laden in Frankfurt. Und zwar in der Nähe des Doms in der Saalgasse 1. Ihr Laden heißt ULF, das ist die Abkürzung von Unverpackt-Laden in Frankfurt.

„Wir wollen keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zum ersten Unverpackt-Laden ‚Grammgenau‘ in Bockenheim sein“, sagt Nauth. Der größte Unterschied sei: „Bei ‚Grammgenau‘ wird man bedient, bei uns füllt man sich seine mitgebrachten Behälter selbst ab“, so Krämer. „Wir wollen die Lücke schließen, wenn es um unverpackte Trockenware geht“, sagt Nauth.

In den vielen Abfüllglasbehältern stehen bereits ein paar Tage vor der Eröffnung verschiedene Haferflocken- und Müslisorten neben Trockenfrüchten, Nudeln, Öl, Essig, Couscous, Reis, Mehl und Backzutaten.

„Wir haben ein reines Biosortiment, und zukünftig planen wir, dass auch kleine regionale Anbieter hinzukommen“, sagt Nauth.

Frisches Obst und Gemüse bekommt man hier aber nicht. „Dazu fehlt uns der Platz, und die Kleinmarkthalle und der Erzeugermarkt sind auch nicht so weit weg von uns“, sagt Nauth. In Karlsruhe hat die 54-Jährige sogar hospitiert, um sich Anregung und Inspiration beim dortigen Unverpackt-Laden zu holen. „Sie haben dort Pionierarbeit geleistet.“

Anfangs die Hacken abgelaufen

Und wie kam die Idee mit dem Unverpackt-Laden bei ihnen auf? „Wir hörten im Radio vor anderthalb Jahren einen Beitrag über eine Familie, die 30 Tage ohne Plastik lebte, und dann wollten wir das auch ausprobieren“, erzählt Nauth.

Schnell aber merkten sie, dass das gar nicht einfach war. „Unser erster Einkauf im Supermarkt fiel ziemlich mager aus. Mit einem Glas Joghurt, einer Flasche Milch und Bananen sind wir raus“, sagt Krämer (51) und lacht.

Und dann sei ihr Ehrgeiz angespornt worden. „Wir geben nicht mehr Geld aus als früher, weil wir eben bewusster und weniger kaufen“, sagt Krämer.

Das Paar lebt in Griesheim. „Und ich bin mir schon anfangs die Hacken abgelaufen, weil es ja bislang auch nur den Unverpackt-Laden in Bockenheim gibt“, sagt Nauth. Es gebe einfach noch zu wenig Optionen zum plastikfreien Einkauf in Frankfurt. Und irgendwann dachte das Paar: Warum machen wir keinen eigenen Laden auf? Krämer betont: „Wir hatten auch das Café Grau in Höchst erfolgreich betrieben. Wir eröffnen also nicht blauäugig.“

Sie selbst hätten gelernt, sich die Frage zu stellen: „Was brauche ich wirklich?“ Und in Unverpackt-Läden könne man sich selbst genau die Menge abfüllen, die man dann auch später wirklich verbrauche.

Und wie funktioniert die Selbstbedienung in ihrem Laden? „Zunächst wiegt man seine leere Tupperdose, schreibt das Gewicht auf, damit später wirklich nur die Grammzahl des Inhalts berechnet wird“, sagt Krämer. 100 Gramm Bio-Vierkornflocken gibt es für 32 Cent. Das Bio-Quinoa-Porridge mit Beeren kostet pro 100 Gramm 1,05 Euro.

Auch Süßigkeiten bekommt man hier zum Abfüllen: 100 Gramm der „Bio-Veggie Vine-Gums“ kosten 2,02 Euro. „Wir hoffen, auch bald Bruchschokolade aus Oberhessen zu bekommen“, sagt Nauth. Auch gibt es hier Seife und Shampoo unverpackt. Das Shampoo in Seifenform heißt beispielsweise „Melisse-Hanf“ oder „Kornblume-Zitrone“ und kostet 9,50 Euro.

Klingt erst mal ziemlich teuer. „Seitdem ich das benutze, muss ich meine Haare nicht mehr so oft waschen wie früher mit normalem Shampoo. Abgesehen davon dauert es lange, bis das Seifen-shampoo verbraucht ist“, betont Nauth. Auch Bambuszahnbürsten und Geschirrspülhandschuhe aus Kautschuk kann man hier kaufen.

Und es gibt auch hübsche Stoffbeutel von „Einzigware“ aus der Caritas-Werkstatt in Griesheim, die Arbeitslose wieder fit für den Arbeitsmarkt macht und alte Stoffe und Materialien umnäht und upcycelt. Besonders originell sind die aussortierten gelben Flugzeug-Schwimmwesten, die zu kleinen Körbchen umgenäht wurden. Sie dienen als Ablage für Obst oder Kosmetik.

Unverpackt-Laden Frankfurt ULF , Ecke Saalgasse 1/Zum Pfarrturm 5; Öffnungszeiten Montag bis Freitag 11 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr, www.unverpackt-laden-frankfurt.de

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