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„Zu viele Sorten können Einsteiger überfordern“

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Marc Rauschmann fokussiert sich in seiner Brauerei Braufactum auf drei Sorten Craftbier. Rauschmann
Marc Rauschmann fokussiert sich in seiner Brauerei Braufactum auf drei Sorten Craftbier. Rauschmann © Rauschmann

Braumeister Marc Rauschmann über die Zukunft der Craftbiere

Marc Rauschmann ging mit Braufactum im Jahr 2010 an den Start, um Craftbiere in Deutschland zu etablieren. Das Unternehmen gehört zur Radeberger-Gruppe, der größten Brauereigruppe des Landes. Doch der ganz große Hype um Craftbiere scheint in Deutschland mittlerweile schon wieder vorbei zu sein. Dennoch sieht Marc Rauschmann positiv in die Zukunft.

Die Radeberger-Gruppe hat die Schließung der Binding Brauerei angekündigt. Ist Braufactum davon betroffen?

Nein, wir sind nicht von der Standortschließung in Frankfurt betroffen, da wir Gypsy Brewer sind und in verschiedenen Brauereien brauen. In der Binding-Brauerei haben wir aufgrund der Größe der Produktionschargen überhaupt nicht gebraut.

Braufactum gehört zu den Vorreitern beim Thema Craftbier in Deutschland. Viele sprechen aber schon vom Ende des Trends in Deutschland. Wie sehen Sie die Entwicklung des Marktes?

Zunächst einmal hat Craftbier die letzten zehn Jahre viele Impulse in den Markt gegeben und ist aus der deutschen Bierkultur als Bestandteil der Bierspezialitäten nicht mehr wegzudenken. Sicherlich haben wir uns alle eine schnellere Entwicklung gewünscht und diese auch erwartet. Allerdings ist der deutsche Biermarkt nun mal im Vergleich zu anderen Ländern bereits mit einer großen Vielfalt und Produkten von guter Qualität gesegnet. Das Gros der Konsumenten fragt daher weiterhin die klassischen Bierstile nach. Aber wir sehen auch, dass eine kleinere (und wachsende) Zielgruppe sich für andere, außergewöhnlichere, kantigere Biere interessiert. Die Corona-Pandemie hat mit den Lockdowns und den Schließungen der Gastronomie sicherlich nicht dazu beigetragen, dass eben diese Gruppe schneller wächst. Trotzdem merken wir, wie das Geschäft nun wieder langsam, aber sicher durch Events und Veranstaltungen anzieht. Wichtig ist nun, dass wir mit Craftbier an dem Punkt ansetzen, an dem wir vor der Pandemie standen. Insbesondere die Gastronomie spielt dabei eine entscheidende Rolle, um mehr Konsumenten für die neuen Bierstile zu begeistern.

Ist der Großteil der deutschen Biertrinker zu konservativ für Craft-Biere? Hopfenbauern mit neuen Aromahopfen klagen ja bereits über Absatzschwierigkeiten.

Es gibt auch in Deutschland ausreichend viele Bierkonsumenten, die offen für Neues sind und gerne auch neue Bierstile ausprobieren. Das erleben wir regelmäßig auf den vielen Festivals und Veranstaltungen. Ich denke aber, dass die Konsumenten als Einsteiger zum Teil überfordert waren von vielen Bieren, die immer extremer gebraut wurden. Wir setzen daher auf eher leichter zugängliche Biere, da wir eine breitere Zielgruppe ansprechen und die Konsumenten Schritt für Schritt abholen möchten. Dabei ist es unser Ziel, über die verlässliche, gute Qualität unsere Kunden praktisch mit dem ersten Schluck zu überzeugen.

Sie haben ja in den vergangenen Jahren eine Restrukturierung von Braufactum umgesetzt und den Betrieb wieder enger mit der Muttergesellschaft Radeberger verknüpft. Wie sieht die weitere Entwicklung aus?

Wir haben uns vor zwei Jahren auf unsere drei beliebtesten Sorten Progusta, German Pale Ale und The Brale fokussiert, die in der Flasche über den Handel oder in der Gastronomie auch im Fass vertrieben werden. Hierfür nutzen wir über die Radeberger-Gruppe nun ausschließlich die etablierten Vertriebswege über den Getränkefachgroßhandel zu den Gastronomen und Handelspartnern. Die Entwicklung hat gezeigt, dass das die richtige Entscheidung war, da dies für alle Beteiligten der gelernte und daher einfachere Weg ist. Zusätzlich gibt es in unseren beiden Gastronomieobjekten in Berlin und auf Veranstaltungen weitere Braufactum-Sorten vom Fass.

Interview: Sören Rabe

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