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Zweijähriger wird obduziert

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Von: Thomas Stillbauer

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In einem Wassergraben am Kamelgehege ist ein zweijähriger Junge ertrunken.
In einem Wassergraben am Kamelgehege ist ein zweijähriger Junge ertrunken. © dpa

Direktor Casares sagt nach dem Unglücksfall vom Freitag: „Der Zoo ist sicher“. Die Kamelanlage wird umgebaut – aber nicht aus Sicherheitsgründen.

Das Frankfurter Amtsgericht hat am Montag die Obduktion des zweijährigen Kindes angeordnet, das am Freitag im Zoo ums Leben gekommen war. Das teilte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit. Noch am Montag, spätestens aber am Dienstag sollte der Leichnam des kleinen Jungen untersucht werden, sagte der Sprecher. Weitere Angaben wollte er nicht machen: „Bei den Untersuchungen zum Ablauf des Unglücks sind wir noch ganz am Anfang.“ Zeugenbefragungen sollten weiteren Aufschluss bringen.

Auf der Internetseite des Tiergartens erschien erst am Nachmittag eine knappe Meldung: Zoodirektor Miguel Casares und Dezernentin Ina Hartwig (SPD) teilten ihre Betroffenheit mit. Beide gaben am Montag nicht persönlich Auskunft. Casares antwortete lediglich schriftlich auf per E-Mail eingereichte Fragen. Er betonte erneut: „Der Zoo ist sicher.“ Die Sicherheit der Besucher habe immer oberste Priorität, das Personal sei für Notfälle geschult.

Den Zoo vorübergehend aus Pietätsgründen etwa am Samstag geschlossen zu halten, stand laut Casares nicht zur Debatte: „In Absprache mit der Polizei wurde die Unglücksstelle bereits am Freitagabend wieder freigegeben, es gibt objektiv keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung der Besucher.“

Was die allgemeine Sicherheit im Zoo angehe, so Casares, prüfe die Stadt, ob Wege und Anlagen sicher sind. Eine externe Kontrolle gebe es nur bei besonderen Einbauten, etwa Spielplätzen. Was die nächsten Schritte und mögliche Änderungen an den Gehegen angeht, verwies er auf die laufenden Ermittlungen, deren Ergebnisse abzuwarten seien.

Ein Grundsatzbericht des Magistrats zur Zukunft des Zoos, Ende 2017 noch mit dem seinerzeitigen Direktor Manfred Niekisch erarbeitet, enthält das Thema Sicherheit gar nicht. In der Weiterentwicklung unter Miguel Casares vom Mai 2018 kommt der Begriff Sicherheit immerhin ein Mal vor: Eine „dringende Sicherheitsmaßnahme“ sei die Brandschutzertüchtigung des Grzimekhauses. Unter den geplanten Sanierungszielen der nächsten Jahre ist das Areal der Trampeltiere nicht erwähnt. Das „zentrale Flächendreieck des Zoos“, zu dem die Kamele gehören, zählt jedoch zur vordringlich bearbeiteten Phase I des Entwicklungsplans. Sie soll bis 2022 umgesetzt werden.

Die Fläche mit der betroffenen Anlage „ist Teil der geplanten Umbauten“, bestätigte Casares auch am Montag. „Es gilt aber deutlich zu betonen: Die geplanten Umbauten zielen auf eine moderne Art der Tierpräsentation und haben nichts mit der Sicherheit der Besucher zu tun. Die Sicherheit der Besucher hat immer oberste Priorität.“

Casares wies auf Nachfrage auch auf die Besucherordnung des Zoos hin. Darin heißt es: „Die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher sowie den Schutz der Tiere kann der Zoo Frankfurt nur dann ausreichend sicherstellen, wenn sich alle Besucherinnen und Besucher auf den für sie vorgesehenen und gesicherten Wegen und Orten innerhalb des Zoos aufhalten. (…) Es ist nicht gestattet, Sicherheitsabsperrungen sowie Barrieren zu be- und zu übersteigen oder Kinder auf Gehegeeinfriedungen zu setzen. (…) Um Verletzungen und Unfälle zu verhüten, insbesondere Stürze in Tiergehege zu vermeiden, bitten wir daher, der Sicherheit der Kinder ein besonderes Augenmerk zu widmen.“

Schwerwiegende Unglücksfälle mit Besuchern waren in den vergangenen Jahren nicht bekannt geworden. 2016 wurde ein Kind in der Drehtür am Zoo-Ausgang mit dem Fuß eingeklemmt, aber nicht ernstlich verletzt. Der Zoo wies damals den Vorwurf einer Gefährdung zurück.

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