Ramadan

„Das Zusammensein wird uns fehlen“

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Der muslimische Fastenmonat wird durch Corona anders als sonst. Doch Frankfurter Muslime sehen auch die Chancen der besonderen Situation.

Während des Ramadan wird Mohammed Johari noch stärker bewusst werden, dass gerade wenig ist wie sonst. Er ist Vorstandsmitglied und Imam bei der Frankfurter IIS-Moschee im Gallus. Schon seit Beginn der Corona-Krise ruft er täglich Menschen an, die er sonst beim gemeinsamen Gebet in der Moschee treffen würde. IIS steht für Islamische Informations- und Serviceleistungen e. V. In der Moschee wird auf Deutsch gepredigt, es kommen Muslime mit Wurzeln in verschiedenen Ländern.

Um den Kontakt zu halten, telefoniert Johari deshalb. „Die Moschee ist eine Institution für Soziale Arbeit, dort findet das Gemeindeleben statt.“ Im Ramadan wird das noch wichtiger. „Gut 100 Gesichter sehe ich nur im Ramadan“, erzählt Johari.

Besonders vermissen wird er das abendliche Fastenbrechen. „Je nach Jahreszeit brechen Muslime mit sehr vielen anderen in der Moschee das Fasten“, erklärt Johari. „Es trifft menschlich. Genauso, wie es viele Christen getroffen hat, Ostern nicht mit der Familie zu verbringen.“ Das Zusammensein fehle, und das einen ganzen Monat lang.

„Gesundheit geht vor“

Als Alternative bietet die Gemeinde Online-Ansprachen an, Youtube-Livestreams gibt es ohnehin, da viele Gemeindemitglieder weiter weg wohnen.

Auch Hüseyin Kurt, Koordinator der Arbeitsgruppe der türkischen Moscheen in Frankfurt, findet es traurig, in diesem Jahr auf Ramadan in der Moschee zu verzichten. „Es ist traurig, aber unsere Religion sagt, dass die Gesundheit vorgeht“, sagt Kurt. „Die Menschen werden in den Kernfamilien den Ramadan verbringen. Ich bin zuversichtlich, dass die Menschen gut informiert sind und sich auch nicht gegenseitig besuchen.“

Normalerweise ist das tägliche Essen nach Sonnenuntergang, das Fastenbrechen, ein Anlass sich mit Freunden, Verwandten und Nachbarn zu treffen. „Wir kommen zusammen und essen gemeinsam“, erzählt Kurt. Das Fastenbrechen wird nun in den Familien stattfinden. „Vielleicht hat die Pandemie den positiven Effekt, dass den Menschen die Bedeutung der Familien klarer wird“, hofft Kurt.

Abdullah Wagishauser, Vorsitzender der Ahmadiyya-Religionsgemeinschaft in Deutschland freut sich dennoch auf den Ramadan. „Die Vorfreude ist die gleiche wie immer“, erzählt er. „Das ist für uns eine ganz besondere Zeit.“ Wagishauser ist vor 45 Jahren konvertiert. „Am Anfang hatte ich Angst vor dem Ramadan, mittlerweile freue ich mich darauf, weil es eine besondere Zeit der Einkehr ist.“

Auch Imtiaz Ahmed Shaheen, Imam der Nuur-Moschee der Ahmadiyya in Frankfurt-Sachsenhausen versucht, optimistisch zu bleiben. „Der Anblick der leeren Moschee beim Freitagsgebet ist zwar traurig. Wir versuchen aber, die positive Seite der Medaille zu sehen, wie der Islam uns lehrt.“ Daran, dass zu Hause in den Familien gebetet wird, habe man sich in den vergangenen Wochen schon gewöhnt. „Viele merken jetzt erst, dass ihnen das Gebet in der Moschee fehlt, sie haben sich vorgenommen, sich zu bessern.“

Auch Shaheen betont, dass das Fasten der spirituellen Entwicklung dient. „Es wird viel gebetet und der Koran rezitiert. Zu Hause ist das immer noch möglich.“ Anders sein wird aber das Fastenbrechen. „Normalerweise haben wir abends ein gemeinsames Gebet in der Gemeinde gehabt. Nach dem Fastenbrechen haben wir auch schon mal hier zusammen gefeiert und unsere Sachsenhausener Nachbarn eingeladen“, sagt Shaheen.

Der Ramadan endet mit dem Zuckerfest. „Auch da ist es selbstverständlich, dass wir den Maßnahmen folgen“, sagt Shaheen. Es werde zu Hause in kleinerer Runde stattfinden. „Es spricht aber nichts dagegen, unter Einhaltung der Hygieneregeln auch den Nachbarn etwas vom Essen abzugeben.“

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