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Der FR-Kommentar zum Neubau der Bühnen in Frankfurt

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Mit einem Neubau der Bühnen kann Frankfurt demonstrieren, wie das Theater des 21. Jahrhunderts aussehen muss. Die Kosten von mehr als 800 Millionen Euro müssen erklärt werden.

Nun liegen die Fakten endgültig auf dem Tisch. Die Stadt Frankfurt hat sich viel Zeit gelassen, um das Für und Wider bei der Zukunft der Städtischen Bühnen abzuwägen. Es war das warnende Beispiel anderer deutscher Städte wie etwa Köln, das zu diesem langen Anlauf geführt hat. Dort ist die Debatte um die Theater aus dem Ruder gelaufen, sind die Kosten explodiert.

Nun also die (Zwischen-)Bilanz in Frankfurt. Dass eine Sanierung der betagten und baulich maroden Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz mindestens so teuer kommen würde wie ein Neubau, entspricht der Vorhersage aller Experten. Die Bühnen neu zu errichten, ist sowohl technisch wie auch funktional und wirtschaftlich sinnvoll. Auch das ist keine Überraschung.

Ja, der Abschied von dem Gebäude aus dem Jahr 1963 fällt schwer. Es stand seinerzeit als Beispiel für ein neues Bauen nach der verhängnisvollen Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. Die Theater-Doppelanlage war auch der Ort für einen künstlerischen Aufbruch insbesondere in den 60er und 70er Jahren.

Der Neubau von Oper und Schauspiel freilich bietet die Chance für einen zweiten Aufbruch. Frankfurt kann architektonisch und funktionell demonstrieren, wie das Theater des 21. Jahrhunderts aussehen muss. Dabei sollte die Stadt an dem Standort Willy-Brandt-Platz festhalten.

Es geht nicht nur um die Tradition

Es geht nicht nur um die Tradition dieses Ortes. Die Bühnen gehören in das Herz der Stadt. Außerdem ist dieser Standort mit öffentlichen Verkehrsmitteln hervorragend erschlossen, ein großer Vorteil unter ökologischen Gesichtspunkten.

Der Vorschlag der CDU, sich vom Brandt-Platz ganz zu lösen, erscheint dagegen als fragwürdiges Abenteuer. Das von der CDU ins Spiel gebrachte Areal im Osthafen ist nicht nur auf Jahre blockiert. Die Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz ist überdies schlecht. Und das städtische Grundstück am Brandt-Platz für die private Spekulation zu öffnen, verbietet sich.

Nein, wenn man neben dem Brandt-Platz einen zweiten Standort prüfen möchte, kommen nur Flächen möglichst in der Innenstadt infrage. Eine gar nicht so abwegige Variante schien unlängst in studentischen Entwürfen auf: Ein Bühnengebäude gegenüber der Alten Oper auf der anderen Seite des Opernplatzes.

Erst einmal aber müssen die Kommunalpolitiker eine andere Grundsatzdiskussion führen. Sie müssen den Menschen erklären, warum eine öffentliche Theateranlage mehr als 800 Millionen Euro kosten soll.

Diese Summe erscheint angesichts der vielfachen Aufgaben der wachsenden Großstadt zunächst einmal exorbitant. Sie erschließt sich auch aus dem Wust von Vorschriften, der mittlerweile das Baugeschehen belastet.

Der zweite Aufbruch für die Bühnen aber braucht Akzeptanz in der Stadtgesellschaft. Sonst ist er von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

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