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Die B-Ebene der Hauptwache ist die Bühne des Straßenmusikers Meng Meng Wang.
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Die B-Ebene der Hauptwache ist die Bühne des Straßenmusikers Meng Meng Wang.

Kultur

Frankfurt: Zum Hören und Innehalten

Der Straßenmusiker Meng Meng Wang verzaubert mit chinesischen Melodien.

Der Mann mit dem roten Schal fixiert seine Violine zwischen Kinn und Schulter. Die Finger der linken Hand fassen das Griffbrett, die Finger der rechten Hand halten den Bogen. Seine Augen sind geschlossen, die Musik erklingt, er bewegt sich dazu: mal langsam, mal schnell.

Die Melodien, die er spielt, stammen aus seiner Heimat. Sie klingen zart und wunderschön. Die B-Ebene der Hauptwache ist seine Bühne. Wenn er spielt, bleiben ab und zu einzelne Passantinnen und Passanten stehen. Vor allem kleine Kinder halten kurz inne und lauschen, bis sie von ihren Eltern aufgefordert werden weiterzugehen. Nur wenige nehmen sich wirklich Zeit und hören zu.

Der Musiker heißt Meng Meng Wang. Er ist in Frankfurts Partnerstadt Guangzhou geboren, hat seine Kindheit und Jugend in China verbracht und früh angefangen, Violine zu spielen. Das Studium führte ihn nach Deutschland.

Er lebte zuerst in Trier, später in Mainz, und seit 1995 wohnt er in Frankfurt. Beruflich ist er Dolmetscher in der Tourismusbranche und arbeitet als Moderator auf Veranstaltungen. Die Corona-Pandemie verändert natürlich auch seinen Alltag. Nun nutzt er die Zeit als Straßenmusiker und erwirtschaftet so einen kleinen Zugewinn.

„Am Anfang habe ich für Freunde auf der Violine gespielt, das kam gut an“, erzählt Meng Meng Wang. Seit August 2020 spielt er öffentlich in der Hauptwache. Er mag den Ort, denn hier sei immer Bewegung. Ein weiterer Vorteil: Auch bei schlechtem Wetter steht er im Trockenen und kann problemlos musizieren.

Die Musik ist seine Leidenschaft. Sein Repertoire umfasst Ballettstücke, Liebes- oder Heldenlieder. Der harmonische Klang dieser Werke lässt die Zuhörer:innen in eine andere Welt eintauchen. „Ein Lieblingsstück heißt Schmetterlingsliebe. In China ist dieses Violinkonzert überall bekannt und kommt auch bei europäischen Musikliebhabern gut an“, sagt Meng Meng Wang. Die Länge der Originalstücke habe er für seine Straßenkonzerte angepasst. Er weiß viel über die Entstehungsgeschichten hinter den Werken. Er kennt Anekdoten und zitiert einzelne Liedtexte. Wenn er erzählt, gestikuliert er. Zeigt beim Wort „Himmel“ mit dem rechten Zeigefinger nach oben. Das Wissen sei hilfreich, meint er, denn dann verstünde man die Botschaft des Liedes besser.

Nicht immer kann Meng Meng Wang ungestört musizieren. Krachend werden hinter ihm die Mülleimer geleert, Stimmengewirr ertönt aus allen Richtungen, in der Ferne ruft jemand unverständliche Wörter. Menschen treffen aufeinander, und bei Streitigkeiten kann es passieren, dass die Polizei eingreifen muss. In dem Trubel lässt er seine Violine trotzdem sprechen. Musik würde beruhigen, meint er. „Die Situation ist für viele Menschen belastend. Aber Musik macht Freude, schafft Momente der Freude. Das will ich teilen.“ Am Ende seien es die positiven Reaktionen der Menschen, die ihn motivieren, weiter zu spielen. In die Zukunft blickt Meng Meng Wang trotz der schwierigen Situation zuversichtlich. Er wird erst mal weiter musizieren, Menschen aus ihrem Alltag entführen und auf eine kurze musikalische Reise mitnehmen.

Meggan Noack besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität. Die Frankfurter Rundschau kooperiert mit der Buch- und Medienpraxis und stellt in einer Serie ausgewählte Texte der Studierenden vor. (Meggan Noack)

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