Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rita Brinkman baut die Reitschule des Elisabethenhofs auf. Christoph Boeckheler
+
Rita Brinkman baut die Reitschule des Elisabethenhofs auf. Christoph Boeckheler

PORTRÄT DER WOCHE

Zu Pferd durch den Apfelhain

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
    schließen

Rita Brinkman baut am Unterliederbacher Elisabethenhof eine Reitschule auf. Sechs Ponys sollen demnächst für Kinder bereit stehen.

Rita Brinkman lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Die neue Reitlehrerin des Elisabethenhofs im Frankfurter Stadtteil Unterliederbach soll fürs Zeitungsfoto posieren. „Ohne Pferd?“, fragt sie. Das geht nicht. Entschlossen leiht sie sich eines der Rösser, die auf dem Hof zur Miete wohnen. Schnell freundet sie sich mit dem Tier an. Erklärt ihm, was fürs Foto zu tun ist. Eine Pferdeflüsterin eben.

Um sie herum pulsiert das Leben. 21 Menschen arbeiten fest auf dem Elisabethenhof, dazu gesellen sich rund 50 Saisonkräfte – die fast das ganze Jahr Saison haben; wochenends noch zehn Servicekräfte für den Biergarten. Ein Trecker ruckelt vorbei, ein Hund schnuppert herum, eine ganze Reihe von Menschen begutachtet, wie das Foto langsam entsteht. Rita Brinkman und das geliehene Pferd lassen die Prozedur stoisch über sich ergehen.

Mit der gleichen Gelassenheit baut die 39-Jährige zurzeit die neue Reitschule auf. Dafür benötigt sie gut ausgebildete Ponys, damit die Kinder keine schlechten Erlebnisse haben. Sechs Ponys soll es geben, die Schule soll überschaubar bleiben, keine Massenabfertigung sein. Verschieden groß sollen die Reitgefährten sein, damit die dreijährigen Kinder ebenso viel Spaß haben wie die älteren. Eine Unterrichtseinheit dauert 45 Minuten.

Die Eltern können ihre Sprösslinge vorne am Parkplatz abgeben. Dort findet sich ein kleines Büro. Das Backoffice ist digital, Interessent:innen können einfach einen Termin buchen und loslegen. In kleinen Gruppen oder im Einzelunterricht.

Der Reitplatz liegt etwas abseits. Dort stört niemand die Reitschülerinnen (tatsächlich sind es vorwiegend Mädchen), sie können auch mal herumtoben und selber Pferd spielen. Später soll dort auch eine feste Halle stehen, vorerst schützt ein Reitzelt mit 60 mal 40 Meter Grundfläche vor der Witterung. Guter Boden sei wichtig, sagt Brinkman, trittsicher müsse der sein, wetterfest, eingezäunt. Die Pferde dürfen nicht ins Rutschen kommen, der Grund darf nicht zu schwer oder tief sein, damit es für die Tiere angenehm ist.

Der hof

Der Elisabethenhof , Schmalkaldener Straße 15, das ist der Abschnitt jenseits der Autobahn, ist noch im Umbau. Der große Hofladen ist noch zu. Es gibt aber einen kleinen Marktstand. An Wochenenden ist auch der Biergarten geöffnet. sky

Kontakt ist möglich über Facebook oder Mai: info@elisabethenhof.de

Brinkman ist in Mainz geboren, im Westen von Frankfurt aufgewachsen. Mit fünf Jahren hat sie angefangen zu reiten. Nur wenig später ist ihr klar geworden, dass sie auch beruflich mit Pferden arbeiten möchte. Schon während ihrer Schulzeit hat sie erfolgreich an Dressur- und Springturnieren teilgenommen.

Inzwischen ist sie Pferdewirtschaftsmeisterin, hat zehn Jahre lang im Hofgut Liederbach gearbeitet, davon fünf als Geschäftsführerin. Dann hat sie sich selbstständig gemacht. „Wenn man viel im Büro sitzt, kommt man seltener aufs Pferd“, sagt sie. Darum ist sie nun nachmittags an der Reitschule, vormittags bildet sie junge Pferde aus. „Das ist meine Passion.“ Sie aufzubauen, zum Sport zu bringen. „Junge Pferde sind wie ein weißes Blatt Papier.“ Ein „leichtes und harmonisches Zusammenspiel“ zwischen Pferd und Reiterin wolle sie ermöglichen, nicht eine kraftvolle Auseinandersetzung.

Wichtig ist Brinkman eine artgerechte Haltung der Tiere. In dem Bereich habe sich viel getan seit ihren Reitanfängen. „Pferde brauchen soziale Kontakte.“ Sie sollen in einer Herde leben, nicht in Boxen. „Pferde wollen auch nicht herumstehen, es sind Bewegungstiere, sie wollen laufen.“

Herdentiere seien ausgeglichener als jene, die in Boxen leben müssten. Das komme auch den Kindern zugute. Ab den Herbstferien möchte der Elisabethenhof auch Reitcamps anbieten, für drei- bis sechsjährige Ponyfreunde. Das Areal erlaubt Ausritte, auch geführte Touren, es ist groß genug und eingezäunt. Der innere Hofbereich ist ohnehin zugänglich, die Menschen sollen ein Stück Landwirtschaft entdecken können, Erdbeeren selber pflücken, lernen, wie Salat wächst. Zwischen den Apfelbäumen ist auch Platz für Veranstaltungen.

„Gerade für die Stadtkinder ist das ein Erlebnis, mal raus ins Grüne zu kommen“, sagt Dimitri Parhofer, der den Hof im vorigen Jahr zusammen mit Geschäftspartner Olaf Bothe gekauft hat. Parhofer, Jahrgang 1982, ist Immobilienentwickler und Autorennfahrer. Nun hat er einen landwirtschaftlichen Betrieb im Portfolio. „Wie im Urlaub“ fühlt er sich, wenn er aus der Stadt raus zu seinen Ländereien fährt.

Rita Brinkman lächelt nachsichtig. Urlaub ist so ein Ponyhofbesuch nicht gerade. Die Schülerinnen (womöglich auch Schüler) müssen zunächst den Umgang mit den Tieren lernen, auch Verantwortung übernehmen, ein Gefühl für die Tiere bekommen. Die Pferde erziehen sich im Grunde selber. Die Herde hat ein Leittier. Aber das lobt oder tadelt die andern nicht. „Pferde bekommen von ihren Eltern auch keine Leckerli zugesteckt“, sagt Brinkman. Aber wenn sich das Tier richtig verhält, wird es in der Herde akzeptiert.

Die Kinder müssen in der Pferdesprache agieren, ruhig auf dass Tier zugehen, beobachten, wie die Körpersprache ist. „Wirkt es nervös, muss ich vorsichtig sein.“ Wer im Gleichschritt mit dem Pferd läuft, signalisiert ein Freund zu sein. Schnelle Bewegungen sollten die Schülerinnen und Schüler dagegen vermeiden. „Das lernen Kinder schnell“, sagt Brinkman.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare