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Dom im Hintergrund: Bürgermeister Olaf Cunitz.
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Dom im Hintergrund: Bürgermeister Olaf Cunitz.

Olaf Cunitz

Zusammen bald eine Millionen-Stadt

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Frankfurts Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) über die Kooperation mit Offenbach und seine Angst, als Schwarzfahrer Richtung Nachbar-Kommune erwischt zu werden.

Herr Bürgermeister, die Verkehrsgesellschaft Frankfurt hat als Aprilscherz veröffentlicht, dass die Straßenbahnlinie zwischen Frankfurt und Offenbach wiederhergestellt wird. Ist das nicht eher ein trauriges Zeichen für das Verhältnis beider Städte?
Ich muss zugeben, dass ich denen auf den Leim gegangen bin. Meine erste Reaktion war: super! Ich dachte tatsächlich, da wäre Bewegung reingekommen in das Thema. Ich war ein wenig enttäuscht, als ich gelesen habe, dass es ein Aprilscherz ist. Diese Straßenbahnverbindung ist ein Thema mit hoher Symbolkraft.

In der Tat. Ich habe 20 Jahre in Oberrad gelebt und noch erfahren, wie schön das war: Man stieg am Buchrainplatz in Frankfurt in die Straßenbahn und war in einer Viertelstunde am Offenbacher Marktplatz.
Das habe ich als Kind und Jugendlicher auch noch erlebt.

Sie haben jetzt die Kontakte zu Offenbach intensiviert, es gab eine sehr gut besuchte Planungskonferenz beider Städte. Haben Sie die Hoffnung, dass sich jetzt tatsächlich etwas bewegt im Verhältnis beider Städte?
Es hat sich schon etwas bewegt. Die beiden Protagonisten, die das auf eine neue Stufe gehoben haben, waren Horst Schneider, der Offenbacher Oberbürgermeister, und Petra Roth, die Frankfurter Oberbürgermeisterin. Die beiden haben das sehr symbolstark inszeniert mit gemeinsamen Auftritten. Da hat man gespürt: Da ist ein Interesse beider Städte, sich näherzukommen. Es war ein guter Anfang. Heute führt das auch Oberbürgermeister Feldmann weiter mit seinem Bemühen, die Region zusammenzuführen.

Sie selbst engagieren sich aber auch.
Ja, gewiss. Das ergänzt sich gut. Wir haben zwei Oberbürgermeister, die das vorantreiben, Schneider und Feldmann, und zwei Planungsdezernenten, das sind in Personalunion wieder Schneider und meine Person. Wir hatten 2015 mit internationalen Experten ein Panel über das Urban Land Institute organisiert, eine Non-Profit-Organisation, die sich mit Stadtentwicklung beschäftigt. Die sind an uns herangetreten, und ich hatte die Idee: Lasst uns was mit Offenbach zusammenmachen. Die haben für uns eine Agenda von tollen Ideen erarbeitet.

Eine davon ist der Fußgängersteg über den Main zwischen Frankfurt und Offenbach bei Fechenheim.
Es geht darum, die Verbindung zwischen Frankfurt und Offenbach auch sichtbar zu machen. Dazu gehört der Fußgängersteg. Aber auch die Wiederaufnahme der Straßenbahnlinie. Wir müssen auch überlegen, was das Kaiserlei an Potenzial für beide Städte bietet. Leider haben beide Städte in der Vergangenheit viel versäumt. Zum Beispiel wäre eine Zusammenarbeit der Städtischen Kliniken möglich gewesen. Warum hat man das nicht zwischen Frankfurt und Offenbach vereinbart? Oder eine gemeinsame Entwicklung von Sportstätten. Statt dessen haben die Offenbacher ein tolles Stadion gebaut, und wir haben viel Geld in den Bornheimer Hang gesteckt.

Ich habe 1990 erlebt, wie die Oberbürgermeister Volker Hauff für Frankfurt und Reuter für Offenbach den gemeinsamen Vertrag zur Entwicklung des Kaiserlei unterschrieben. Passiert ist danach nicht viel. Warum sollte das jetzt anders werden?
Es gibt an der Spitze beider Städte den Willen. Beide sehen: Wir sind der Kern der Entwicklung im Rhein-Main-Gebiet. Wir werden bald zusammengenommen eine Millionen-Stadt sein. Alleine kommt keiner weiter.

Im Kaiserlei gibt es das Projekt einer multifunktionalen Halle. Aber es fehlt ein Betreiber.
Wir haben eine Ausschreibung gemacht. Jetzt wäre es gut, wenn sich ein Investor findet. Das Potenzial ist da. Aber es gibt viele andere Projekte. Für die Europäische Schule gibt es ein Grundstück im Kaiserlei, das beide Städte gemeinsam entwickeln könnten. Dort könnte eine Europäische Schule entstehen, um die heutige provisorische Erweiterung in Frankfurt zu ersetzen.

Heute schon baut der Frankfurter städtische Wohnungskonzern ABG in Offenbach, auf der Hafeninsel und auf dem alten MAN Roland-Areal. Ist das ausbaufähig?
Absolut. Da kann die ABG gerne noch mehr machen. Auch die Nassauische Heimstätte könnte sich hier engagieren.

Könnte eine gemeinsame Projektentwicklungsgesellschaft beider Städte entstehen?
Das war einer der Vorschläge des Experten-Gremiums bei der Planungskonferenz. Eine gemeinsame Projektentwicklungsgesellschaft wäre ein wichtiger Schritt. Die könnte aus bestehenden Gesellschaften beider Städte oder des Landes entstehen.

Was ist mit der gemeinsamen Stadtkarte?
Tatsächlich gibt es keinen gemeinsamen Stadtplan beider Kommunen. Auf den Plänen jeder Stadt ist die Fläche der anderen jeweils grau. Jetzt sitzt eine Kollegin vom Offenbacher Stadtvermessungsamt bei uns im Haus und erarbeitet mit unseren Kollegen die erste gemeinsame Stadtkarte. Die wollen wir noch dieses Jahr präsentieren. Außerdem wurde in den letzten Sitzungen des Offenbacher und des Frankfurter Stadtparlaments vor der Kommunalwahl am 6. März eine gemeinsame Agenda beider Städte beschlossen. Das ist leider etwas untergegangen.

Wann könnte die gemeinsame Projektentwicklungsgesellschaft stehen?
Es bedarf einiger Vorbereitungen, aber wenn wir es wollen, können wir im nächsten Jahr an den Start gehen.

Was ist mit der gemeinsamen Tarifzone des RMV für beide Städte?
Ich hatte zwei, dreimal furchtbare Momente. Ich bin nach Offenbach gefahren, und plötzlich fiel mir ein: Du hast nicht den Anschlussfahrschein gelöst. Das wäre der Gag des Jahres, wenn dich jetzt ein Kontrolleur erwischt: Frankfurts Bürgermeister fährt schwarz nach Offenbach. Es ist ein Anachronismus sondergleichen, dass es noch keine gemeinsame Tarifzone gibt.

Der RMV ist ein sehr schwerfälliger Apparat. Gibt es da Hoffnung auf Bewegung?
Es wird Geld kosten. Und wir können Offenbach finanziell nicht überfordern. Das heißt: Da muss Frankfurt finanziell in Vorleistung gehen, um die gemeinsame Tarifzone zu bezahlen. In dieser Wahlperiode muss das geschehen. Das gleiche gilt für die Wiederherstellung der Straßenbahnverbindung. Die Schienen liegen ja. Das muss in den nächsten fünf Jahren, in dieser Wahlperiode passieren. Das müssen wir einfach schaffen.

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