1. Startseite
  2. Frankfurt

Zusammen gegen Hass und Hetze

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Meike Kolodziejczyk

Kommentare

Asal Dardan, Autorin von „Betrachtungen einer Barbarin“, diskutiert unter dem Titel „German Dream: Wir sind die Erben“ über Migrationsgeschichte.
Asal Dardan, Autorin von „Betrachtungen einer Barbarin“, diskutiert unter dem Titel „German Dream: Wir sind die Erben“ über Migrationsgeschichte. © Sarah Berger

Das vom Literaturhaus Frankfurt initiierte „Festival für kulturelle Diversität“ widmet sich auch in zweiter Auflage den Themen Rassismus, Rechtsextremismus und Sexismus

Zum ersten Jahrestag des rassistischen Anschlags in Hanau hat das Literaturhaus Frankfurt im Februar 2021 das erste „Festival für kulturelle Diversität“ initiiert und gestaltet. Mehr als 6000 Zuschauer:innen aus dem deutschsprachigen Raum verfolgten damals via Livestream die Veranstaltungen. Wegen dieses Erfolgs gibt es nun eine zweite Ausgabe von „Wir sind hier“, diesmal als hybride Variante auch mit Saalpublikum. 15 Gäste sprechen, diskutieren und lesen am kommenden Wochenende an drei Abenden im Literaturhaus Frankfurt sowie an einem Nachmittag im Kulturforum Hanau.

Konzept des Festivals ist es, Autor:innen einzuladen, die sich in ihrer Arbeit, ihren Texten und Büchern ausdrücklich oder hintergründig mit Rassismus beschäftigen. Mit dabei sind Shida Bazyar, Asal Dardan, Aladin El-Mafaalani, Lena Gorelik, Dilek Güngör, Hasnain Kazim, Ozan Zakariya Keskinkiliç, Emilia Roig und Teresa Bücker sowie die Migrationsforscherin Aylin Karabulut und die Frankfurter Kulturpolitikerin und Stadtverordnete Mirrianne Mahn (Grüne). Neben ihrer Arbeit und Expertise eint die Gäste, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Namens oder einer unterstellten Religionszugehörigkeit bereits ausgegrenzt oder Opfer von Gewalt geworden sind. Alle Veranstaltungen werden im Livestream übertragen und geleitet von der ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, der Politikwissenschaftlerin Hadija Haruna-Oelker, der Kritikerin Miryam Schellbach und der Journalistin Salwa Houmsi.

„Wo steht Deutschland zwei Jahre nach Hanau? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Rassismus und Frauenfeindlichkeit? Welche Auswirkungen haben extremistische Anschläge auf die Literaturproduktion?“ Das sind laut Festivalleiter Benno Hennig von Lange die Fragen, um die es bei „Wir sind hier“ geht. Die hochkarätigen Gäste bestätigten „die Bedeutung und Notwendigkeit dieses Festivals“, ergänzt Festivalleiterin Selma Wels, nämlich „marginalisierte Stimmen vom Rand an den Ort zu tragen, an den sie gehören: in die Mitte der Gesellschaft, und ihnen dabei öffentlichkeitswirksam Gehör zu verschaffen“.

Das Festival

„Wir sind hier. Festival für kulturelle Diversität“ wird in seiner zweiten Ausgabe vom 18. bis 20. Februar wieder vom Literaturhaus Frankfurt, Schöne Aussicht 2, ausgerichtet.

In Diskussionen und Lesungen befassen sich Autor:innen und Journalist:innen mit Fragen unserer Zeit. Im Fokus stehen zum Beispiel die Entwicklung antirassistischer Arbeit in Politik, Literatur und Gesellschaft, der Zusammenhang von Frauenfeindlichkeit und Rassismus oder das Schreiben von Literatur nach Ereignissen wie dem Mordanschlag von Hanau 2020.

Als hybrides Festival bietet „Wir sind hier“ drei Abende im Literaturhaus Frankfurt mit Saalpublikum an. Außerdem gibt es am Sonntag, 20. Februar, 15 Uhr, die Veranstaltung „Schreiben im Hier: Schreiben nach Hanau“ im Kulturforum Hanau, Am Freiheitsplatz 18.

Saaltickets kosten 7, ermäßigt 4 Euro, Streamingtickets sind für 5 Euro pro Veranstaltung, der Festivalpass ist für 10 Euro zu haben. myk

Programm, Karten und mehr:
www.literaturhaus-frankfurt.de

„Die Ereignisse, Verluste und Wunden des 19. Februar 2020 bleiben“, betont Literaturhausleiter Hauke Hückstädt. „Es kommt aber auch darauf an, etwas dagegenzusetzen.“ Schließlich sei Hanau fortan nicht nur ein Synonym für dieses Attentat, sondern „eine lebendige Stadt“. Deswegen müsse gehandelt werden. „Unsere Werkzeuge sind die Worte, unser Sprechen, unsere Widerreden, unsere Geschichten“, sagt Hückstädt. „Wir sind eben hier. Und wir sind es zusammen. Das ist nicht verhandelbar.“

Rolle der Literatur

Die Frankfurter Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig und Bildungsdezernentin Sylvia Weber (beide SPD) haben die Schirmherrschaft des Festivals übernommen. „Rassismus, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit, einschließlich gewaltsamer Hasskriminalität, belasten unsere Gesellschaft“, sagt Hartwig. Der Anschlag in Hanau habe tiefe Spuren hinterlassen. Für das Erinnern, die Verarbeitung und den gesellschaftlichen Dialog nehme die Literatur eine besondere Rolle ein. Das Festival biete zum zweiten Mal eine Plattform, „um darüber zu sprechen, wie wir in einem Einwanderungsland wie Deutschland miteinander leben wollen“.

Weber zufolge bleibt „der zunehmende Rassismus und Rechtsextremismus die größte Herausforderung für unsere Demokratie und verpflichtet uns als Politik und Gesellschaft zu handeln“. Alle Menschen müssten dafür Sorge tragen, „dass so etwas nie wieder geschieht“.

Auch interessant

Kommentare