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Bei der zentralen Gedenkveranstaltung der Stadt Frankfurt und des Hessischen Städtetags spricht Salomon Korn.

Holocaust-Gedenken

„Zurück blieb nur Asche“: Frankfurt gedenkt der Shoa-Opfer

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Bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus wird an das Leid der Opfer erinnert – und zum Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen.

Mit mahnenden Worten haben die Spitzen des Landes Hessen, der Stadt Frankfurt und der Jüdischen Gemeinde am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus dazu aufgerufen, die Auseinandersetzung mit dem Völkermord an den europäischen Juden fortzuführen und sich klar gegen Antisemitismus und Rechtspopulismus zu positionieren. „Für die Überlebenden und ihre Nachkommen gibt es keinen endgültigen Abschied von Auschwitz“, sagte Salomon Korn, der Vorsitzende der Frankfurter Jüdischen Gemeinde, bei der zentralen Gedenkveranstaltung des Landes und der Stadt Frankfurt am Sonntag in der Paulskirche. Die Überlebenden litten bis heute unter den erlebten Qualen, viele auch darunter, dass sie ihre ermordeten Lieben nie nach jüdischem Ritus hätten beerdigen können. „Zurück blieb nur Asche, menschliche Asche“, sagte Korn.

Aber auch der Rest der Menschheit komme nicht darum herum, sich mit dem Zivilisationsbruch, für den der Name des Vernichtungslagers Auschwitz stehe, zu befassen, so Korn. „Die Nachwelt ist unauslöschlich von Auschwitz geprägt.“ Das gelte auch aktuell, da rechte Kräfte und der Antisemitismus in Europa wieder stärker würden. Gemeinsam mit allen Wohlmeinenden werde die jüdische Gemeinschaft nie aufhören, „die Erinnerung an die Ermordeten und das Leid der Überlebenden wachzuhalten“, sagte Korn. Gedenkveranstaltungen dienten dabei als eine symbolisch nachgeholte Totenwache für die Opfer. 

Bouffier: „Wir müssen auch handeln“

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) warnte, es dürfe niemals ein Schlussstrich unter die Erinnerung an die in Auschwitz begangenen Verbrechen geben. „Wir wollen unser Entsetzen nicht konservieren“, sagte Bouffier. „Wir wollen und wir müssen auch handeln.“ Insbesondere dürften Demokraten sich nie daran gewöhnen, dass Rechtspopulisten das Geschehene relativierten oder die Erinnerung an die Opfer für gezielte Provokationen und Tabubrüche benutzten, um mehr Aufmerksamkeit zu erzielen. Die Demokratie halte Widerspruch und scharfen Dissens aus, sagte Bouffier, nie jedoch Gleichgültigkeit gegenüber der Vergangenheit oder dem Antisemitismus.

Der Präsident des Hessischen Landtages, Boris Rhein (CDU), grenzte sich vom Ausspruch des AfD-Politiker Björn Höcke von 2017 ab, die Deutschen brauchten eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“. „Wir brauchen keine erinnerungspolitische Wende, und die Zitate zeigen, dass Erinnerung bitter nötig ist“, sagte Rhein. 

Rhein für Pflicht-Besuche in KZ-Gedenkstätten 

Verleugnen und Verdrängen habe in Deutschland schon nach 1945 vorgeherrscht, in diese Haltung dürfe man nicht zurückfallen. Die manchmal geäußerte Kritik am offiziellen Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus könne er daher nicht nachvollziehen, sagte Rhein: „Mir ist selbst ritualisiertes Gedenken lieber als planvolles Vergessen.“ Daher befürworte er auch verpflichtende Besuche in KZ-Gedenkstätten für alle Schüler. „Für die Nachgeborenen im Land der Täter darf es kein Vergessen geben“, sagte Rhein.

Dass das Gedenken an die Verbrechen die ganze Gesellschaft angehe, betonte auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). „Jeder, der in Deutschland lebt, wird von ihnen in irgendeiner Weise berührt“, sagte Feldmann. Feldmann erinnerte auch an den hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer. Die von ihm vorangetriebenen Frankfurter Auschwitzprozesse hätten die von den Tätern vorgetragene „Lüge von Befehl und Gehorsam“ schon in den 60er Jahren entlarvt, sagte Feldmann.

Frankfurts Stadtkämmerer Uwe Becker rief zu einem verstärkten Kampf gegen den Antisemitismus auf, „der sich aus den Hinterzimmern längst wieder in die Mitte der Gesellschaft traut“. Es sei bereits „zehn nach zwölf“, sagte Becker.

Der 27. Januar ist seit 1996 in Deutschland der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Allein dort waren mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet worden, vor allem Jüdinnen und Juden.

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