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Zweifel an Sorgfalt beim Schutz der Eichen im „Fecher“

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Von: Thomas Stillbauer, Florian Leclerc

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Auf 2,2 Hektar fällt im Rodungsgebiet jeder Baum ohne „K“ für Käfer. Renate Hoyer
Auf 2,2 Hektar fällt im Rodungsgebiet jeder Baum ohne „K“ für Käfer. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Ein Aktionsbündnis meldet Verstöße gegen Absprachen wegen des Heldbockkäfers. Die Autobahn-GmbH dementiert.

Ruhig und zivilisiert ist die Räumung im Fechenheimer Wald am ersten Tag nach Einschätzung von Willi Loose vonstattengegangen. Der Vertreter des Aktionsbündnisses Unmenschliche Autobahn (AUA), das seit Jahrzehnten gegen die Straßenbauprojekte im Frankfurter Osten kämpft, hat jedoch als Beobachter der Rodung an mehreren Stellen Verstöße gegen naturschutzrechtliche Auflagen und Zusicherungen festgestellt.

Gravierendster Verstoß war demnach das Fällen zweier dicker Eichen an der nördlichen Baustraße, die das Gelände erschließen soll. Diese Eichen dürften laut dem Gutachten, das das Büro Sweco im Auftrag der Autobahn-GmbH machte, „eigentlich gar nicht existieren“. Ein Team des AUA hatte um den Jahreswechsel selbst die Standorte großer Eichen an den beiden geplanten Baustraßen kartiert; sie gelten unter anderem als Lebensraum des seltenen Heldbockkäfers.

Mindestens zwei dicke Eichen, die auf der Trasse der nördlichen Baustraße stünden, seien auch Bestandteil des Eilantrags gewesen, den mehrere Naturschutzverbände gegen die Rodung eingereicht hatten. Loose: „Im Verfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof ist die Gegenseite mit keinem Wort darauf eingegangen und auch im Beschluss des VGH wurde diese Erkenntnis nicht gewertet.“ Mit der Rodung der zwei Eichen habe die Autobahn-GmbH gegen ihre eigenen Angaben beim VGH verstoßen, dass für die aktuelle Teilrodung keine potenziellen Brutbäume des Heldbocks gefällt würden.

Alle Bäume, die wegen des Käfers nicht gefällt werden dürfen, hätten besondere Markierungen erhalten, erfuhr Willi Loose bei einem Vorgespräch am 30. Dezember im Polizeipräsidium. Bis auf einen einzigen habe jedoch keiner der erhaltenswerten Bäume auf der zunächst von der Rodung ausgenommenen Mittelinsel eine Markierung, kritisiert der AUAVertreter.

Zudem seien nachmittags, als mit schwerem Gerät die Hütten der Waldbesetzer:innen zerstört wurden, die Maschinen Richtung Mittelinsel vorgedrungen, ohne dass erkennbar gewesen sei, wo der geschützte Bereich anfange. Irrtümliche Rodungen seien so nicht ausgeschlossen. Außerdem habe ferngesteuertes Gerät außerhalb der Rodungsfläche das Unterholz weiträumig gerodet.

Traurig äußerte sich Loose darüber, dass der VGH „mit einem Federstrich“ die naturschutzrechtlichen Argumente zum Schutz des Heldbockkäfers vom Tisch gewischt und somit die Räumung und Rodung ermöglicht habe. Wütend seien die Autobahnbaugegner:innen darüber, „dass wieder einmal Natur- und Klimaschutz gegenüber den Interessen der Auto- und Betonlobby unterlegen sind“. Dabei seien Natur-, Biodiversitäts- und Klimaschutz künftig wichtiger für das gesellschaftliche Wohlergehen „als die täglichen Minutengewinne Zehntausender Autopendler:innen, die zulasten der Bewohner:innen des Frankfurter Ostens einen schnellen und bequemen Weg zu ihren Arbeitsplätzen in Frankfurt beanspruchen“.

Die Autobahn-GmbH des Bundes sieht keine Verstöße gegen naturschutzrechtliche Auflagen beim Bau der Baustraßen im Fechenheimer Wald. Die Ansicht von Willi Loose sei „eine Einzelmeinung, die allen von uns eingeholten Fachgutachten widerspricht“, sagte Steffen Rütenfrans, Sprecher der Autobahn-GmbH, am Dienstag im Rodungsgebiet. Eichen, die laut Gutachten schützenswert seien, weil dort potenziell Heldbockkäfer und deren Larven lebten, seien mit einem roten „K“ gekennzeichnet worden. mit fle

Der Bericht des Aktionsbündnisses zu potenziellen Brutbäumen des Eichenheldbocks auf der A66-Trasse samt zugehörigen Karten ist einzusehen unter https://stopp-a66-riederwald.de

Das Rodungsgebiet.
Das Rodungsgebiet. © FR

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