Ausstellung

Zonen-Gaby und der Titel-Papst

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Zum 40-jährigen bestehen der „Titanic“ steht in der Frankfurter Caricatura ein Megaevent an.

Einen solchen Festumzug hat der Römerberg noch nicht gesehen – und der erlebte ja bekanntlich den Tross so manchen deutschen Kaisers. Am 2. Oktober aber steht ein Megaevent der Satire ins Haus: Der 40. Geburtstag des Magazins „Titanic“.

Sie erinnern sich? Die Publikation also, deren Titelbilder sich ins kollektive Gedächtnis dieser Republik eingebrannt haben. Zum Beispiel: „Zonen-Gaby (17) im Glück (BRD): ,Meine erste Banane‘“. So feierte die Frankfurter Redaktion im November 1989 den Fall der Mauer mit einem fidelen Mädel und einer großen – Gurke.

Oder das unsterbliche Blatt einige Jahre später mit dem von Korruptionsskandalen gebeutelten Papst im weißen Ornat mit großem Urinfleck: „Die undichte Stelle ist gefunden.“

Am Beispiel der „Titanic“ merkt man aber auch, wie die Zeit vergeht. Manche Titanen der Zeitgeschichte, die da aufs Korn genommen wurden, kennt heute kaum noch einer: Wer war noch gleich Heinz Riesenhuber?

Liebevoll betreuten die Redakteure auch den jungen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz – unter dem Kosenamen „Baby-Hitler“. Einmal beugt sich Kanzlerin Merkel beim Staatsempfang zum kleinen Gast: „Baby-Hitler kommt heim ins Reich“. Oder man sieht den Kanzler vor einer völlig zerdepperten Limousine: „Baby-Hitler macht den Führerschein.“

Was kann, was darf Satire? 40 Jahre lang, seit der ersten Nummer im November 1979, hat die „Titanic“ bisher diese Grenzen ausgelotet. 300 der schönsten Titelbilder zeigt die große Jubiläumsausstellung vom 2. Oktober an im Frankfurter Museum für Komische Kunst, der Caricatura am Weckmarkt 17.

Viele Zeichner mit Rang und Namen haben schon für das Heft gearbeitet: Gernhardt, Waechter, Traxler, Greser&Lenz und andere. Für die Ausstellungseröffnung und den Festumzug auf dem alten Krönungsweg zwischen Dom und Römer hat der renommierte Düsseldorfer Bildhauer und Fastnachtswagenbauer Jacques Tilly eine Großplastik vorbereitet – mehr soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden.

Selbstredend wird in der Ausstellung die berühmte Jeansjacke der „Zonen-Gaby“ von 1989 zu sehen sein, nebst anderen Exponaten. Wieder mal macht die Caricatura von sich reden, diesmal bis 2. Februar 2020.

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